Unterkulm
«Wasserleitungen brechen immer zu Unzeiten»

Quellen und Leitungen waren seine Weilt. Nach 42 Jahren gibt der Unterkulmer Brunnenmeister Hans Rudolf Müller die Brunnen in andere Hände. Und: Auch als Totengräber amtete Müller.

Peter Siegrist
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Hans Rudolf Müller arbeitete 42 Jahre für die Gemeinde Unterkulm. psi

Hans Rudolf Müller arbeitete 42 Jahre für die Gemeinde Unterkulm. psi

Hans Rudolf Müller weiss, wovon er spricht, wenn er sagt: «Wasserleitungen brechen immer zu Unzeiten.»

Unzählige Male ist der Brunnenmeister von Unterkulm ausgerückt, wenn wieder irgendwo im Leitungsnetz ein Leck war. «Dann musst du gehen.» Auch an Weihnachtstagen, «das Loch muss gestopft werden.»

Vor zwei Wochen ist Müller nach 42 Dienstjahren pensioniert worden. Er hat die Verantwortung für die Quellen, Brunnen, Reservoirs und das Leitungsnetz mit 196 Hydranten seinem Nachfolger übergeben.

«Tag und Nacht war Hans Rudolf bereit, nichts war ihm zu viel, er war pflichtbewusst und loyal», rühmt ihn sein ehemaliger Vorgesetzter, Bruno Kyburz. «Seine Arbeit hat jetzt zwar ein anderer übernommen, aber als Mensch werde ich ihn vermissen.»

Jede Strasse, jede Leitung

Müller kennt Unterkulm wie kein Zweiter. Jede Strasse, bis zu den Werkleitungen im Boden ob Strassenunterhalt, Winterdienst oder ein Leck flicken, Müller war als Baumamtsmitarbeiter und Brunnenmeister mit von der Partie.

Er habe sich gefreut, jetzt von der Belastung der permanenten Erreichbarkeit entbunden zu sein, sagt er. Und doch: «Ich würde diesen Weg wieder einschlagen.» Die Arbeit sei vielseitig gewesen, Holz, Metall, Beton und dann das Wasser, viel Handwerk, viel Verantwortung.

«Die Entwicklung war wahnsinnig.» 1971 verfügte das Bauamt über einen 10-Quadratmeter-Schopf, einen VW und eine Wischmaschine. Dann der Auf- und Ausbau, mehr Maschinen, mehr Mitarbeiter und 1988 der Bezug des neuen Werkhofs. Bald hielten die ersten Computer Einzug, «die Steuerung der Pumpwerke und Reservoirs wurde digital», sagt der Brunnenmeister.

Zunehmend sei der Bürokram gewesen. «Zu Beginn füllten wir lediglich einen Arbeitsrapport aus.» Heute jedoch werde alles dokumentiert. Genau diese Entwicklungen habe Müller stets mitgetragen, erklärt Armin Frensdorff, der Ressortleiter im Gemeinderat. «Er hat sich an die neuen Arbeitsabläufe angepasst.» Frensdorff schätzt besonders Müllers Gradlinigkeit, seine Ehrlichkeit. «Hans Rudolf blieb stets sachlich».

Diese Eigenschaften habe die Bevölkerung gelobt. Müller war erreichbar, war für die Menschen da. «Und wenn er sagte, er nehme sich einer Sache an, dann engagierte er sich», erklärt der Frensdorff.

Schaufeln auf dem Friedhof

Hans Rudolf Müller hat nicht nur für Wasserleitungen den Boden geöffnet. Er war über Jahre auch Totengräber in Unterkulm. «Früher hob ich bis zu 16 Gräber jährlich aus, von Hand.» Das war keine leichte Aufgabe, denn er kannte als Unterkulmer praktische alle Einwohner. «Manchmal musste ich einfach schaufeln und nicht zu viel nachdenken.»

Jetzt will Müller loslassen, sich der Beschäftigung in Haus und Garten zuwenden und «wieder vermehrt mit seiner Frau mit dem Camper verreisen». Während des Gesprächs blickt er aus dem Wohnzimmerfenster in Richtung Werkhof und stellt fest: «Seit heute Morgen steigt Rauch auf, sie haben die Schnitzelheizung in Betrieb genommen.» Dann klingelt das Handy. «Ja, sicher, aber du musst meinen Nachfolger anrufen, ich bin jetzt pensioniert.»

Hans Rudolf Müller ist wohl für viele noch «der Brunnenmeister, der für ihre Anliegen bereitsteht». Aber das ändert jetzt, denn da ist ja auch noch das 10 Monate alte Enkelkind, das sich bald freuen kann, wenn der Grossvater Zeit hat und ihm einst zeigt, woher das Wasser fliesst.

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