Gontenschwil
Warum sich private Wasserquellen nicht lohnen

Erst seit 50 Jahren gibt es im Moränendorf eine öffentliche Wasserversorgung. Doch nicht jeder Einwohner will davon profitieren – manche besitzen noch eigene Quellen. Das lohnt sich finanziell zwar nicht, ist aber eine Herzensangelegenheit.

Sibylle Haltiner (Text und Foto)
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Ruedi Bertschi zeigt den Schacht beim Reservoir Reistel.

Ruedi Bertschi zeigt den Schacht beim Reservoir Reistel.

Sibylle Haltiner

Das Moränendorf ist auch ein Wasserdorf. Mehr als 400 Quellen sprudeln auf dem Gemeindegebiet, auch Reinach wird bei Bedarf mit dem kostbaren Gut beliefert. Kein Wunder, interessierten sich die Einwohner für den Wassertag, den das Dorfmuseum anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der öffentlichen Wasserversorgung am Samstag durchführte. Die Besucher standen Schlange, um an einer der rund eineinhalb Stunden dauernden Führungen zu den Quellen und Reservoirs teilnehmen zu können.

Erst als drittletzte Gemeinde im Kanton führte Gontenschwil vor 50 Jahren die öffentliche Wasserversorgung ein. Otto Bertschi, der Grossvater des heutigen Brunnenmeisters Ruedi Bertschi, hatte in den Fünfzigerjahren ein Wassernetz aufgebaut, das 1966 in den Besitz der Gemeinde überging. Dies geschah nicht ohne Nebengeräusche. Über den damaligen Knatsch – sogar der Begriff Dorfkrieg wird verwendet – will aber niemand mehr reden.

Quellbesitzer sorgt für Unterhalt

Auch heute verfügen noch viele Liegenschaften, vor allem die Aussenhöfe, über eine eigene Quelle. Auch Rudolf Bolligers Hof im Böhnler ist weder am öffentlichen Wasser- noch am Abwassernetz angeschlossen. «Viele Leute meinen, es sei billiger, eigenes Quellwasser zu haben», berichtete Bolliger, der ebenfalls an der Führung teilnahm und die Sonderausstellung im Museum besuchte. «Doch das stimmt überhaupt nicht. Wir müssen alle Leitungen selbst unterhalten.» Da Bolliger auf seinem Hof Milch produziert, muss er auch regelmässig die Qualität des Wassers untersuchen lassen.

Das Abwasser seines Hofes fliesst in die Jauchegrube und wird als Gülle auf die Felder ausgebracht. Vor allem die alten Leitungen aus Ton sind anfällig für Kalkablagerungen. «Wenn es noch nicht so schlimm ist, kann man sie durchspülen. Sind sie jedoch ganz verkalkt, muss man die Leitungen ersetzen», erklärte der Landwirt. Für diesen Unterhalt muss er selbst aufkommen, dafür gibt es keine Zuschüsse der öffentlichen Hand. Dafür trinken die Quellenbesitzer ihr eigenes Wasser, da hängt auch das Herz dran. «Es ist halt Tradition, dass die Aussenhöfe nicht am öffentlichen Netz angeschlossen sind», so Bolliger.

Wo das Wasser wohl bleibt?

In Gruppen wurden die Besucher des Wassertages zu den wichtigsten Stellen der Gontenschwiler Wasserversorgung geführt. Im Bohler erfuhren sie, dass das Wasser der acht gefassten Quellen ohne Pumpkraft ins Reservoir Reistel fliesst, das zwölf Meter tiefer liegt. Das erstaunte sogar die Einheimischen. Steht man beim Reservoir, das hoch über dem Dorf thront, kann man sich diese Höhendifferenz kaum vorstellen.

Eine weitere Tatsache liess aufhorchen: Bei den Bohlerquellen fliessen 700 Liter pro Minute weg, im Reistel kommen aber nur noch 500 Liter an. Die Wassertagbesucher rätselten: Ein Leck in der Leitung müsste man doch erkennen, da würde sofort ein Sumpf entstehen. «Wahrscheinlich zapft einer die Leitung an», wurde vermutet. Brunnenmeister Ruedi Bertschi hatte eine andere Erklärung: An einer Stelle liegt die Wasserleitung liegt rund acht Meter tief im Boden, da eine Senke aufgefüllt wurde. Dort kann das Leck nicht geortet werden, das Wasser versickert spurlos. Doch solange sogar in Trockenzeiten noch Wasser nach Reinach geliefert werden kann, können die Gontenschwiler diesen Verlust verkraften.