Wahlen AG 2016
Warum «Recycling-Queen» Karin Bertschi selbst SVP-Urgesteine hinter sich liess

Wie die SVP-Überfliegerin Karin Bertschi (26) den Wahl-Sonntag als Tag ihres Triumphes erlebte.

Urs Helbling
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Karin Bertschi
8 Bilder
Karin Bertschi erzielte in ihrem Bezirk das beste Wahlergebnis und zieht in den Grossen Rat ein.
Sie bezeichnet sich selbst als «politisches Greenhorn»
«Die Idee für eine Kandidatur hatte meine kleine Schwester Olivia – im Beisein von Toni Brunner.»
Ihr Wahlkampf bestand vorallem aus dem Besuch verschiedener Podien...
...und grossen Wahlplakaten.
Bertschi leitet das Recycling-Paradies» - und dies überaus erfolgreich.
Die Jungunternehmerin ist zur Zeit am expandieren.

Karin Bertschi

facebook.com

Dieses Foto von der Facebook-Seite von Karin Bertschi ist zwar schon ein Jahr alt. Aber es ist typisch für die junge Frau, die gestern alle Kulmer SVP-Männer um 1054 und mehr Stimmen hinter sich liess. Sie weiss sich zu inszenieren. Und sie kommt mit ihrer natürlichen Unverbrauchtheit bei den Wählern an.

«Es ist schon so, ich bin ein politisches Greenhorn», sagte Bertschi nach ihrer Wahl. Sie fände es schön, dass sie von den Leuten als Mensch und nicht als Politikerin gewählt worden sei. Als Mensch, der ab und an von der Parteilinie abweiche. Etwa wenn sie im Betrieb Asylbewerber beschäftige. Und sie sei erfreut, dass sie so viele Stimmen von Listen anderer Parteien bekommen habe. Vom ersten Platz habe sie noch nicht einmal geträumt: «Das hätte ich nie erwartet.»

Am Morgen zuerst in die Kirche

Der Wahlsonntag begann für Karin Bertschi wie die meisten Sonntage: Mit dem Gang in die Neuapostolische Kirche in Reinach. Sie sang dort am Wahl-Tag im Chor. Dann gings nach Gontenschwil an den Brunch der SVP des Bezirks Kulm. Als die Resultate von vier Dörfern vorgelegen hätten, habe sie bereits die ersten Gratulationen erhalten, berichtet Bertschi. Ein Grund für das erste Cüpli? «Nein, ich habe Ovo getrunken.» Den ersten «Hugo» liess sie sich gegen 17 Uhr einschenken.

Zmittag gabs im «Bären» Zetzwil. Mit der Grossmutter, einer ihrer Schwestern und einem geheimnisvollen Mann. Der Rest der Familie sei in Rumänien. Was hat sie gegessen? «Rösti mit Speck.» Der geheimnisvolle Mann ist ihr Freund. Den Namen will Karin Bertschi nicht verraten. Und auch nicht das Alter. Nur so viel: Er heisse «Sigi», habe an der Uni Zürich Staatsrecht- und Politikwissenschaften studiert und doktoriert. Er wird ihr also helfen können, wenn sie als politisches Greenhorn an ihre Grenzen stossen wird.

Um 15 Uhr war Karin Bertschi in Aarau – und live auf Tele M1. Dann gings in den «Schützen» an die Wahlfeier der SVP. Sie ist dort eine gefragte Frau: «Es hat viele Leute, die gratulieren und sich mit mir freuen», berichtet Karin Bertschi.

Erst seit Frühjahr in der SVP

Die Wynentalerin sagt von sich, die Kirche sei ihr wichtig. Hat sie dafür gebetet, dass sie in den Grossen Rat gewählt wird? «Nein», sagt Bertschi bestimmt. «Ich habe dafür gebetet, dass es richtig kommt.»

Das Wahlergebnis im Bezirk Kulm:

Bezirk Kulm, Grossratswahlen: Gewählt und abgewählt (2016) Bertschi Karin, SVP, Leimbach, (neu) 4796 Stimmen.
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Bruno Rudolf, SVP, Reinach (bisher) 3742 Stimmen.
Max Härri, SVP, Birrwil (bisher) 3405 Stimmen.
Merz Christian, SVP, Beinwil am See (neu) 3428 Stimmen.
Gautschy Renate, FDP, Gontenschwil (bisher) 3007 Stimmen.
Merz Alfred, SP, Menziken, SP (bisher) 3428 Stimmen.
Lüscher Severin, Grüne, Schöftland (bisher) 1621 Stimmen.
Seibert Uriel, EVP, Schlossrued (bisher) 1218 Stimmen.
Haller Rolf, EDU, Zetzwil (bisher) 1123 Stimmen.
Abgewählt: Franz Vogt, SVP, Leimbach (bisher) 3333 Stimmen.
Abgewählt: Meier Adrian, FDP, Reinach (bisher) 2234 Stimmen.

Bezirk Kulm, Grossratswahlen: Gewählt und abgewählt (2016) Bertschi Karin, SVP, Leimbach, (neu) 4796 Stimmen.

Kanton Aargau

Karin Bertschi ist kein SVP-Urgestein. Sie ist der Partei erst im Frühling beigetreten. Da hatte sie es als ehrgeizige, extrovertierte Jungunternehmerin bereits zu nationaler Bekanntheit geschafft. Die «Schweizer Illustrierte» feierte sie als «Müll-Prinzessin»: «Bertschi, eben 26 geworden, hat langes, blondes Haar und einen kühn-kecken Blick, feinrosa der Teint und die Zähne so weiss wie das Styropor, das man bei ihr entsorgen kann.»

Als Unternehmerin ist Karin Bertschi am Expandieren. Woher nimmt sie daneben die Zeit für das Grossrats-Mandat? Sie schlafe gegenwärtig mehr als sieben Stunden. Da liege sicher noch etwas drin. Denkt sie angesichts ihres Mega-Erfolgs schon über den Grossen Rat hinaus in Richtung Bern? Nein. «Ich will jetzt zuerst in der Politik ankommen», erklärt Karin Bertschi.