Analyse

Was das Suhrental ausmacht

Christine Wullschleger
Das Suhrental soll nach dem Willen des Regionalverbands Suhrental ein eigener Bezirk werden. Fotografiert vom Grillplatz «Blick zur Heimat» oberhalb von Schöftland.

Das Suhrental soll nach dem Willen des Regionalverbands Suhrental ein eigener Bezirk werden. Fotografiert vom Grillplatz «Blick zur Heimat» oberhalb von Schöftland.

Das Suhrental soll nach dem Willen des Regionalverbands Suhrental ein eigener Bezirk werden. Fotografiert vom Grillplatz «Blick zur Heimat» oberhalb von Schöftland.

Eine Analyse zum Suhrental, das ein eigener Bezirk werden will.

Was ist eigentlich das Suhrental? Eine Annäherung zeigt: Es kurz zu umschreiben, ist nicht so einfach. Die Suhre, die im Kanton Luzern Sure geschrieben wird, gibt dem Tal seinen Namen. Dieses ist durch eine ehemalige Gletscherlandschaft geprägt. Die Gletscher sind es auch, die das Tal noch heute in die Schlagzeilen bringen. So geschehen im vergangenen Herbst, als ein 124 Tonnen schwerer und 164 Millionen Jahre alter Findling, der in der Staffelbacher Kiesgrube Stoltenrain gefunden wurde, transportiert werden musste.

Das Tal ist schön, sehr schön sogar. Wenn Aarau im Winter noch tief im Nebel liegt, ist im Suhrental oft bereits am Mittag die Sonne zu sehen. Die Landschaft ist ein perfekter Erholungsraum, sei es für Sportler oder Spaziergänger. Zum neuen Bezirk Suhrental, der als Idee aus einem Workshop des Regionalverbands Suhrental (RVS) hervorgegangen ist, würde auch das Ruedertal gehören. Ein Seitental, das mit viel unberührter Natur trumpft.

Rechnet man die aktuellsten Einwohnerzahlen der 11 RVS-Verbandsgemeinden – die Gemeinde Kölliken ist zwar noch dabei, hat aber den Austritt gegeben –
zusammen, würden rund 13 700 Menschen den neuen Bezirk Suhrental bewohnen. Im Jahr 2000 lag diese Zahl noch bei rund 11 800. Vergleicht man dies mit dem heute kleinsten Aargauer Bezirk Laufenburg, der eine Einwohnerzahl von rund 31 400 aufweist, würde der neue Bezirk Suhrental wesentlich kleiner werden.

Doch die Statistik zeigt ganz klar: Immer mehr Menschen ziehen in die Region. Vor allem die zentral gelegenen Gemeinden wie Hirschthal, Holziken oder Schöftland verzeichnen steigende Einwohnerzahlen. Wies beispielsweise die Gemeinde Hirschthal im Jahr 2000 noch 1177 Einwohner auf, waren es Mitte 2016 schon 1588. Auch in Schöftland war die Zunahme extrem: Im Jahr 2000 lebten 3271 Personen im Dorf, Mitte 2016 waren es bereits 4255. In manchen Gemeinden, wie beispielsweise in Wiliberg, stagnieren die Einwohnerzahlen. In anderen, vor allem in der Peripherie gelegenen Dörfern, gehen die Einwohnerzahlen leicht zurück. Es zeigt sich aber: Im Suhrental wird gerne gelebt. Die Lebensqualität ist hoch.

Doch gearbeitet wird meist nicht in der Region. Viele Einwohner sind motorisiert und fahren mit dem Auto zur Arbeit. So gab es beispielsweise in Attelwil vor einem halben Jahr 205 Personenwagen auf 281 Einwohner. Schöftland weist als zentraler Ort am meisten Arbeitsstätten auf. Doch im Suhrental gibt es wenig Industrie: Wichtige Arbeitgeber sind beispielsweise die Firmen Jungheinrich AG (u. a. Handel mit Gabelstaplern) und die Pfiffner Messwandler AG in Hirschthal sowie diverse grössere Schreinereien. Im neuen Kinokomplex Cinema 8 wurden auch Arbeitsplätze geschaffen.

Finanziell steht es um einige Suhrentaler Gemeinden nicht gerade rosig. Konnten viele bis jetzt vom Finanzausgleich profitieren, bekommen sie künftig vielleicht weniger Beiträge. Würde der neue Finanzausgleich angenommen, stiege beispielsweise der Attelwiler Steuerfuss von 98 Prozent auf 127 Prozent. Bereits heute bewegen sich viele Steuerfüsse um 115 Prozent. Schlossrued hat den höchsten Steuerfuss mit 123 Prozent.

In manchen Dörfern gibt es keinen Dorfladen, keinen Bancomaten und/oder keine Beiz mehr. Da spannt man mit dem Nachbardorf zusammen und versucht, sich selbst zu helfen. Denn viele landwirtschaftliche Produkte werden vor Ort kultiviert und in Hofläden direkt verkauft. Auch das gehört zum Suhrental. Eine Versorgung vor Ort ist in einer Welt, in der regionale Lebensmittel immer wichtiger werden, Gold wert.

Das Suhrental ist ein Tal, das durch mehrere Bezirksgrenzen getrennt wird. So liegt die zweifellos grösste Gemeinde Schöftland im Bezirk Kulm, während die meisten Suhrentaler Gemeinden im Bezirk Zofingen liegen. Hirschthal, die Nachbargemeinde von Schöftland, sieht sich zum Suhrental gehörend, hat sie sich doch vor einem Jahr ganz dem Regionalverband Suhrental angeschlossen. Die Gemeinde liegt aber im Bezirk Aarau. Schaut man sich diesen Wirrwarr an, macht es Sinn, es auflösen zu wollen.

Ob der Bezirk Suhrental der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Die Vision steht – jetzt kommt es drauf an, was daraus entwickelt wird. Doch zuerst muss die Idee innerhalb der Gemeinden und unter den Gemeinderäten diskutiert werden, denn dies ist bis jetzt noch nicht überall geschehen. Auch gilt es noch zu klären, wie der neue Bezirk überhaupt heissen soll, haben doch alle Aargauer Bezirke den Namen einer Stadt oder eines Dorfes ...

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