Neuaufbau
"Was wollt ihr in der Hochstudscheune?" Bevor die Kölliker Bevölkerung Inputs gibt, muss sie aber noch Sachen wissen

Sollte der Event-Scheune dereinst das Geld ausgehen, würde die Gemeinde für den Erhalt des Gebäudes aufkommen müssen.

Flurina Dünki
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Die Hochstudscheune in Kölliken während des Abbaus 2018.

Die Hochstudscheune in Kölliken während des Abbaus 2018.

Zvg / Aargauer Zeitung

Schon ein paar Mal wurde ihr das Messer an den Hals gesetzt. Dabei ist sie doch die letzte ihrer Art. Wie die historisch bedeutende Kölliker Hochstudscheune 2018 vor ihrem Abriss gerettet wurde, liess sich wie ein Krimi verfolgen. Nun folgt nach drei Jahren das nächste Kapitel.

Die Hochstudscheune, die auf der Parzelle, wo sie einst stand unter Folientunnels schlummert, könnte bald ein neues Zuhause bekommen. Geplant ist neu, sie hinter das Strohdachhaus (Salzmehus) zu stellen, wo jetzt noch der Museumsgarten ist. Die starken Schneefälle vom 14. Januar haben erneut deutlich gemacht, dass etwas gehen muss. Die Folientunnel sind unter der Last von Schnee und Eis zusammengebrochen, so kommt Wasser ans Holz, was dem 200 Jahre altem Material schadet.

Seit Juni 2018 in Einzelteilen am Lagern

Rückblick: Weil die an der Stelle Wohnhäuser entstehen sollen, schien das Schicksal der Scheune 2017 besiegelt. Sie sollte abgerissen werden. Doch man hatte nicht mit der Liebhabergruppe von historischen Gebäude um Andrea Carlo Polesello (Präsident der Museumskommission) gerechnet. Sie machten sich mit viel Einsatz daran, Geld zu sammeln, um die Scheune zerlegen zu können. Das Ziel: die Scheune in Einzelteilen zwischen zu lagern und an einem anderen Ort wieder aufzubauen.

Als einzig bekannte Hochstudscheune im Kanton diente die Kölliker Scheune ausschliesslich für Tierhaltung sowie das Lagern von Heu und Getreide-Ernte und nicht auch - wie üblich - Wohnhaus und Stall der Bauernfamilie war.

Die Hochstudscheune in Kölliken wurde 2018 zerlegt und wartet, geschützt unter Folientunnels, bis sie wieder aufgebaut werden kann. Der Schneefall vom 14.1.2021 hat die Tunnels zerdrückt.

Die Hochstudscheune in Kölliken wurde 2018 zerlegt und wartet, geschützt unter Folientunnels, bis sie wieder aufgebaut werden kann. Der Schneefall vom 14.1.2021 hat die Tunnels zerdrückt.

Zvg / Aargauer Zeitung

Im Juni 2018 war die Scheue vorerst gerettet. Auch einen neuen Ort hatte man im Auge: Landwirt Daniel Lüscher hätte sein Land zur Verfügung gestellt. Er hätte die Scheune als Heulager genutzt (AZ vom 20.6.2018). Inzwischen weiss man: Weil es sich um Landwirtschaftsland handelt, gab es Komplikationen beim Vorhaben, es musste ein neuer Ort gefunden werden.

Dies scheint jetzt erfolgt. Auch um die Finanzierung - der ursprünglich grösste Knackpunkt - stehe es gut, wie der Kirchleerber Rolf Baumann, Mitglied der Initiativgruppe, erklärt. "Wir rechnen für den Ab- und Wiederaufbau mit einer Million Franken. Uns stehen bereits Gelder von der Denkmalpflege in Aussicht, dazu die 50000 Franken von Swisslos, die schon 2018 zugesichert wurden. Und wir haben noch Geld, dass vor drei Jahren gesammelt wurde." Alles in allem sei die Hälfte der Finanzierung sicher. Die zweite Hälfte erhofft man über Sponsoren und weitere Spenden zu erhalten. Es sei geplant, eine Stiftung zu gründen, so Baumann. Dies für die Unterhaltskosten und die Nutzung des historischen Gebäudes.

Doch, um hinter dem Strohdachhaus, wo auch das Dorfmuseum drin ist, der Hochstudscheune ein zweites ZuHause zu geben, ist ein Businessplan notwendig. Das hat der Gemeinderat von den Scheune-Rettern gefordert. Das Grundstück ist Gemeindeland. "Wir müssen einen Businessplan vorlegen, bevor die Wiederaufstellung abgesegnet werden kann", sagt Baumann. Die Gruppe habe sich überlegt, die Scheune künftig für Events wie Ausstellungen, Vereinsanlässe oder Hochzeiten zur Verfügung zu stellen. Letzteres biete sich besonders an, weil im Salzmehus zivil geheiratet werden kann. Auch eine WC-Anlage sei geplant. Ein Café liege mit dem aktuellen Budgetplan noch nicht drin. "Wir wollten im letzten Sommer hierzu eine Infoveranstaltung machen, auch, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfahren", sagt Baumann, "aber dann kam Corona

Um sicher zu gehen, dass die Nutzung, die im Businessplan, enthalten ist, auch den Wünschen der Köllikerinnen und Kölliker entspricht, möchten Rolf Baumann, Andrea Carlo Polesello und der Rest der Gruppe, Ideen der Bevölkerung einholen. Sie können unter info@hochstudscheune.ch mitgeteilt werden.

Hinter das Strohdachhaus (auf dem Foto rechts) soll die Hochstudscheune hinkommen.

Hinter das Strohdachhaus (auf dem Foto rechts) soll die Hochstudscheune hinkommen.

Michael Küng / Aargauer Zeitung

Bei jeder Nutzungs-Idee muss an Konsequenzen gedacht werden

Den Nutzungsmöglichkeiten sind jedoch Grenzen gesetzt. Da das Grundstück im Eigentum der Gemeinde ist, wird dereinst die Gemeindeversammlung darüber abstimmen, ob und wie sie das Land dazu zur Verfügung stellen möchte. "Abhängig der Nutzung stellt sich im Baugesuchs-Verfahren die Frage der Parkplatz-Möglichkeiten", erklärt Gemeindeammann Mario Schegner (parteilos). "Wenn eine Hochzeitsgesellschaft im Hochstudhaus feiert, benötigt es viele Parklätze oder sogar Car-Parkplätze." Und da sind noch andere Herausforderungen für die Projekt-Gruppe, wie der Ammann sagt: "Der Gemeinderat hat als klare Auflage an die Projektgruppe definiert, dass es für die Gemeinde jetzt und in Zukunft keine weiteren Kosten geben soll. Und es ist keine Erweiterung des Strohdach-Museums vorgesehen. Ist die Hochstudscheune aufgestellt", so Schegner weiter, "ist sie denkmalgeschützt. Falls den Betreibern aus irgendeinem Grund das Geld ausgeht, kann sie nicht einfach wieder abgebrochen werden. Die Kosten zur Aufrechterhaltung würden auf die Gemeinde zurückfallen."

Da Kölliken aktuell mit der Villa Clara ein denkmalgeschütztes Gebäude im Gemeindeeigentum saniert, weiss die Gemeinde, wie kostenintensiv dies ist. "Die Hochstudscheune muss zwingend selbsttragend sein, das ist unser Hauptanliegen", so der Ammann. Aufgrund des zu erstellenden Businessplans wird der Gemeinderat entscheiden, ob er der Gemeindeversammlung beantragen will, das Land hinter dem Salzmehus zur Verfügung zu stellen.