Reitnau
Von Namibia über Teneriffa nach Reitnau: Das ist der neue Pfarrer

Am 8. September wird Pfarrer Matthias Schüürmann offiziell in sein neues Amt als Pfarrer in Reitnau eingesetzt. Schüürmann arbeitete bereits in Namibia und Teneriffa als Dorfpfarrer und Seelsorger.

Christine Bertschi
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Matthias und Rahel Schüürmann möchten in Reitnau ein offenes Pfarrhaus pflegen.

Matthias und Rahel Schüürmann möchten in Reitnau ein offenes Pfarrhaus pflegen.

cbe

«Gott hat uns hier eine offene Tür geschenkt, wir gehen freudig rein – auch wenn uns der Abschied von Umiken schwerfiel.» In Umiken bei Brugg arbeitete Matthias Schüürmann elf Jahre lang als Pfarrer. Nun, mit 51 Jahren, möchte er nochmals eine neue Herausforderung annehmen «und eine neue Ecke vom Aargau kennenlernen».

Seit dem 1. August ist Schüürmann als neuer Pfarrer für die Reformierte Kirchgemeinde Reitnau-Attelwil-Wiliberg im Amt, am 8. September ist seine «Installation», die offizielle Amtseinsetzung.

Von der Nachbarschaft empfangen

Im Pfarrhaus in Reitnau wohnt Familie Schüürmann – die beiden Töchter sind schon ausgeflogen, die zwei Söhne mitgekommen – seit Ende Juli. «Wir wurden sehr herzlich empfangen. Zum Beispiel standen Leute vor unserer Tür und haben Kirschen gebracht», erzählt Schüürmann. Und auch eine spontane Einladung zum Quartierfest in der neuen Nachbarschaft habe ihn überrascht und gefreut. «Dieser Zusammenhalt als Dorf beeindruckt mich hier.»

Schon als 15-Jähriger wusste der in Holland und Deutschland aufgewachsene Schüürmann, dass er Pfarrer werden will. «In der Schule hielt ich gerne Vorträge, und als ich im Gymnasium mein Englisch verbessern wollte, fuhr ich für einen Monat nach London in ein Missionshaus», erinnert er sich. Dort sei ihm klar geworden, dass er Gott dienen wolle.

Vor allem der missionarische Dienst hat es ihm angetan. Nach seinem Vikariat bei Pfarrer Ernst Sieber und einer sechsjährigen Tätigkeit als Dorfpfarrer im Thurgau ging sein Traum der Missionsarbeit in Erfüllung. Mit drei kleinen Kindern zogen Matthias und Rahel Schüürmann 1995 nach Namibia, dort kam auch ihr jüngster Sohn auf die Welt. In Windhoek, der Hauptstadt von Namibia, unterrichtete Schüürmann an einem theologischen Institut.

Er war für einen Kreis von Studenten verantwortlich, seine Fächer reichten von einer «Einleitung in die Theologie» bis zu Gitarrenkursen. Nach fünf Jahren ging es für die Familie weiter nach Teneriffa – auf der Trauminsel war Schüürmann Verkündiger und Seelsorger: «Jeder hat einen Rucksack mit Problemen, den er auch in die Ferien mitnimmt.»

Jugendarbeit liegt ihm am Herzen

Schüürmann spricht sich für die Ökumene und die Allianz mit Freikirchen aus: «Ich habe in der ganzen Welt gesehen, wie Jesus Christus über Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus verbinden kann.» Nicht das Etikett sei wichtig, sondern der lebendige Glauben und Zusammenhalt: «Ich glaube, es gibt keine separaten Himmel für Freikirchen und Landeskirchen», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die Jugendarbeit liegt dem neuen Pfarrer Schüürmann am Herzen, er singt gerne und mag Gemeinschaft; in Umiken hat er ausserdem so manche Reise für seine Gemeindemitglieder organisiert. Doch im Moment will er vor allem für die Leute da sein; in dem Jahr ohne festen Pfarrer in der Gemeinde waren viele Freiwillige im Einsatz, dieses Engagement möchte er nicht ausbremsen. Doch eines weiss Matthias Schüürmann jetzt schon: «Wir möchten ein offenes Pfarrhaus pflegen. Jeder ist willkommen und die Kaffeemaschine ist betriebsbereit.»