Menziken
Vincenzo träumt von einem vollen Biergarten – steht ihm das Asylzentrum im Weg?

Die Kundschaft in der Gartenbeiz bleibt aus – der Betreiber behauptet, es liegt an dem örtlichen Asylzentrum, welches in einem Hotel liegt.

Rahel Plüss
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Rahel Plüss

Er war über Jahre gut besucht, der Biergarten des Menziker «Sternen». Man hat ihn gekannt, geschätzt, eine schöne Stammkundschaft hat hier an lauen Sommerabenden ihren Feierabendschoppen genommen. Als Besitzer Hans Marti Ende Mai 2015 mit Wirten aufhörte und den «Sternen» zur Asylunterkunft machte, war auch Schluss mit Biergarten.

Zwar startete Monika Kappeler, die im Keller des «Sternen» seit neun Jahren «Moni’s Bar» führt, im vergangenen Jahr den Versuch, den Biergarten nebenher zu betreiben. Aber das Unterfangen rechnete sich nicht. «Ich hätte immer zwei Personen beschäftigen müssen, das geht nicht», sagt sie auf Anfrage. Der Biergarten schloss wieder.

«Schade eigentlich», sagte sich ein 21-jähriger Italiener, der in Rickenbach zu Hause ist und auf seinen Fahrten durchs Tal immer mal wieder am verlassenen Biergarten vorüberfuhr. Wieso als gelernter Koch nicht den Biergarten wiederbeleben und seinen Traum von einer eigenen Imbiss-Bude verwirklichen?

Gesagt, getan. Im Juni dieses Jahres eröffnete Vincenzo Iapicca seinen Biergarten «Da Vinci» voller Elan. Der Zaun erhielt einen neuen, weiss-blauen Anstrich, das Gartenhäusschen wurde frisch gedeckt, herausgeputzt und zweckmässig als Küche eingerichtet, die Zelte erneuert und auf Vordermann gebracht. Alles paletti. Der Pizzaofen glüht. Es stehen Pizzen, Piadine und Panini im Angebot – alles vom Jungkoch frisch zubereitet. Viele der Zutaten sind original italienisch, seine Familie vertreibt von Rickenbach aus italienische Spezialitäten: Olivenöl, Wein, selbst gemachte Wurst und vieles mehr.

«Sternen»-Jungs machen sauber

Der Platz unter den Kastanien ist lauschig – aber leer. Das Wetter an diesem Spätsommermittag stimmt. Trotzdem fehlen die Gäste. Deshalb hat der Biergarten ab sofort nur noch abends geöffnet. «Schwierig», sagt der junge Wirt und fährt sich mit der Hand durchs Haar. Es ist nicht nur die Suche nach den deutschen Worten, die ihn stocken lässt. «Gli clienti», beginnt er, «Sie wissen schon, die Gäste, sie haben Mühe mit dem ‹Sternen›». Er weist mit dem Kopf in Richtung Asylunterkunft. Dabei gebe es überhaupt keine Probleme, fährt der junge Italiener fort, der selber auch erst seit dreieinhalb Jahren in der Schweiz lebt. «Es ist im Kopf.» Konfrontationen habe es noch nie gegeben. Im Gegenteil: Es sind die «Sternen»-Jungs, die helfen, den Platz rund um den Biergarten sauber zu halten, die Laub rechen und den Güsel auflesen.

Auch Monika Kappeler beklagt einen Gäste-Rückgang in ihrer Bar: «Seit der ‹Sternen› eine Asylunterkunft ist, sind meine Umsätze massiv eingebrochen», sagt sie und macht keinen Hehl daraus, dass sie sich ernsthaft Gedanken darüber machen müsse, «wie es in Zukunft weitergehen soll.» Sie ist ihren Stammgästen dankbar, die geblieben sind. «Wir sind auf die Leute in der Region angewiesen», sagt sie. Aber viele von ihnen hätten einfach ein Problem mit dem «Sternen». Das bekomme sie zu spüren.