Staffelbach/Altdorf
Vom Sohn eines Kleinbauern zum Wirtschaftspionier

Die Dätwyler Holding AG schaut auf 100 Jahre zurück. Den Grundstein legte ein Staffelbacher.

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Die Dätwyler Holding AG in Altdorf. zvg

Die Dätwyler Holding AG in Altdorf. zvg

Hinter dem Namen Dätwyler Altdorf steht heute ein internationaler Konzern mit 7500 Mitarbeitenden. Die börsenkotierte Holding besetzt weltweit führende Marktpositionen in der Pharma-, Automobil- und Bauindustrie sowie im Handel mit elektronischen Komponenten. Den Grundstein dazu legte vor 100 Jahren der Wittwiler (Gemeinde Staffelbach) Adolf Dätwyler.

Sein Vater, Gottfried Dätwyler, war Kleinbauer mit vier Kühen, zwei Rindern und etwas Kleinvieh. Um die fünf Kinder durchzubringen, arbeitete er ausserdem auf seinem gelernten Beruf als Schneider. Um die Jahrhundertwende zog die Familie nach Niederuster und pachtete dort ein etwas grösseres Heimwesen. Vater Gottfried Dätwyler, der mit seiner Familie einen einfachen, streng protestantischen Lebensstil pflegte, hatte sich unter anderem zum Umzug entschlossen, um seinen Kindern bessere Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten. Adolf Dätwyler durfte eine kaufmännische Lehre absolvieren. Verschiedene berufliche Stationen im In- und im Ausland brachten ihn Schritt für Schritt weiter, bis er am 1. Januar 1915 nach Altdorf kam.

Nach dem Zusammenbruch der Ersparniskasse Uri 1914/15 glaubte niemand an eine Zukunft der damaligen Schweizerischen Draht- und Gummiwerke AG in Altdorf. Doch dann meldete sich Adolf Dätwyler mutig als Betriebsleiter auf den 1. Januar 1915. Am 6. Juni 1917 kauft er dem Kanton Uri die Firma zum Preis von 2,25 Millionen Franken ab. Weil er nicht im entferntesten so viel Geld hatte, suchte er Kontakt zu namhaften Schweizer Industriellen, die bereit waren, sich anonym an der Übernahme der Draht- und Gummiwerke zu beteiligen.

Das Unternehmen machte sich bald einen Namen als Hersteller von Kabeln und Gummiteilen aller Art. In den 1930er-Jahren trotzte Adolf Dätwyler der allgemeinen Krisenstimmung: 1935 schloss er einen Lizenzvertrag mit der amerikanischen Firestone Tire & Rubber Company ab und stellte gegen den erbitterten Widerstand der einheimischen Konkurrenz in Pratteln eine Reifenfabrik auf. Das für Adolf Dätwyler typische antizyklische Denken hatte sich gelohnt. Im kleineren Rahmen wiederholte sich diese Strategie später bei weiteren Übernahmen. (KBZ/rap)

Jubiläumsbuch: Karl Lüönd/Christoph Zurfluh: Die Kraft der unscheinbaren Dinge. 100 Jahre Dätwyler. Verlag NZZ Libro.

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