Oberkulm
Von der Theater- auf die Politbühne: Ehemalige «Acapickels» wird Gemeinderätin

Als eine von vier «Acapickels» sorgte Denise Geiser über Jahre für Lacher. Ab Januar sitzt sie im Oberkulmer Gemeinderat.

Flurina Dünki
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Denise Geiser wurde im Juli in den Gemeinderat gewählt.

Denise Geiser wurde im Juli in den Gemeinderat gewählt.

SEVERIN BIGLER

Vier schrullige Damen in farbigen Deux-Pièces machten einst die Bühnen des Landes unsicher. Während knapp 20 Jahren spielten, sangen und häkelten sich die vier «Acapickels» Barbara Hutzenlaub, Lotti Stäubli, Helga Schneider und Juliette Blamage, in die Herzen unzähliger Zuschauer. Denise Geiser, die innerhalb des A-cappella-Comedyquartetts die hütchentragende Juliette Blamage im grünen Kostüm verkörperte, setzte dabei den Liedern mit ihrem Damen-Bass das i-Tüpfelchen auf.

Denise Geiser (zweite von links) mit den Acapickels 1999.

Denise Geiser (zweite von links) mit den Acapickels 1999.

KEYSTONE

Ab nächstem Jahr wird die 60-Jährige eine neue Bühne betreten. Seit fünf Jahren Oberkulmerin, wurde sie im Juli als Parteilose in stiller Wahl als Gemeinderätin gewählt. Zum neuen Amt kam sie «quasi wie Maria zum Kind», nachdem sie sich von der Oberkulmer SP-Präsidentin Ursula Hofmann hatte für eine Kandidatur erwärmen lassen. Nach dem ersten Wahlgang im Juni waren mangels Kandidaten erst vier Sitze besetzt worden, das Dorf suchte nach weiteren Kandidaten, um das Gremium zu komplettieren.

Als Stadtkind auf dem Land

Nach Oberkulm gezogen ist Geiser der Liebe wegen. Weil ihre Frau in der Reinacher Stiftung Lebenshilfe arbeitet, zog sie von Zürich ins Wynental. «Von meiner Biographie her bin ich ein Stadtkind» sagt die gebürtige Baslerin. Doch der Umzug aufs Land, wo sie vom Stubenfenster aus Füchse und Rehe erspähen kann, sei ihr nicht sonderlich schwer gefallen. Deshalb habe sie sich nach der Anfrage auch vorstellen können, sich als Gemeinderätin zu engagieren. «Authentisch sein» ist ihr Rezept, um sich in einer neuen Gemeinde gut integrieren zu können. Authentizität und das Anerkennen jeder Person in ihrer Eigenart und Persönlichkeit sind auch ihre Pfeiler als Gemeinderätin.

Start im politischen Kabarett

Das Schauspielhandwerk lernte Geiser schon während ihrer Jugend in Basel, wo sie sie politisches Kabarett spielte. Später trat sie mit dem «Junges Theater Basel» auf, bevor sie in der «Kulturwerkstatt Kaserne Basel» und der Roten Fabrik in Zürich im organisatorischen Bereich tätig war. Die ersten «Acapickel»-Kolleginnen lernte sie kennen, als sie in einer Big Band sang. In illegalen Bars im Zürich Ende der 1980er- Jahre konfrontierte die Gruppe ihre ersten Zuschauer mit einem Mix aus Songs und Sketchen.

Über die folgenden Jahre folgte hier ein Auftritt als Vorprogramm, dort einer als komische Ansagerinnen, bevor die vier mit einem Programm auf Tournee gingen. 1993 klopfte das Fernsehen an und liess die vier kecken Tantchen zweimal in Folge in Kurt Aeschbachers Sendung «Grell Pastell» aufs TV-Publikum los. Gleichzeitig wurden sie durch Auftritte an der Kleinkunstbörse auch in Bühnenkreisen zum festen Begriff. Bald konnten die Komikerinnen ihre Brotjobs an den Nagel hängen, spielten in ausverkauften Sälen in der Schweiz und Deutschland und erschienen regelmässig auf deutschen TV-Sendern.

Denise Geiser, einst Mitglied der Acapickels, ist nun Gemeinderätin in Oberkulm Denise Geiser, portraitiert bei ihr Zuhause in Oberkulm.

Denise Geiser, einst Mitglied der Acapickels, ist nun Gemeinderätin in Oberkulm Denise Geiser, portraitiert bei ihr Zuhause in Oberkulm.

SEVERIN BIGLER

Es schien, als hätten die Zuschauer – Frauen und Männer waren gleichermassen Fans – nur darauf gewartet, dass diese auf altmodisch und eher hässlich geschminkten Damen das stereotype Bild der Frau im Showbusiness durchbrachen. Dabei scheute sich das Quartett auch vor Tabubrüchen nicht, wenn es um Frauenthemen ging. «Heute sind die Zeiten anders, aber damals galt es als Skandal, das Wort ‹Menstruation› überhaupt in den Mund zu nehmen», sagt Geiser. «Doch wir fanden es einfach urkomisch, dass bei Werbung für Damenbinden mit blauer statt roter Flüssigkeit gefilmt wurde und mussten einfach einen Sketch daraus machen.»

Ende von Frau Blamage

Nach fast zwei Jahrzehnten machten sich Abnützungserscheinungen bemerkbar. «Die vielen Tourneen waren streng, was ich als Älteste besonders spürte.» Geiser legte ihre «Juliette Blamage» ab und entschied sich für eine Weiterbildung als Analytikerin des «Human Design Systems». Einer Lehre, die auf Astrologie, I Ging und der indischen Chakren-Lehre basiert. Als Selbstständige bietet sie darin Beratungen an. Weshalb der Gang in diese Welt? Es habe sie einfach nicht mehr los gelassen, seit sie vor Jahren damit in Kontakt kam: «Jemand der mich nicht kannte, konnte mir eine Beschreibung meiner selbst geben, in der ich mich vollständig wiedererkannte.»

In wenigen Monaten kommt zur Biographie Geisers nun auch Gemeinderatsrolle hinzu. Die Erfahrung wird neu sein, doch Geiser ist zuversichtlich: «Ich bin mir sicher, dass ich durch meine Art, die Menschen zu nehmen wie sie sind, zu einer guten Zukunft des Dorfes beitragen kann.»