Auf dem Bild unten sehen wir zwei Dinge:

Die Kurve zeigt die Abflussmenge der Uerke in Holziken. Dahinter eine Bauparzelle neben dem Bach in Uerkheim.

Erstens, wie die Uerke am Samstagabend bei der Messstation Holziken in kürzester Zeit angeschwollen ist. Vom normalen Durchfluss von 0,5 Kubikmetern pro Sekunde auf 44,6 Kubikmeter pro Sekunde – also um fast das Neunzigfache. Die höchste Gefahrenstufe (rote Linie) wird bei 18 Kubikmetern erreicht.

Zweitens, wie die Uerke eine Wiese überflutet und dort eine Sandbank abgelagert hat. Das Wasser stand so hoch, dass im unteren Bereich der Bauprofile Schwemmgut hängengeblieben ist. Wäre dieses Haus bereits gestanden, wäre sein Keller überflutet gewesen.

Zweimal gegen Sanierung

Die Uerke ist seit je ein Problembach. Im letzten Jahrhundert gab es in Kölliken öfters grosse Überschwemmungen – bis der Bach in damals vorbildlicher Weise korrigiert worden ist. Weiter oben, in Uerkheim und Bottenwil, ist das dagegen nicht so passiert. Schlimmer noch: Die Uerkner haben sich gleich zwei Mal gegen Hochwasserschutzmassnahmen ausgesprochen. Ein erstes Mal kurz nach dem Hochwasser vom Oktober 2012, das, wie jetzt am Wochenende, ebenfalls auf ein heftiges Gewitter im Raum Bottenwil/Wiliberg zurückzuführen war. Ein zweites Mal lehnte Uerkheim die Bachsanierung im Herbst 2015 ab.

Angesichts der Ereignisse vom Wochenende müssen im Dorf die Sanierungsgegner ein schales Gefühl haben. Dies umso mehr, als die Gemeinde vergleichsweise günstig zum Schutz gegen die Wassernot gekommen wäre. Bund und Kanton hätten 74 Prozent der Gesamtkosten (zuerst 2,4 Mio. Fr., dann 5,8 Mio Fr.) übernommen.

Überschwemmung in Uerkheim

Diese Bilder zeigen eindrücklich, wie Uerkheim beim Unwetter vom 8. Juli 2017 überschwemmt wurde. 

Kanton vermeidet Machtwort

Warum haben Bund oder Kanton die widerspenstigen Uerkner nicht zu Massnahmen gezwungen? Der Kanton hätte ein Machtwort sprechen können: «Das Baugesetz gibt dem Kanton die gesetzliche Grundlage, Sanierungsmassnahmen an Gewässern durchzuführen, auch dann, wenn Gemeinden das in Urnenabstimmungen oder an Gemeindeversammlungen abgelehnt haben», sagt Martin Tschannen von der kantonalen Abteilung Wasserbau. «Dies wird aber kaum gemacht. Denn es wäre nicht einfach, gegen den Willen der Bevölkerung Projekte zu realisieren. Es ist immer einfacher, die Einwohner im Boot zu haben.»

«Auswirkungen geringer»

Was sagt Tschannen zu den Ereignissen vom Wochenende? «Wir haben erst provisorische Daten zu den Abflussmengen, aber es ist wahrscheinlich richtig, dass die Sanierung, über die in Uerkheim 2015 abgestimmt worden ist, nicht gereicht hätte, um am Wochenende alle Schäden abzuwenden. Die Auswirkungen wären aber dank der Sanierung geringer gewesen.»

Wie geht es jetzt aus Sicht des kantonalen Wasserbaus weiter? Tschannen erklärt: «Erste Priorität ist es jetzt, die Gerinne wieder so weit frei von Material zu bekommen, dass sie beim nächsten Gewitter das Wasser wieder abführen können.» Zweite Priorität habe die Analyse der Ereignisse vom Wochenende, um zu verstehen, was genau passiert sei. «Erst mit diesen Erkenntnissen können wir die weiteren Schritte einleiten», sagt Tschannen.

"Man hilft einander über die Kantonsgrenze hinweg"

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