Menziken
Wegen Schulpavillon: Der Steuerfuss soll um ein Prozent rauf

Der dringend nötige Schulpavillon lasse sich nur mit höheren Steuern realisieren, sagt der Gemeinderat.

Rahel Plüss
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Menziken will den Beinwiler Pavillon, der nächsten Sommer frei wird, übernehmen. zvg

Menziken will den Beinwiler Pavillon, der nächsten Sommer frei wird, übernehmen. zvg

Menziken hat immer mehr Schüler. Nächstes Schuljahr wird voraussichtlich zum ersten Mal eine erste Klasse in vier Abteilungen geführt. Grund dafür ist unter anderem die rege Bautätigkeit im Dorf.

Der günstige Wohnraum zieht Familien an. Per Ende September zählte die Gemeinde 5958 Einwohner. Dieses Schuljahr werden 7 Kindergarten-, 26 Primarschul- und 13 Oberstufenklassen mit total 760 Schülern geführt.

Seit Jahren zeichnet sich ein Engpass beim Schulraum ab. Da die Gemeinde nicht auf Rosen gebettet ist, hat man das Vorhaben immer wieder verschoben. Jetzt ist das Raumproblem auf der Unterstufe akut, wie Gemeindeammann Annette Heuberger an der Partei- und Presseinformation im Vorfeld zur Gemeindeversammlung sagte.

Für die zusätzliche erste Klasse im kommenden Schuljahr sei kein Raum vorhanden. Und die Schülerzahl wird weiter steigen. In Kürze werden es 27 Primarklassen oder mehr sein, Potenzial in den bestehenden Schulanlagen: 23 Klassenzimmer.

Trotzdem will man sich noch nicht auf einen Schulhausneubau festlegen. Zu ungewiss ist die Zukunft der Gesamtschule Menziken. Denn nach den neuen kantonalen Richtlinien sind Bezirksschulen ab Schuljahr 2021/22 in mindestens sechs Abteilungen zu führen – ob Menziken diese eine Anforderung erfüllen kann, ist unklar.

Occasionspavillon aus Beinwil

Um den kurzfristig erforderlichen Schulraumbedarf für drei bis vier Primarschulklassen abzudecken, schlägt der Gemeinderat die Installation eines Pavillons auf dem Hartplatz bei den Turnhallen vor – eines gebrauchten notabene.

In Beinwil am See steht ab Sommer 2017 ein Schulpavillon leer, der seit 2012 in Gebrauch ist. Für 1,05 Millionen Franken wollen die Beinwiler ihren Pavillon den Wynentalern überlassen. Eine ideale Lösung für Menziken, wie Gemeindeammann Annette Heuberger sagt, «kostengünstig und flexibel.»

Der Pavillon lasse sich wieder verkaufen, erweitern und sorge für Spielraum während der allfälligen Planungsphase für einen Neubau. 1,35 Millionen Franken beantragt der Gemeinderat für den Kauf inklusive Umzug, Installation und Inbetriebnahme des Pavillons. Dafür muss aber der Steuerfuss um 1 Prozent, von 119 auf 120 Prozent erhöht werden.

200'000 Franken

In dieser Grössenordnung müssen in der Gemeinde Menziken jährlich Steuergelder als Forderungsverluste abgeschrieben werden. Das entspricht rund 2,5 Steuerprozenten. Aus der Bewirtschaftung früherer Verlustscheine können allerdings jährlich rund 90'000 Franken eingefordert werden.

Zwar könnte die Investition ohne Steuerfusserhöhung getätigt werden, die Folgekosten aber nicht. «Die Abschreibungen werden der laufenden Rechnung belastet, die Steuererträge sind zu gering, um diese abzudecken», erklärte Gemeinderat Jürg Rubin, der die Finanzen unter sich hat. In Menziken zahlen 84 Prozent der Einwohner weniger als 10 000 Franken Steuern, Gemeinde-, Kantons- und Kirchensteuern zusammengenommen.

Im Jahr 2015 betrug die Steuerkraft je Einwohner 1675 Franken (Kantonsmittel 2605 Franken). Das Budget 2017 rechnet mit einem Steuerertrag von knapp
12,3 Mio. Franken (bei Steuerfuss 120 Prozent). Das negative operative Ergebnis der laufenden Rechnung kann mit einer Entnahme aus der Aufwertungsreserve gedeckt werden. Budgetiert sind Nettoinvestitionen in der Höhe von 2,4 Mio. Franken.

Die Nettoschuld pro Einwohner lag im 2015 bei 118 Franken. In den nächsten Jahren muss gemäss Finanzplan mit einem Anstieg auf ein Mehrfaches gerechnet werden. Gemeinderat Jürg Rubin spricht Klartext: «Bei diesem Steuereinkommen wird in Zukunft wohl jede grössere Investition, ich spreche von Vorhaben in der Grössenordnung von zwei Millionen Franken aufwärts, eine Steuerfusserhöhung zur Folge haben.»

Das sorgt für Kopfzerbrechen. Die Attraktivität der Gemeinde für steuerkräftigere Zuzüger muss gesteigert werden. Dazu soll unter anderem die neue Nutzungsplanung beitragen, die im November ebenfalls zur Abstimmung kommt.

Neben den angewiesenen Auszonungen, die gemäss kantonalem Richtplan erforderlich sind, will die Gemeinde mit der Revision der Bau und Nutzungsordnung unter anderem Grundlagen schaffen, dass die «menschenleere Zentrumszone», wie Gemeinderat Ulrich Rindlisbacher sich ausdrückte, verdichtet bebaut und vielfältig gemischt genutzt werden kann.