Reitnau
Was tun, wenn «Hasso» kommt?

Kindergärtler lernten den Umgang mit Hunden – vom Stoffhund bis zum Riesenpudel. «Es ist wichtig, den Kindern aufzuzeigen, dass ein Hund kein Knuddeltierchen sei, sagt Irene Klauser, die Projektleiterin.

Sabine Kuster
Drucken
Teilen
Hund im Kindergarten
12 Bilder
 Der Hund «Merlin» ist zutraulich
 Der Hund «Merlin» ist zutraulich
 Der Hund «Merlin» ist zutraulich
 Kinder auf Skateboards wecken den Spieltrieb bei Hunden
 «Merlin» kann das Kunststück «Give me Five»
 Der Hund «Merlin» ist zutraulich
 Kinder rufen dem Hund, bevor sie ihn streicheln
 Der Hund «Merlin» ist zutraulich
 Nähert sich ein grosser Hund, soll man stehen bleiben
 Angebundene Hunde ohne Besitzer sollten nicht berührt werden
 Der Hund «Merlin» ist zutraulich

Hund im Kindergarten

Der erste Hund, den die Kindergärtler in Reitnau gestern kennen lernten, biss nicht, bellte nicht, ja, er wedelte nicht mal mit dem Schwanz.

Das schwarze Fell des Labradors fühlte sich nicht nur an wie Plüsch, es war Plüsch; an Plüschhund Tapsi übten die 18 Kinder das richtige Verhalten im Kontakt mit Hunden.

Dies war der behutsame Auftakt mit der 26-jährigen Hundeinstruktorin Erika Kuhn aus Attelwil. Eingeladen worden war sie von den Eltern: Am Elternabend im August entstanden vier Projekte von Müttern.

Neben einem Suppenkochen im Wald, Guetzlibacken vor Weihnachten und einem Besuch im Spital fanden es viele Eltern wichtig, dass die Kinder den Umgang mit Hunden lernen. Die beiden Kindergärtnerinnen unterstützten die Idee tatkräftig, obwohl oder gerade weil eine von ihnen selbst ein angespanntes Verhältnis zu Hunden hat.

Stoff für den Unterricht?

Irene Klauser, die das Projekt anpackte, lud die az Aargauer Zeitung ein, weil sie findet: «In der heutigen Zeit gehört das in den Unterricht, und die Leute sollten darauf aufmerksam werden. Es ist uns Eltern wichtig, dass ein Hund für die Kinder kein Knuddeltierchen ist.»

Hundeinstruktorin Erika Kuhn findet zwar: «Eigentlich liegt diese Aufgabe bei den Eltern», aber sie selbst stellte fest, dass in Reitnau und Attelwil nicht alle Kinder wissen, wie sie auf einen Hund zugehen sollen.

Obwohl es im Dorf viele Hunde gibt, sagten nur wenige Kinder, sie hätten zu Hause einen eigenen. Umso präsenter war der Hund im Kindergarten: als Dekoration an den Fenstern, auf Plakaten, mit Tapsi und endlich auch wedelnd und schnuppernd als Merlin, ein kleiner Hund mit Knopfaugen.

Obwohl nur ein Kind zugegeben hatte, vor Hunden Angst zu haben, zogen auch andere ihre Beine vom Boden hoch und machten grosse Augen. Erst recht, als später noch Schiwo, eine Mischung aus Riesenpudel und Labrador, die Stuhlreihe entlangflitzte. Die Hundeguetzli warfen die Kinder den Hunden vorerst lieber zu, als die Hand auszustrecken.

In der allgemeinen Spannung wollte zuerst keines der Kinder Pause machen, aber Merlin freute sich darüber: Er leckte den ausgeflossenen Sirup fein säuberlich vom Boden auf.

Die Kinder verloren ihre Scheu und auf einmal waren es sogar für Merlin zu viele Hände, die ihn streicheln wollten, sodass er auswich. Als Höhepunkt zog Schäfer Zerberus Kinder auf einem Wägelchen. Der Regen störte dabei niemanden.