Dieses Foto von der Facebook-Seite von Karin Bertschi ist zwar schon ein Jahr alt. Aber es ist typisch für die junge Frau, die gestern alle Kulmer SVP-Männer um 1054 und mehr Stimmen hinter sich liess. Sie weiss sich zu inszenieren. Und sie kommt mit ihrer natürlichen Unverbrauchtheit bei den Wählern an.

«Es ist schon so, ich bin ein politisches Greenhorn», sagte Bertschi nach ihrer Wahl. Sie fände es schön, dass sie von den Leuten als Mensch und nicht als Politikerin gewählt worden sei. Als Mensch, der ab und an von der Parteilinie abweiche. Etwa wenn sie im Betrieb Asylbewerber beschäftige. Und sie sei erfreut, dass sie so viele Stimmen von Listen anderer Parteien bekommen habe. Vom ersten Platz habe sie noch nicht einmal geträumt: «Das hätte ich nie erwartet.»

«Das habe ich nicht erwartet»: Grossrats-Newcomerin Karin Bertschi ist gewählt

Unternehmerin Karin Bertschi setzt sich für den Umweltschutz und das Beschäftigen von Asylbewerbern ein. Das passe sehr wohl zur SVP, wie sie in einem ersten Interview nach ihrer Wahl am Sonntag sagt.

Am Morgen zuerst in die Kirche

Der Wahlsonntag begann für Karin Bertschi wie die meisten Sonntage: Mit dem Gang in die Neuapostolische Kirche in Reinach. Sie sang dort am Wahl-Tag im Chor. Dann gings nach Gontenschwil an den Brunch der SVP des Bezirks Kulm. Als die Resultate von vier Dörfern vorgelegen hätten, habe sie bereits die ersten Gratulationen erhalten, berichtet Bertschi. Ein Grund für das erste Cüpli? «Nein, ich habe Ovo getrunken.» Den ersten «Hugo» liess sie sich gegen 17 Uhr einschenken.

Grafik: Elia Diehl

Zmittag gabs im «Bären» Zetzwil. Mit der Grossmutter, einer ihrer Schwestern und einem geheimnisvollen Mann. Der Rest der Familie sei in Rumänien. Was hat sie gegessen? «Rösti mit Speck.» Der geheimnisvolle Mann ist ihr Freund. Den Namen will Karin Bertschi nicht verraten. Und auch nicht das Alter. Nur so viel: Er heisse «Sigi», habe an der Uni Zürich Staatsrecht- und Politikwissenschaften studiert und doktoriert. Er wird ihr also helfen können, wenn sie als politisches Greenhorn an ihre Grenzen stossen wird.

Recycling-Königin will in die Politik

Karin Bertschi setzt sich vor allem als Besitzerin eines Recyclingunternehmens ein. Nun will sie für die SVP in den Grossen Rat.

Um 15 Uhr war Karin Bertschi in Aarau – und live auf Tele M1. Dann gings in den «Schützen» an die Wahlfeier der SVP. Sie ist dort eine gefragte Frau: «Es hat viele Leute, die gratulieren und sich mit mir freuen», berichtet Karin Bertschi.

Erst seit Frühjahr in der SVP

Die Wynentalerin sagt von sich, die Kirche sei ihr wichtig. Hat sie dafür gebetet, dass sie in den Grossen Rat gewählt wird? «Nein», sagt Bertschi bestimmt. «Ich habe dafür gebetet, dass es richtig kommt.»

Das Wahlergebnis im Bezirk Kulm:

Karin Bertschi ist kein SVP-Urgestein. Sie ist der Partei erst im Frühling beigetreten. Da hatte sie es als ehrgeizige, extrovertierte Jungunternehmerin bereits zu nationaler Bekanntheit geschafft. Die «Schweizer Illustrierte» feierte sie als «Müll-Prinzessin»: «Bertschi, eben 26 geworden, hat langes, blondes Haar und einen kühn-kecken Blick, feinrosa der Teint und die Zähne so weiss wie das Styropor, das man bei ihr entsorgen kann.»

Als Unternehmerin ist Karin Bertschi am Expandieren. Woher nimmt sie daneben die Zeit für das Grossrats-Mandat? Sie schlafe gegenwärtig mehr als sieben Stunden. Da liege sicher noch etwas drin. Denkt sie angesichts ihres Mega-Erfolgs schon über den Grossen Rat hinaus in Richtung Bern? Nein. «Ich will jetzt zuerst in der Politik ankommen», erklärt Karin Bertschi.