Reinach

Walz: «Ich achte strikte darauf, neutral zu sein»

Gemeindeschreiber Peter Walz in neu gestalteten Eingangsbereich des Gemeindehauses von Reinach.  Peter Siegrist

Gemeindeschreiber Peter Walz in neu gestalteten Eingangsbereich des Gemeindehauses von Reinach. Peter Siegrist

Peter Walz erklärt im Interview, was ihn an seinem Beruf auch nach 25 Jahren fasziniert und worauf er bei seiner Arbeit in Reinach besonders achten muss.

Peter Walz, Sie sind 25 Jahre Kanzler in Reinach. Haben Sie den Gemeinderat fest im Griff?

Peter Walz: Darum geht es nicht. Ich bin die Drehscheibe zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Bevölkerung. Da geht es darum, eine gute Kultur möglichst ohne Spannungen zu etablieren. Das ist meine Aufgabe.

Das tönt verdächtig nach bescheidener Arbeit im Hintergrund.

Ich wage den Vergleich mit dem Fussball. Der gute Schiedsrichter fällt nicht heftig auf. Das Bild, der Gemeindeschreiber ist’s, der regiert, das darf nicht aufkommen.

Sondern?

Ich habe die Behörde zu beraten, dafür zu sorgen, dass die Wegrichtung stimmt. Und dafür bleibe ich im Hintergrund.

Also weder Dorfkönig noch graue Eminenz?

Das soll nicht sein. Zugegeben, als Gemeindeschreiber habe ich gewissen Einfluss. Aber ich darf meinen Wissensvorsprung nicht ausnützen, letztlich eine Frage der Fairness. Unsere Gemeinderäte arbeiten als Milizler, nur der Ammann hat ein 50-Prozent-Pensum. Als Schreiber muss und will ich die Gemeinderäte ernst nehmen und in der Arbeit unterstützen.

Sie arbeiten seit 23 Jahren mit dem gleichen Ammann zusammen, da wird wohl viel von ihnen beiden entschieden, Sie haben ja auch die grösste Erfahrung?

Erfahrung ja, das stimmt. Aber das Ressortsystem im Gemeinderat mit den zugeteilten Verantwortungsbereichen wirkt dem entgegen.

Aber es gibt doch Fälle, wo Sie und der Ammann entscheiden?

Es gibt gewisse Angelegenheiten, wo wir beide einmal zusammen entscheiden. Das sind meistens absolut dringende Geschäfte, und wir handeln immer nach Rücksprache. Etwas anderes darf nicht sein; die andern Gemeinderäte würden da rasch opponieren.

Sie erwecken nicht den Eindruck amtsmüde zu sein, was fasziniert Sie am Job?

Es ist die Vielseitigkeit. Kein Tag gleicht dem andern. Viel Verschiedenes spielt mit: Arbeit mit Menschen, Organisationsaufgaben, die Informatik. Dann sind immer auch juristische Fragen ein interessantes Thema. Das macht meine Arbeit spannend.

Hat sich der Polit-Betrieb in Reinach in den letzten 25 Jahren stark verändert?

Als ich 1986 die Stelle antrat, war die SP viel stärker und mit zwei Mitgliedern im Rat vertreten. Etwas später kam die Zeit, wo die SP keinen Sitz mehr hatte und auch ihre Mitglieder aus den Kommissionen zurückzog. Seither hat die SP nicht mehr das gleiche Gewicht, aber sie haben wieder einen Vertreter im Gemeinderat.

Wie halten Sie es selber mit einer Parteizugehörigkeit?

Ich achte strikt darauf, neutral zu sein. Deshalb werde ich nie einer Partei beitreten. So wissen auch die Gemeinderäte, dass der Kanzler die Geschäfte neutral beurteilt und nicht parteipolitisch, das ist mir wichtig.

Ich habe den Eindruck, die Ortsparteien seien viel weniger präsent, von Opposition schon gar nicht zu reden, wie sehen Sie das?

Ich stelle fest, dass die Aktivitäten der verschiedenen Ortsparteien stark von den jeweiligen aktuellen Themen abhängig sind. Diese werden schon diskutiert und die Parteien bringen ihre Meinung in die Diskussion ein.

Werden die Parteien bei aktuellen Geschäften begrüsst?

Jetzt steht zum Beispiel die Ortsplanung an. Es ist klar, dass die Parteien einbezogen werden. Ich habe nicht den Eindruck, das Parteiwesen sei in der Gemeinde eingeschlafen.

Hat sich die Arbeitsweise der Behörde während Ihrer Zeit stark verändert?

Die grösste Veränderung habe ich gleich bei meinem Start eingeführt. Ich habe die Geschäfte so vorbereitet, dass sie mit einem Vorprotokoll vor den Rat kamen. Das war damals in den wenigsten Gemeinden üblich. Dieses System hat sich sehr bewährt. Im Übrigen arbeiten wir mit dem Ressortsystem, da gab es in der Struktur keine grossen Veränderungen.

Also bleibt tatsächlich alles beim Alten?

Geändert haben sich die Geschäfte und die Art, wie sie vom Kanton präsentiert werden. Vernehmlassungen aus Aarau haben kaum einmal weniger als 50 Seiten Umfang. Diese unsägliche Papierflut wird effektiv zum Problem für Rat und Verwaltung.

Als Sie in Reinach starteten, hatte die Gemeinde 5700 Einwohner, heute sind es über 8000. Wächst die Verwaltung mit?

Wir haben die Mehrarbeit weitgehend durch organisatorische Verbesserungen aufgefangen. Im Bereich der Einwohnerkontrolle ist die Zunahme am stärksten spürbar, der Publikumsverkehr hat stark zugenommen. Aber der neue Schalterbereich bewährt sich jetzt, was auch die Rückmeldungen zeigen.

In Reinach sind 36,25 Prozent der Einwohner Ausländer, bringt das grossen zusätzlichen Aufwand?

Das ganze Anmeldeprozedere ist aufwändiger als bei den Schweizern. Oftmals erkundigen sich Ausländer schon bei der Anmeldung nach dem Sozialdienst. Da sind wir als Gemeinde machtlos. Grundsätzlich stehe ich jedoch der Durchmischung mit integrierten Ausländern positiv gegenüber, wir sind auch auf sie angewiesen.

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