Kölliken

Villa Breitenegg: Abbruch oder unter Denkmalschutz stellen?

Die Villa Beitenegg, die derzeit als Asylunterkunft dient, soll abgerissen werden. Alterssiedlungen sollen an deren Stelle gebaut werden. Der geplante Abriss ruft jedoch Kölliker auf den Plan, die sich für den Schutz der Villa einsetzen.

«Der Esstisch wurde zurückgeschoben, der grosse Teppich eingerollt und los gings.» So beschreibt der letzte Bewohner der Villa Breitenegg, Hans Georg Matter, die legendären Tanzabende in der Kölliker Villa in seinen Familienaufzeichnungen.

Mehrere Generationen der Industriellenfamilie Matter bewohnten vor ihm die Villa. Hans Georg Matter ist 2007 im Alter vom 91 Jahren gestorben. Nach seinem Tod verkaufte die Erbgemeinschaft Matter die 13-Zimmer-Villa und den weitläufigen Park für 1,5 Millionen Franken an die Ortsbürgergemeinde Kölliken.

Den Schlüssel der Villa übergab der Neffe von Hans Georg Matter, Martin Matter, 2008 an die Ortsbürger gemeinde. Auch er erinnerte sich an die «glanzvollen Tanzanlässe», die darin stattfanden. Er wünschte sich damals, dass die Zukunft der Villa mit Liebe und Würde gestaltet wird.

Villa nicht abreissen

Am 25. November stimmen nun die Kölliker Ortsbürger über einen Kredit von 100000 Franken ab. Damit soll die Villa Breitenegg abgerissen werden. An ihrer Stelle sind Alterswohnungen geplant. Kostenpunkt: 8,5 Millionen Franken. Die Finanzierung ist noch unklar. Momentan ist die Villa an den kantonalen Sozialdienst vermietet. Sie dient als Asylbewerber-Unterkunft.

Gegen den Abriss der Villa wehren sich die Kölliker Sandra und Daniel Leutwyler. Denn Kölliken sei nicht nur das Dorf der Strohdachhäuser, es habe noch viel mehr Bedeutsames zu bieten. «Der Gemeinderat will mit dem Abriss ein zu gross geratenes Projekt durchboxen», sagen sie. Das Ehepaar fragt sich, ob nicht ein für das Ortsbild wichtiges Gebäude verschwinden würde.

Nein zu einem Komplex

Sandra Leutwyler war oft beim letzten Breitengg-Bewohner Hans Georg Matter zu Gast. Sie glaubt, dass Matter, der ein Mann mit sozialer Gesinnung war, zwar den Alterswohnungen zugestimmt hätte, allerdings nicht auf Kosten seiner Villa. «In der Breitenegg soll etwas entstehen, was gemütlich ist. Ein Erholungsraum, der den Köllikern zugutekommt», findet sie.

Die Leutwylers fürchten nun, dass auf dem Grundstück ein Komplex entstehe, der dem sonstigen architektonischen Einheitsbrei gleiche. Sie würden es begrüssen, wenn die Villa in das geplante Projekte miteinbezogen würde. An was sich Daniel und Sandra Leutwyler aber am meisten stossen: «Die rechtliche Situation zum Schutz der Villa ist unklar. Warum also ein Abriss auf Vorrat?»

Denkmalschutz prüft Schutz

Der Aargauer Heimatschutz hat im September bei der kantonalen Denkmalpflege den Schutz der Villa Breitenegg beantragt. Dies nachdem an der Gemeindeversammlung 2010 entschieden wurde, dass die Villa nicht länger schützenswert ist.

Henri Leuzinger, Geschäftsführer des Aargauer Heimatschutz, will die Villa Breitenegg für die Nachwelt unbedingt erhalten. Seine vorgängigen Intervention bei der Gemeinde blieben nutzlos: «Wir haben versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden, was uns leider nicht gelungen ist», so Leuzinger. Darum hat der Heimatschutz-Geschäftsführer die Denkmalpflege informiert.

Denn die Villa Breitenegg sei durch den momentan fehlenden Schutz in eine prekäre baurechtliche Situation geraten. Leuzinger fordert deshalb, dass die Villa unter kantonalen Denkmalschutz gestellt wird. «Dass Kölliken mit einem Kredit die Villa vorsorglich abreissen will, sieht danach aus, dass die Gemeinde ihr Projekt durchzuziehen will», sagt Leuzinger.

Villa gehört zum Dorf

Der kantonale Denkmalpfleger Reto Nussbaumer bestätigt, dass die Kommission für Denkmalpflege und Archäologie im Dezember über den Schutz der Villa beratschlagen wird. Dieser Entscheid wird demnach erst nach dem Abrissentscheid der Ortsbürgergemeinde fallen. Laut Nussbaumer hätten die Gegner also vorerst nichts zu befürchten: «Keine Gemeinde wird während eines laufenden Verfahrens ein Gebäude abreissen», sagt er.

So sicher ist das nicht. Gemeindeammann Roland Brauen sagt: «Wir haben die Aufgabe, die Beschlüsse der Ortsbürgergemeinde umzusetzen». Wenn also die Ortsbürger dem Abbruchkredit zustimmen, wird der Gemeinderat das Baugesuch auflegen.: «Dagegen könnten Einsprache erhoben werden», erklärt er.

Die Villa der Industriellenfamilie Matter ist eng mit der Dorfgeschichte verknüpft. Bereits im 18. Jahrhunderte begannen Matters mit der Textilproduktion in Kölliken. Damit gehörten sie fast 150 Jahre lang zu den wirtschaftlich prägendsten Elementen der Gemeinde.

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