Es war ein Drama. Vor vier Jahren mussten die Hirschthaler über den Beitritt ihrer Dorffeuerwehr zur Regiowehr Suhrental befinden. An diesem Abend schmiss der damalige Feuerwehrkommandant den Bettel hin. Die Feuerwehrleute fühlten sich vom Gemeinderat hintergangen. Die Bevölkerung wies die Fusion zurück.

Nun steht dieser ungeliebte Zusammenschluss wieder auf der Traktandenliste. Diesmal soll alles besser werden, davon ist Gemeindeammann Peter Stadler überzeugt. Im Feuerwehrkorps aber schlagen noch lange nicht alle Herzen für die Fusion.

«Dorf braucht eigene Feuerwehr»

Letzte Woche war Hauptübung. Es gab Rauch, der Dampf war, und abenteuerlustige Kinder, die gerettet werden mussten. Die Schaulustigen beklatschten ihre Feuerwehr und Kommandant Sandro Stamm war zufrieden. Im Anschluss gabs Suppe mit Spatz im Feuerwehrmagazin. Gekocht hat Ernst Trösch – ein Urgestein der Hirschthaler Feuerwehr. 25 Kilo Rindfleisch, 70 Liter Wasser hat Trösch gebraucht, er hat das schon oft gemacht für die Feuerwehr. Ohne Umschweife sagt Trösch: Solange die Hirschthaler Feuerwehr bestehe, tue er es auch. «Wenn es hier aufhört, höre ich auch auf.»

Draussen regnets, drinnen drängen sich Feuerwehrleute, Angehörige und Freunde auf die Festbänke. Als ein Kind keinen freien Platz mehr findet, sagt ein Mädchen der Jugendfeuerwehr: «Komm, sitz hier, wir rutschen zusammen. Hier in der Feuerwehr sind wir wie eine grosse Familie.»

Es ist einer der Hauptgründe, weshalb auch Roland Hauri sagt, dass er gegen die Fusion ist. «Dem Dorf fehlt ohne Feuerwehr der Zusammenhalt.» Und auch der 18-jährige Jannic Dubach ist dagegen, weil jede Gemeinde eine eigenständige Feuerwehr brauche. Das fördere den Zusammenhalt, eine Fusion hingegen durchmische alles. Dass die Fusion der Gemeinde finanzielle Vorteile bringt, lässt Dubach nicht gelten. «Der Gemeinderat schaut doch bloss für sich.» Falls die Fusion zustande kommt, will Dubach nicht zur Regiowehr wechseln. «Sicher nicht!»

Einer Gruppe älterer Hirschthaler ist das finanzielle Argument, das für die Fusion spricht, einleuchtend. Trotzdem: «Wenn die ganze Feuerwehr in Schöftland stationiert ist und es hier brennt: Was dann?»

Fusionieren die Hirschthaler nicht, kürzt ihnen die Aargauische Gebäudeversicherung weiterhin die Beiträge. Grund dafür ist die vorhandene Rationalisierungsmöglichkeit auf die verzichtet wird – die Fusion mit der Regiowehr Suhrental. Der Feuerwehr wird darum nur 10 statt 40 Prozent an Betriebskosten und Neuanschaffungen bezahlt. Für Gemeindeammann Peter Stadler ist klar: Mit einer Ablehnung kommen hohe Kosten auf Hirschthal zu. «Finanziell wäre es ein grosser Schaden.» Darum hat der Gemeindeammann viel Zeit investiert, um das Vertrauen zur Feuerwehr aufzubauen. Sein Bestreben scheint gefruchtet zu haben.

Für Vereinsmenschen

Die Uniformen sind ausgezogen, das Bier steht auf dem Tisch. Auch in Zivilkleidern sind viele für die Fusion. Nicht mit dem Herzen zwar – aber das spielt keine Rolle.

Man müsse mit der Zeit gehen. Die Fusion sei darum eine gute Sache, sagt beispielsweise Othmar Lang, der 25 Jahre bei der Feuerwehr war. Und auch die 25-jährige Yvonne Scherer meint: «Es muss kommen. Es ist nicht schlecht.» Sie sagt auch: «Ich bin ein Vereinsmensch.» Und die Feuerwehr sei für Vereinsmenschen. Wenige wollen aber in die Regiowehr wechseln. Diese sei zu unpersönlich, sagen die einen, andere wollen altershalber nichts Neues mehr anfangen. Keine Brände löschen mit der Regiowehr will auch Marco Aebi. «Das ist doch nicht mehr das Gleiche». Er sei in Hirschthal aufgewachsen, wohne heute in Suhr. Seit der drohenden Fusion hätten viele seiner Kollegen schon aufgehört. Auch für ihn ist bald fertig: «Mit der Feuerwehr ist es wie mit einem Schätzeli. Irgendwann musst du einfach loslassen.»