Wahlen 2021
Wechsel nach 24 Jahren: «Es ist Zeit für eine Frau an der Spitze»

In Hirschthal wirkte Peter Stadler 24 Jahre als Gemeindeammann. Irene Bärtschi (EVP) will das Erbe antreten – das hat sie mit der Gemeinde vor.

Cynthia Mira
Drucken
Teilen
Irene Bärtschi weiss gerne über ihr Dorf Bescheid, wie sie sagt. Das führte sie mit ihrem Zuzug 2009 langsam in die Politik.

Irene Bärtschi weiss gerne über ihr Dorf Bescheid, wie sie sagt. Das führte sie mit ihrem Zuzug 2009 langsam in die Politik.

Valentin Hehli / WYS

In Hirschthal besetzt bald Irene Bärtschi (EVP) das Amt als Frau Gemeindeammann. Das steht so gut wie fest. Sie tritt am 26. September als einzige Kandidatin für die Nachfolge des aktuellen Gemeindeammanns Peter Stadler an. Dieser zieht sich nach sage und schreibe 24 Jahren an der Spitze zurück. Vor seiner Tätigkeit als Ammann wirkte er vier Jahre als Gemeinderat. Sie wisse, in welche grossen Fussstapfen sie trete und werde mit offenen Augen und Ohren das neue Amt antreten, so Bärtschi:

«Es ist ein grosses Privileg, eine solche gut funktionierende Gemeinde zu übernehmen.»

Die 46-Jährige kann auf die Unterstützung aller Gemeinderäte und ihrer eigenen Familie zählen: «Wir fanden im Gespräch alle, dass es in Hirschthal Zeit wird, dass zum ersten Mal eine Frau Gemeindeammann wird.» Deshalb habe sie den Schritt gewagt. Politik sei ihr geliebtes Hobby und sie habe einen grossen Vorteil:

«Ich brauche nicht viel Schlaf.»

Auch ihre 40-Prozent-Stelle in der Notfallpflege im Kantonsspital Aarau werde sie, wenn möglich, behalten. Aber: «Ich werde vermutlich nicht mehr für den Grossen Rat kandidieren, sondern mich auf die Arbeit in der Gemeinde fokussieren.»

Senioren sollen sich auch im Zentrum wohlfühlen

Bärtschi stand bereits die letzten vier Jahre als Gemeinderätin dem Ressort Gesundheit und Soziales vor. Zudem ist sie die Präsidentin des Regionalen Sozialdienstes RSD (vormals RSDK). Sie nennt drei Dinge, die sie als Ammann anpacken will: So schwebt ihr mit Blick auf ältere Menschen die Aufwertung des Zentrums vor.

«Die Eröffnung eines kleinen Cafés würde Hirschthal guttun.»

Bisher sei es so, dass Senioren öfters nach Schöftland ausweichen würden, weil sich dort auch der Coop und die Migros in unmittelbarer Nähe befänden. Zweitens will sie das Zusammenleben weiter fördern:

«Wir sind wirklich noch ein Dorf, haben glücklicherweise aber viele Menschen, die sich freiwillig engagieren.»

Man lebe von den Vereinen und einer guten Vernetzung. Sie selbst habe davon profitiert, als sie in Hirschthal 2009 zugezogen sei. «Ich ging damals gleich in den Damenturnverein und mein Mann meldete sich bei der Feuerwehr.»

Drittens will Bärtschi den Informationsaustausch so beibehalten, wie ihn Stadler über die Jahre gepflegt habe. Sie sagt:

«Die Bevölkerung soll an der Arbeit des Gemeinderats teilhaben und über die Prozesse informiert sein.»

«Es kommt nicht alles auf einmal auf uns zu»

Bezüglich der Infrastruktur in Hirschthal meint sie, dass die Gemeinde immer wieder etwas in Angriff genommen habe. Zum Beispiel sei der Neubau der Mehrzweckhalle nach der Jahrtausendwende oder die Sanierung der Schule vor sechs Jahren erfolgt. «Es kommt deshalb nicht alles auf einmal auf uns zu.» Aber es sei wichtig, als wachsende Gemeinde attraktiv zu bleiben.

«Wir haben den Vorteil, dass wir stetig gewachsen sind, dennoch ist es eine Herausforderung, den Bedürfnissen von bald 2000 Einwohnern gerecht zu werden.»

Von besonderer Bedeutung seien der Dorfladen, das Restaurant Traube und die Biberburg. «Solche Orte für Begegnungen sind entscheidend.» Hirschthal sei nicht nur eine finanzstarke Gemeinde, sondern biete auch enorm viel. Und das Gewerbe finde ebenfalls seinen Platz. Es seien nicht nur die drei grossen Player Pfiffner Messwandler AG, Jungheinrich AG und die A. Meier Gartenbau AG, die dank der Einzonung «Neumatte» expandieren, sondern auch kleinere Unternehmen, wie eine Physiopraxis, eine Schreinerei oder eben das Restaurant Traube, welche das Dorf beleben würden.

Aufgewachsen ist Bärtschi in Murgenthal in der kleinen Ortschaft Balzenwil an der Grenze zum Kanton Bern. Wenn sie sich nicht durch Dossiers arbeitet, steht sie an den Wochenenden auch gerne am Rand eines Fussballfeldes, wie sie sagt. Denn alle ihre drei Kinder spielen Fussball. Ob sie als Ammann weiterhin dem Ressort Gesundheit und Soziales vorstehen wird, steht indes noch nicht fest. «Es hatte sich damals mit meinem beruflichen Hintergrund angeboten.» Im Gegensatz zu ihrem Platz als Gemeindeammann sind jene des Gemeinderats aber noch umkämpft. Sechs Kandidaten wollen einen der fünf Plätze erringen.

Aktuelle Nachrichten