Bezirksgericht Kulm
War die Ein-Mann-Bar auch ein Wettbüro?

Ein 41-jähriger Wirt einer kleinen Bar soll seinen Gästen nicht nur Drinks, sondern auch Internet-Wetten angeboten haben. So lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Pascal Meier
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Verdiente der Wirt nicht nur mit dem Verkauf der Getränke Geld? Vor dieser Frage stand das Bezirksgericht. (Symbolbild)

Verdiente der Wirt nicht nur mit dem Verkauf der Getränke Geld? Vor dieser Frage stand das Bezirksgericht. (Symbolbild)

Keystone

Wer im Restaurant von Ali (alle Namen geändert) einkehrt, tut das nicht wegen des Essens. Hier ist schon lange kein Steak mehr gebraten worden. Der Türke hat die Küche eingemottet, weil er als Pächter des Ein-Mann-Betriebs nicht auch noch am Herd stehen kann. Das Restaurant ist jetzt eine Bar. Gäste können hier zudem für acht Franken pro Stunde im Internet surfen.

So ging das bis zum 30. Januar 2014. An jenem Donnerstag hatte die Polizei eine Kontrolle durchgeführt. Die Polizisten stiessen auf zwei Ungereimtheiten: Auf Kadira, eine Frau aus Bosnien, die vermutlich ohne Bewilligung in der Bar arbeitete; sowie auf die Laptops und einen Drucker, in dem Wettbelege lagen. Der Verdacht: Hier werden illegale Sportwetten angeboten.

Darauf folgte Post von der Staatsanwaltschaft: Diese verurteilte Ali wegen illegaler Beschäftigung von Ausländern und gewerbemässigem Anbieten von Wetten zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 100 Franken; dies bedingt bei einer dreijährigen Probezeit.

Hat Ali mit Wetten Geld verdient?

Ali fühlte sich ungerecht behandelt und erhob Einsprache gegen den Strafbefehl. Deshalb befasste sich gestern das Bezirksgericht Kulm mit dem Fall. Dort bestritt der 41-jährige Ali, der seit 17 Jahren in der Schweiz lebt und seine Worte übersetzen liess, alle Vorwürfe. Kadira und er hätten eine Beziehung gehabt. «Sie war oft bei mir, hat manchmal ein bisschen geputzt, aber nie richtig im Restaurant gearbeitet.» Zum Vorwurf, Internet-Wetten angeboten zu haben, sagte Ali: «Ja, meine Gäste haben ab und zu auf den Laptops gewettet.»

Auf Nachfrage von Gerichtspräsident Christian Märki erzählte Ali, wie das System funktioniert: Man fährt nach Deutschland, kauft eine Prepaidkarte mit Guthaben und setzt das Geld bei Online-Wetten ein. «Ich habe mit den Wetten aber nichts zu tun gehabt und meinen Gästen nur den Internetzugang zur Verfügung gestellt.»

Alis Verteidiger ging in seinem Plädoyer mit der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm hart ins Gericht. «Was hier mit meinem Mandanten gemacht wird, ist unverhältnismässig.» Die Staatsanwaltschaft habe sich nicht die Mühe gemacht, sich richtig mit Internet-Wetten auseinanderzusetzen.

«Mein Mandant hat weder Wetten angeboten noch Gewinne damit gemacht.» Von einem «gewerbemässigen» Betrieb könne deshalb keine Rede sein. Auf den Laptops sei zudem keine Wett-Software installiert gewesen. «Was bleibt, ist, dass er den Internet-Zugang zur Verfügung gestellt hat, was nicht verboten ist.»

Zum Vorwurf der illegalen Beschäftigung von Ausländern hielt der Verteidiger fest: «Das war kein Arbeitsverhältnis, es waren Freundschaftsdienste ohne Bezahlung.» Wenn die Justiz so etwas verfolgt würde, dürfe man bald nicht mehr «ein Kafi rauslassen, wenn man bei Freunden zu Besuch ist».

Knapp verfasster Strafbefehl

Das Bezirksgericht folgte der Verteidigung. Es sprach Ali frei. Es sei nicht erwiesen, dass Kadira illegal in der Bar arbeitete. «Sie war offensichtlich die Partnerin des Beschuldigten, und kleinere Freundschaftsdienste gehören zu einer Partnerschaft», sagte Gerichtspräsident Märki.

Auch der Vorwurf, mit Internet-Wetten Geld verdient zu haben, konnte nicht erhärtet werden. «Es gibt zwar Indizien, dass gespielt wurde. In den Akten ist aber nicht belegt, dass der Beschuldigte damit Geld verdiente», sagte Märki weiter, der den Strafbefehl als «sehr knapp verfasst» bezeichnete und etwas Kritik an der Staatsanwaltschaft durchblicken liess.

Damit ist die Sache für Ali erledigt, zumindest juristisch. Vor Gericht sagte er zuletzt: «Bitte schicken Sie keine Unterlagen nach Hause. Meine Frau weiss nichts von der Beziehung zu Kadira.»

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