Schon früh in seinem Leben war für Roger Klaus klar, was einmal aus ihm werden sollte. Seine Eltern führten in Schmiedrued-Walde das Restaurant Pinte und er wollte es dereinst übernehmen. Um sich gut auf diese Aufgabe vorzubereiten, absolvierte der Wirtesohn eine Kochlehre und stieg mit 28 Jahren in den elterlichen Betrieb ein.

Doch schon bald machten sich bei Roger Klaus Zweifel breit, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag stimmte für den jungen Koch nicht und auch der Generationenwechsel verlief nicht ideal. «Es gab keinen grossen Wechsel, es wurde einfach alles neu durch drei geteilt», sagt er. Zu wenig ehrgeizig sei er gewesen, um wirklich etwas zu ändern und sich mit vollem Elan in das Restaurant zu stürzen. Roger Klaus erkannte, dass er auch die Kochlehre mit zu wenig Leidenschaft angetreten hatte. Zwar kocht er gern und erhält für seine gutbürgerlichen Gerichte von den Gästen positive Rückmeldungen. Doch sein ganzes Herzblut steckte nicht in der Arbeit in der Küche.

Die Leidenschaft fehlte

Roger Klaus, der schon sein ganzes Leben mit dem Restaurant verbunden war, musste sich eingestehen, dass er in der «Pinte» nicht glücklich werden würde. Waren seine Eltern enttäuscht, dass ihr Sohn dem Restaurant den Rücken kehren will? Roger Klaus verneint. «Sie haben Verständnis gezeigt. Zudem haben sie auch nie versucht, mich zum Mitmachen zu überreden. Als ich mich für die Kochlehre entschieden habe, befand ich mich in einer sehr traditionsbewussten Phase.» Vor einem Jahr beschloss Roger Klaus schliesslich, einen Schritt ins Unbekannte zu wagen und seinen zweiten Bubentraum zu verwirklichen. Er bestand die Aufnahmeprüfung für die Polizeischule und wird diesen Herbst in Hitzkirch die Ausbildung antreten.

Die «Pinte» ist ein Familienbetrieb in der dritten Generation. Die Eltern von Roger Klaus werden das Restaurant mithilfe der beiden Töchter noch bis Ende Jahr weiterführen, die Küche wird Mutter Rosmarie übernehmen. Die Öffnungszeiten werden jedoch an die Kapazitäten der reduzierten Wirtefamilie angepasst. Ab September ist das Restaurant voraussichtlich nur noch montags und dienstags sowie am Donnerstagabend geöffnet. Reservationen oder Anlässe werden jedoch auch ausserhalb dieser Zeiten möglich sein. Auch die Speisekarte wird entsprechend angepasst. Wie es mit der «Pinte» längerfristig weitergehen wird, ist noch unklar. Peter und Rosmarie Klaus haben das Restaurant jahrzehntelang erfolgreich geführt und machen keine Anstalten, ganz aufzuhören. Roger Klaus glaubt jedoch, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist: «Sie haben ihr Soll erfüllt. Mir wäre es am wohlsten, wenn jemand die «Pinte» übernehmen würde und sie sich zurückziehen könnten.»

Für Roger Klaus geschieht der Rückzug aus dem Familienbetrieb mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Ich bin schon etwas wehmütig, auch wegen der vielen Kunden, die ich gut kenne.» Vor allem aber verspüre er eine Erleichterung darüber, dass er diesen Schritt gewagt hat. Er freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. «Der Gedanken an meine Zukunft gibt mir ein prickelndes Gefühl», sagt er. Dieses Gefühl, dass sich bei ihm in der Küche nicht einstellen wollte.