Schöftland/Schlossrued

Von der Wirtin zur Biobäuerin

Lea Rampini (29) wechselte vom «Ochsen» in Schöftland nach Schlossrued auf den Biohof ihrer Eltern. Dort pflanzt sie mit ihrer Mutter Gemüse an, das sie in ihrem Gemüseabo bis nach Aarau und Lenzburg liefern.

«Hier bin ich geerdet», sagt Lea Rampini. Das stimmt schon rein optisch, an ihrem festen Schuhwerk klebt feuchte Erde und auch ihre Finger sind braun eingefärbt. Hat sie doch vor wenigen Minuten ein Küttiger Rüebli aus dem Erdreich an die Oberfläche gezogen. Begeistert fährt sie mit der Hand über dessen langen Schweif aus grünem Kraut. «So schön», sagt die 32-Jährige.

Der Name Lea Rampini dürfte einigen in der Region bekannt vorkommen. Die junge Frau war in der Gastronomie tätig, zuletzt als Köchin und Betriebsleiterin im «Ochsen» in Schöftland. Diesen hat sie 2017 verlassen. Sie sprang auf dem Biohof ihrer Mutter Elisabeth Rampini (55) in Schlossrued ein, als ihr Vater krank wurde.

Unterdessen hat sie eine landwirtschaftliche Weiterbildung gemacht und ist fest eingestiegen. Der Biohof Rampini liegt am Fuss des Pfaffenbergs, gleich nach der Abzweigung von der Hauptstrasse.

Ein uraltes Gebäude, charmant umwuchert von viel Grün. Ungefähr 80 Hühner bewegen sich frei auf dem Gelände, das von der Pfaffenbergstrasse durchschnitten wird.

Gemüse-Abos: Lieferungen bis nach Aarau und Lenzburg

Im Hofladen, warten über ein Dutzend grüne Kistchen, bis sie an die Abonnenten und Abonnentinnen des Gemüseabos ausgeliefert werden. Ihr Inhalt wuchs bis vor kurzem noch auf dem Gmüesblätz der Biobäuerinnen.

Diese Woche erhalten die Kunden unter anderem Tomaten, die aussehen wie die Finger einer zur Faust geballten Hand, Buschbohnen mit Bohnenkraut, einen Zuckerhut-Salat, Eiszapfen (Mischung zwischen Radieschen und Rettich), Lauch und Randen.

In einem liebevoll geschriebenen Brief beschreibt Lea Rampini den Inhalt und liefert auch gleich Ideen für die Verarbeitung. «In unseren Kisten hat es auch Gemüse, das man im Laden nicht findet», sagt sie.

Lea und Elisabeth Rampini wollen mit dem Gemüseabo ihre Freude an Lebensmitteln weitergeben. Eine Kiste mit 3,5 bis 4,5 Kilogramm Gemüse kostet 35 Franken und kommt wahlweise jede oder jede zweite Woche direkt zur Haustür der Abonnenten.

Der Radius für die Heimlieferung reicht bis nach Aarau und ins Wynen- und Suhrental. Lea Rampinis langjähriger Schulfreund Julian Häusermann unterstützt den Biohof und chauffiert das Gemüse in seine Heimatstadt Lenzburg und Umgebung.

Mit Lea Rampini ist bereits die dritte Generation auf dem Hof. Schon Elisabeth Rampini ist hier aufgewachsen. «Ich wollte nicht buure wie meine Eltern», sagt sie. Mit zwei Geschwistern hat sie trotzdem den Hof übernommen und mit ihrem Mann weitergemacht.

Elisabeth hat vieles verändert und umstrukturiert. Als ihr Mann krankheitsbedingt sehr viel kürzertreten musste, stieg die Tochter ein. Und führte mit dem Gemüseabo auch etwas Neues ein. «Für mich war schon immer klar, dass ich auch mal in der Landwirtschaft tätig sein will», sagt Lea Rampini.

Sie hat in Aarau die Matur gemacht – und danach eine Koch-Lehre. «Für einige scheint meine Laufbahn unzusammenhängend», sagt sie. «Dabei gab es immer einen zentralen Punkt: Lebensmittel.» Lea Rampini fasziniert der Kreis vom Aussäen über das Wachsen und das Ernten – bis in die Pfanne.

«Jedes Jahr muss man sich neu auf die Pflanzen einlassen»

Mutter und Tochter haben Freude an ihrem Gemüse. Wenn sie gemeinsam im kniehohen Rüebli-Kraut stehen, sieht es aus, als wären sie selber hier gewachsen. Wie die Küttiger Rüebli sind sie nicht besonders lang, dafür robust und natürlich schön mit lockigem Haar.

Bio ist für sie eine Überzeugung. Auch wenn man dabei manchmal mit Einbussen rechnen müsse. «Jedes Jahr muss man sich neu auf die Pflanzen einlassen», sagt Elisabeth Rampini.

Das Zusammenspiel von Gemüsesorte, Bodenbeschaffenheit, dem Wetter und möglichen Schädlingen wird von den Frauen genau beobachtet. Wenn alles aufgeht, können sie sich über ihre schönen Wurzeln, Bohnen und Früchte freuen.

Beide Frauen arbeiten neben dem Biohof noch extern, Lea Rampini als Hauswirtschaftslehrerein – Fixpunkt: Lebensmittel – und Elisabeth Rampini als Klavierlehrerin.

Zurück im Hofladen belädt Julian Häusermann sein Auto für die Fahrt nach Lenzburg. Die Tomaten in der Kiste leuchten rot, orange und gelb. Das Angebot bestimmt die Saison und die Ernte. Mit dieser Kiste ist Elisabeth Rampini besonders zufrieden – weil der Inhalt schön farbig ist.

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