Vor 60 Jahren, am 8. Oktober 1959, gründeten neun Fotoamateure den «Photo-Amateur Club See- und Oberwynental». Nun zählt der Verein 30 aktive Mitglieder. Und Amateure, leidenschaftliche Liebhaber eines anspruchsvollen, aber befriedigenden Hobbys, sind sie allemal. Gings bei der Gründungsversammlung um «Filter und ihre Anwendung», so wird vielleicht heute über die technischen Möglichkeiten der digitalen Fotografie diskutiert.

Sicher ist: Man geht hinaus oder ins Studio, pröbelt, macht Workshops und Ausflüge. Und fachsimpelt auch beim Bräteln. Was macht denn ein gutes Bild aus? «Man muss das Motiv sehen», sagt ein Besucher. Er steht vor einem Bild, in dem sich das Wolkenmeer im Baldeggersee spiegelt.

Grosse Vielfalt

Präsident Marcel Fricker ist erfreut über die Vielfalt, die sich in den Bildern der 13 Teilnehmenden der Ausstellung zeigt: Formate, Motive. Ein Thema war nicht gegeben. So sind da betörende Landschaften aus vielen Teilen der Welt zu sehen, vom Seetal bis Bhutan, Vietnam bis Bündnerland. Architektur, Gegensätze, die Natur im Grossen und im Detail einer Blumenblüte. Kuhporträts.

Und Menschen? Thomas Bachmann zeigt in schwarzweiss einzelne Menschen in städtischen Bauwerken. «Einsamkeit in einer urbanen Welt», sagt er. Das fällt ihm aber erst im Nachhinein ein. Am Anfang war das Bild, die Komposition, die ihn angesprochen hat. Eine Frau auf einer Treppenflucht.


Ein Musterbeispiel dafür, wie der Zufall spielt, ist ein Bild von Werner Frey. «Zuerst wollte ich es löschen», sagt er. Nun zeigt es, mit viel Bewegungsunschärfe, eine Szene einer Wachtablösung an der indisch-pakistanischen Grenze. Bewusst auf eine Staffelei gesetzt hat Rita Müller eine Fotografie, die wie ein gemaltes Bild wirkt: Waldkathedrale Beromünster.

Photoshop ist dabei

Was auffällt: Die Amateure und Amatricen haben keine Berührungsängste mit der Technik. Photoshop bringt satte Farben und holt die Wolken wieder hervor. Oder verfremdet, wie die mystisch-zarten Stimmungsbilder vom Hallwilersee von Marianne Thöny.
Einen analogen Schritt weiter gehen Martin und Mareike Hauri: Er fotografiert, derweil sie die Pflanzen auf den Bildern ihres Mannes stickt, so dass partiell dreidimensionale Bilder entstehen.

Musik öffnet Bilder

Sabine (Akkordeon) und Sven Bachmann (Klarinette) spielten an der Vernissage zu vier ausgewählten Bildern, die auch die thematische Breite der Ausstellung abstecken: Alpabzug, Schwerindustrie, Grossstadt, Wasserfälle. Damit illustrierten sie aufs Schönste, was Vernissageredner Felix Müller sagte: «Eine stille Fotografie erzeugt im Gehirn einen Flächenbrand und regt die Sinne an.» Emotionen, Erinnerungen, Töne, Gerüche kommen hoch, je individuell im Kopf des Betrachters.


Die Ausstellung ist noch am 6. und 7. April von 14 bis 18 Uhr geöffnet.