Am Homberg muss ein Bauer eine weitere Wasserquelle erschliessen, um die Versorgung von Hof und Tieren sicherzustellen. Denn letzten Sommer ging ihm das Wasser aus und nur der Transport von Wasser über die Strasse stellte sicher, dass der Landwirt seine Kühe durch den Sommer bringen konnte. Er war bei weitem kein Einzelfall. So wie dem Landwirt vom Homberg ging es im trockenen Sommer einigen Bauern im Wynental. Bei rund einem halben Dutzend Landwirten kam die Wasserversorgung an ihre Grenzen.

«In Oberkulm haben wir einige Bauern, die nicht an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen sind», sagt Brunnenmeister Matthias Schmid. Allein hier mussten zwei, drei Landwirte bei der Gemeinde mithilfe von Fässern und Tankwagen Wasser beziehen, um Hof und Tiere durch die Trockenheit zu bringen. Die von der öffentlichen Wasserversorgung unabhängigen Bauern versorgen sich in aller Regel über Quellen. «Die Quellen haben sich noch nicht erholt, da bräuchte es mehr Regen», sagt Schmid. Dabei steht der nächste Sommer schon vor der Tür.

Die Gemeinde selbst versorgt sich etwa zu einem Drittel mit Wasser aus Quellfassungen und zu zwei Dritteln mit Grundwasser. Wie Nachbar Unterkulm ist die Gemeinde autonom, muss Wasser weder ein-, noch verkaufen. Gemeinsam unterhalten sie einen Notverbund, um einander, falls nötig, aushelfen zu können – gebraucht worden ist er noch nie. «Doch dass die Quellen letzten Sommer weniger gebracht haben, machte sich auch beim stärker beanspruchten Grundwasser bemerkbar. Der Spiegel ist deutlich abgesunken», so Brunnenmeister Schmid. Für die zuverlässige Versorgung mit Wasser ist wiederkehrender Niederschlag wichtig, ob Regen oder Schnee. Denn das Schmelzwasser speist im Frühling die Quellen und füllt die Speicher.

Wasseranschluss wäre möglich

Die Gemeinde Unterkulm ist zu rund 70 Prozent von Quellwasser abhängig. Und trotzdem hat die Gemeinde die Trockenheit relativ gut überstanden. «Der Grundwasserspiegel senkte sich deutlich, doch 2003 lag er massiv tiefer», sagt Brunnenmeister Jannik Leuenberger. Inzwischen ist er sogar wieder auf dem Normalstand. Dazu beigetragen hat auch eine besondere Quelle: «Sie gibt immer 100 Liter Wasser pro Sekunde, ganz egal, wie lange es trocken ist.» Woher sie kommt und weshalb sie unabhängig sprudelt, weiss man nicht. «Einige vermuten, dass sie vom Sempachersee gespeist wird», so Leuenberger.

Auch Unterkulm habe zwei bis drei Bauern Wasser zur Verfügung gestellt, weil sie drohten, in Not zu geraten. «Das sind abgelegene Höfe, die sich die letzten hundert Jahre mit Quellwasser versorgt haben und darauf verzichten, eine Leitung zur öffentlichen Versorgung zu bauen», ergänzt Bruno Kyburz, Leiter der Technischen Betriebe. Letztes Jahr hat es ihnen nicht gereicht, deshalb sind sie zu den Technischen Betrieben gekommen, um Wasser zu beziehen. «Die sind selber Schuld», sagt Kyburz. «Dafür konnten sie die letzten hundert Jahre den Wasserzins sparen.» Dabei sei eine Wasserleitung auch für abgelegene Höfe keine allzu teure Angelegenheit. «Wir haben auch abgelegene Bauern, die einen Anschluss gebaut haben.»

Grosse Unterschiede

Zetzwil hat viel Grundwasser und zusammen mit Leimbach einige Quellen. «Und um die steht es gar nicht gut», weiss Zetzwils Brunnenmeister Peter Hirt. «Die anhaltende Trockenheit setzt ihnen zu.»

Sobald Regen einsetzt, dürfte sich diejenige von Leimbach schnell wieder erholen, weil sie hoch oben am Hang liegt. Für diejenigen von Zetzwil brauche es aber anhaltende Niederschläge, sie liegen weiter unten. «Wir haben zwar viel Grundwasser und letzten Sommer einiges davon an Leimbach und Leutwil geliefert, wären aber natürlich schon froh, wenn wir auch unsere Quellen wieder nützen könnten.» Denn das Grundwasser muss mit zwei Pumpen hochgeholt werden. Und schliesslich stehe an den Quellen eine Entkeimungsanlage, die benützt werden will.

«Bei uns gibt es einen Bauer am Seeberg, der keinen Anschluss ans Wassernetz hat. Er musste letzten Sommer einmal einen Tank Wasser holen kommen.» Ähnlich wie der Landwirt vom Homberg, der sich mit einer neuen Quellfassung aus seiner Situation befreien will. In der Region Reinach, Menziken, Burg und Beinwil am See war er der Einzige, der bei der Gemeinde Wasser bezogen hat, sagt Roger Soland. Er ist der Brunnenmeister aller vier Gemeinden und verantwortlich für 148 Quellen.

«Bei uns versorgen sich sehr viele Bauern autonom und der grösste Teil hat gute Quellen», sagt er. Aber eben nicht alle. «Manche vernachlässigen auch den Unterhalt der Versorgung oder verpassen es, die Kapazitäten rechtzeitig zu erweitern», so Soland. Da komme es dann auch mal zu einem Engpass.

Über hundert private Quellen

«In Gontenschwil gibt es weit über hundert Quellen, die privat erschlossen sind», sagt Joel Bertschi, stellvertretender Brunnenmeister im Ort. Und viele Bauern, die sich autonom versorgen.

«Doch von Problemen bei den Bauern habe ich nichts gehört.» Das ist auch gut so, denn: Nicht erschlossene Quellen gäbe es wahrscheinlich nicht mehr viele, sagt Bertschi. Würde bei den Bauern das Wasser knapp werden, würde wohl vielen langfristig nur noch der Anschluss an das öffentliche Leitungsnetz bleiben. Und die Gemeinde ist gut aufgestellt:
«Wir liefern mehr Wasser an Reinach, als wir selber verbrauchen», sagt Bertschi. Das sei auch einem Pumpwerk zu verdanken, mit dem die Gemeinde Grundwasser fördert.