Reitnau
Von den harmlosen Leoparden, die nicht mit jedem schmusen dürfen

Pascal Gilli züchtet Bengalenkatzen und baut seinen Tieren in Reitnau ein grosses Aussengehege. Seine Katzen verkauft er nicht jedermann.

Aline Wüst
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Bengalenkatze Juicy in Pascal Gillis Armen.

Bengalenkatze Juicy in Pascal Gillis Armen.

Aline Wüst

Kater Picasso hat ein eigenes Zimmer. Katzenbaum und diverse Liegemöglichkeiten inklusive. Schliesslich ist Kater Picasso kein Bauernhofmischling, der zwischen Miststock und Kuhstall gezeugt wurde. Kater Picasso ist eine bengalische Rassenkatze und eine Zuchtkatze obendrein. Nah verwandt mit der asiatischen Leopardenkatze. Und darum hat Picasso auch bald ein Aussengehege. Bequem erreichbar von seinem Zimmer aus über eine Rampe. Das Baugesuch für das ungewöhnliche Vorhaben liegt zurzeit auf.

Bengalenkatze Juicy in Pascal Gillis Armen.

Bengalenkatze Juicy in Pascal Gillis Armen.

Aline Wüst

Züchten heisst auch viel putzen

Kater Picasso gehört Pascal Gilli. Der 29-Jährige lebt mit seiner Freundin Fabienne Riter in Reitnau. Vor kurzem wurde er zum ersten Mal Vater. Sein Kater Picasso tut es ihm bald gleich – zwei der Bengalen sind schwanger. Gilli freut sich auf den Katzennachwuchs, denn der Grafikdesigner hat seine Katzen nicht nur als Haustiere. Er züchtet Bengalen. Wie der Typ Katzenzüchter sieht der Mann mit den vielen Tätowierungen zwar nicht aus.

Reich werden will er mit seiner Zucht auch nicht. Es sei sein Hobby. Denn das Züchten ist teuer und aufwändig. Viele Neuzüchter vergessen, wie oft man putzen muss, wenn man vier Katzen hat. Aber Katzen haben es Gilli einfach angetan – auch Bauernhofkatzen, aber vor allem Bengalen. Diese seien zwar ein bisschen sensibler, lauter und wilder als andere Katzen. Verschmust sind sie trotzdem. Gilli gefällt vor allem der Leopardenlook, den die Tiere von ihren Vorfahren beibehalten haben.

Leopärdchen im Aussengehege

Kater Picasso und seine drei Katzen haben jetzt schon viel Platz. Denn Gilli und seine Freundin leben in einer grosszügigen Loft. Die Katzen dürfen überall rumspazieren, ausser im Kinderzimmer und im Büro. Bald haben die Bengalen aber noch mehr Platz. Ins neue Aussengehege können sie vom Balkon aus selbstständig gehen. Die Baumstämme fürs Gehege liegen bereits im Garten. Das ganz erinnert an einen Raubtierkäfig in einem Zoo. Eingesperrt sind die Bengalen aber nicht, weil sie für den Menschen gefährlich wären.

Picasso und vor allem seine drei Katzendamen können nicht draussen sein, weil sie auf keinen Fall die Bekanntschaft mit einem Bauerhofkater machen dürfen. Zudem sind die Tiere zu wertvoll, als dass man sie einfach frei draussen rumlaufen lassen könnte. Bis zu 2500 Franken kostet ein Bengale. Darum wird Gilli auch eine Videokamera im Aussengehege montieren. Sicher ist sicher. Zum Aussengehege sagt er: «Man muss den Katzen etwas bieten können.» Gilli bietet ihnen neben viel Platz und Liebe noch fünf Katzenbäume, viele Betten und Körbli.

Hohe Ansprüche an Halter

Wer ein Bengale will, muss Geduld haben, sagt der Züchter. Wartefristen von über einem Jahr seien keine Seltenheit. Auch von Kater Picassos Katzenbabys sind viele schon reserviert. Gilli verkauft seine Tiere in der ganzen Schweiz. Anschauen kann man die Katzenbabys bald auf seiner Internetseite (purebengalcatz.com).

Von Gilli eine Katze zu bekommen, ist aber gar nicht nicht so einfach. «Verhandelt jemand über den Preis, hat er keine Chance», sagt er. Wer schon beim Kaufpreis knausrig sei, der sei später auch nicht bereit, eine Tierarztrechnung zu bezahlen. Darum interessiert Gilli bei potenziellen Katzenhaltern vor allem, wie sie wohnen, was sie arbeiten und was mit der Katze in den Ferien passiert.

Für Nachwuchs will auch Katzendame Juicy sorgen. Weil sie erst 8 Monate alt ist, darf sie aber noch nicht. Deshalb leidet sie und schreit wie ein kleines Kind. Gilli gibt ihr ein Medikament, damit es für die rollige Katze erträglicher wird. Vor allem aber gibt er acht, dass Juicy dem schönen Kater Picasso nicht über den Weg läuft.

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