Uerkheim

Wasser aus elf Quellen so gut wie aus der Glasflasche

Brunnenmeister Werner Siegrist vor einem Quellwasser-Spender, den er und Kollegen in Fronarbeit erstellt haben. bkr

Brunnenmeister Werner Siegrist vor einem Quellwasser-Spender, den er und Kollegen in Fronarbeit erstellt haben. bkr

Reines Quellwasser sprudelt im Nebental der Wigger aus den Wasserhahnen der Haushalte.

«Herr» über rund 100 Hydranten, 300 Schieber und drei Reservoirs ist Werner Siegrist als Brunnenmeister der Gemeinde Uerkheim. «Sein» Netz beliefert 400 Abonnenten. Das benötigte Wasser stammt aus 11 Quellen, die zwischen 3 und 100 Litern pro Minute liefern. «Die Gesamtmenge schwankt je nach Witterung zwischen 200 und 300 Litern», sagt Siegrist. Zum Wasser der gemeindeeigenen Quellen kommt Überschusswasser aus dem Ortsteil Neudorf. Rund 130 Haushaltungen werden im Neudorf, im Oberdorf durch Genossenschaften und einzelne private Quellfassungen beliefert.

Schenkung an die Kirche

Die Wassergenossenschaft Oberdorf ist mit der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) verbunden. Ein Bolliger-Bachmann und ein Liechti-Hunziker begannen 1922 mit den Grabarbeiten für eine eigene Wasserversorgung. Das Wasserrecht konnten sie einem Bertschi abkaufen, auf dessen Grundstück sich die Quellen befanden. Gleichzeitig vermachte Letzterer der «Kapelle der evangelischen Gemeinschaft» einen Teil der Wasserrechte als Schenkung. Ursprünglich waren sechs Besitzer ins Grundbuch eingetragen.

Diese wollten die Aufteilung des Wasserrechts unter sich behalten und haben neue Bezüger nur als Abonnenten aufgenommen. 1992 erneuerte die Genossenschaft, wie auf deren Website nachzulesen ist, ihr Reglement. Darin ist seither die Kapelle der EMK den sechs Mitgliedern der Wasserbezugsgemeinschaft gleichgestellt.

Überschusswasser für Holziken

Zurück zur Wasserversorgung der Gemeinde Uerkheim. Die ist in der komfortablen Lage, mit Überschusswasser konfrontiert zu sein. Dieses wird seit längerer Zeit nach Holziken geliefert. «So 36 000 Kubikmeter im Jahr», sagt Brunnenmeister Siegrist. «Ein Teil ist Freimenge, aber im Schnitt erzielen wir einen Erlös von 20 Rappen pro Kubikmeter.» Viel Geld sei das nicht, weil Uerkheim für diese Leitung in Pumpen investiert hat. Die haben allerdings auch den Vorteil, dass im Fall der Fälle ein Wasserbezug aus Holziken möglich geworden ist.

Apropos Preise. Ein Wasserbezüger in Uerkheim bezahlt Fr. 1.50 pro Kubik plus eine jährliche Grundtaxe von 60 Franken. Befindet sich im Gebäude eine weitere Wohnung, sind weitere 20 Franken fällig. An den Wasserpreis gekoppelt, ist jener für das Abwasser, der Fr. 2.50 pro Kubikmeter beträgt.

Was die Reserven in den Uerkner Reservoirs anbetrifft, so fasst jenes im «Lampi» 200 Kubikmeter plus dieselbe Menge Löschwasser-Reserve. Dasjenige im Stei-nenwald speichert 50 Kubik und im Quellwasserpumpwerk hat es eine zusätzliche Reserve von 35 Kubikmeter Wasser, das nach Bedarf ins Netz kommt.

Für Siegrist sind Zusammenschlüsse von Gemeindewasserwerken das A und O der Versorgungssicherheit. So steht eine Verbindung mit dem Zofinger Wassernetz auf der Traktandenliste des Gemeinderates, die das Nass sowohl von Zofingen nach Uerkheim und per Pumpe in umgekehrte Richtung transportieren kann. Sinn würde für Siegrist auch ein Verbund mit Bottenwil machen.

Vagabundierende Ströme

Zum Zustand des Leitungsnetzes sagt Siegrist: «Erneuerungen sind nur im Rahmen eine Strassensanierung finanzierbar.» Drei bis fünf Rohrbrüche pro Jahr seien zu verzeichnen. «Eine Schwachstelle ist Hinterwil, wo wir mit vagabundierenden Strömen konfrontiert sind.» Das sind sogenannte «Streuströme», die statt durch die Drahtleitungen über die Erde abfliessen. Sie bewirken in Wasserrohren aus Metall Lochfrass.

Welches ist der Lieblingsbrunnen des Brunnenmeisters? «Wir haben vier Brunnen im Gemeindeeigentum und einen auf privatem Grund, der mit Gemeindewasser versorgt wird.» Ans Herz gewachsen ist Siegrist Letzterer. Dessen Trog war aus Holz und marode geworden. Seine Erneuerung wurde zum Politikum, und so entschloss sich Siegrist, selber zu handeln. Eine Badewanne, ein ausgedienter Hydrant, seine Fronarbeit, jene des «Bauämtlers» und des örtlichen Malers ermöglichten einen Brunnen, der es schweizweit als Featurebild in die Zeitungen schaffte.

Es blieb beim blauen Auge

Wie steht es um die Wasserqualität? Gut. Allerdings gab es vor vielen Jahren einen Störfall. «Damals hatten wir noch keinen fix verordneten Quellenschutz. Ein Landwirt vertraute auf den Wetterbericht und brachte ‹Gülle›aus. Obwohl wir zu der Zeit keine UV-Anlage zur Abtötung allfälliger Keime hatten, kamen Uerkheim und seine Wasserversorgung mit einem blauen Auge davon.»

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