Umzug
Von Buchs nach Reinach: Der bekannte Familienladen Yenikasap sorgt jetzt andernorts für Furore

Der bekannte Buchser Familienladen Yenikasap ist nach Reinach gezogen.

Michael Küng
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Kaan Tasdemir hilft seinen Eltern im Laden schon seit der Kanti und heute neben dem Studium.

Kaan Tasdemir hilft seinen Eltern im Laden schon seit der Kanti und heute neben dem Studium.

mik

Den Lebensmittelladen «Yenikasap» («Neue Metzgerei») kennt man von Solothurn bis Zürich. Mitte der Nullerjahre sorgte er mit Tiefstpreisen für gutes Schweizer Fleisch für Furore. Die von weit her nach Buchs anreisende Kundschaft verursachte immer wieder ein veritables Verkehrschaos. Im Sog des Erfolgs von Yenikasap entstanden mehr und mehr Geschäfte; und die Aarauerstrasse entwickelte sich langsam zum heutigen «Little Istanbul». Etwa 2013 übernahm dann die dreiköpfige Familie Tasdemir aus Oensingen SO den Laden und führte sein Erfolgsrezept weiter.

An den Start in Buchs kann sich der 25-jährige Sohn Kaan noch gut erinnern: «Jeden Morgen fuhren meine Eltern 40 Kilometer nach Buchs, arbeiteten von 7 bis 23 Uhr und fuhren wieder 40 Kilometer nach Hause», erzählt er. Wann immer möglich fuhr er mit, half als Kantischüler im Laden.

Verwirrung um die Läden in Buchs und Reinach

«Die langen Arbeitszeiten waren hart, aber wir hatten immer viel Spass bei der Arbeit.» Das gilt bis heute.

Nach acht Jahren wurde es Zeit für ein grösseres Geschäft und die Familie begann, sich nach einem neuen Standort umzusehen. Seit August sind sie nun in Reinach präsent, bei Otto’s haben sie eine grosse Ladenfläche gefunden. «Mit dieser sind wir sehr zufrieden, weil wir den Kunden ein grosses Sortiment und viel Platz bieten können», so Kaan Tasdemir.

Der Start in Reinach sei unter den gegebenen Umständen wider Erwarten sehr gut verlaufen, die Familie freut auch, dass sicher die Hälfte der Kunden in Reinach Schweizer seien. Nach nur drei Monaten sind Tasdemirs in Reinach bereits angekommen, sie sind glücklich mit ihrem neuen Standort.

Regal füllen, Baugesuch schreiben, Lamm zerlegen

«Für die Gemeinde entschieden haben wir uns, weil es hier noch mehr potenzielle Kunden gibt als in Buchs.» Der 25-jährige Kaan Tasdemir hilft noch heute im Geschäft, neben seinem Studium an der HSG. Gerade hat er den Bachelor gemeistert, nun kommt der Master. Später soll das Anwaltspatent folgen. «Meine Eltern investierten viel in mich und ermöglichten mir nicht nur die Kanti, sondern nun auch das Studium.» Deshalb sei es für ihn selbstverständlich, dass er auch heute noch mit anpackt. Früher füllte er Regale auf, heute schreibt er dank seines Studiums auch Baugesuche und stellt neue Mitarbeiter ein. Und auf Facebook bewirbt er Aktionen: Kürzlich gab es das Frucht- und Obstsortiment zum halben Preis. Und im neusten Video bewirbt er das Fleisch­sortiment. «Wir kaufen bei regionalen Bauern und haben unsere eigene Metzgerei», sagt Tasdemir. Der kleine Laden hat sich zum professionellen Supermarkt entwickelt.

Der Vater lernte die Büez im pulsierenden Istanbul

Und sobald Not am Mann ist, ziehe auch er sofort die Metzgerschürze an. Der Vater hat die harte Arbeit des Lebensmittelgeschäfts in einem grossen Schnellimbiss in Istanbul gelernt, später hat er mit der Ehefrau ein Kleidergeschäft in Balsthal geführt. Und heute? Jetzt ist er in Solothurn mit der Eröffnung einer zweiten Filiale beschäftigt, Yenikasap will zu den Kunden, die heute von weit her kommen, weitere Filialen in Zürich und Bern sollen folgen. «Und meine Mutter ist unser internes Cumulus-System», witzelt Kaan Tasdemir: Sie sitzt seit je an der Kasse – sie kennt alle, alle kennen sie. «Wir sind dort pingelig genau, wo es nötig ist, wie bei der Lebensmittelqualität. Aber wann immer möglich, nehmen wir es gemütlich, möchten den Kunden eine angenehme Atmosphäre bieten und nehmen uns Zeit für die Beratung: Wir sind die Schweizer unter den Türken», schliesst der Sohn.

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