Unterkulm
Viele beziehen nur kurze Zeit Sozialhilfe

Gemeinde hat überdurchschnittlich viele Sozialhilfebezüger. Rund ein Drittel kommt aus Eritrea

Rahel Plüss
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In Unterkulm sind überdurchschnittlich viele Menschen auf Sozialhilfe angewiesen. Das geht aus der aktuellen Statistik des Kantons Aargau hervor. Der Bericht hält zudem fest, dass die Zahl der Fälle von 55 im Jahr 2012 auf 67 im 2013 anstieg. Die Zunahme setzte sich auch im vergangenen Jahr fort: Im 2014 seien «plusminus» 95 Fälle zu bearbeiten gewesen, bestätigt der Unterkulmer Sozialdienstleiter auf Anfrage. Diese Zahlen sind statistisch jedoch noch nicht erfasst.

Die Sozialhilfequote, die den Anteil Sozialhilfebezüger im Verhältnis zur Wohnbevölkerung beschreibt, lag in Unterkulm 2013 bei 3,9 und war damit fast doppelt so hoch wie der kantonale Durchschnitt mit einem Wert von 2,0. Die höchste Sozialhilfequote im Kanton hat Aarburg mit 5,8.

In Unterkulm begründet sich die hohe Sozialhilfequote – wie in anderen Gemeinden des ländlichen Raums – in einem verhältnismässig grossen Angebot an erschwinglichem Wohnraum. Auch die anderen Wynentaler Gemeinden kennen das Problem. Reinach hat mit 4,2 die höchste Quote im Tal, die in Teufenthal liegt bei 3,3, Menziken hat eine Quote von 2,7, Oberkulm von 2,6 und Gontenschwil 2,2.

In Unterkulm macht es nicht das Angebot an bezahlbaren Wohnungen allein aus, die hohe Zahl an Sozialhilfebezügern steht auch ganz direkt im Zusammenhang mit dem Angebot an längerfristig vermieteten Zimmern an zwei bestimmten Adressen. Hier kommen Personen kurzfristig unter, bevor sie vielleicht andernorts eine definitive Bleibe finden. Es komme relativ häufig vor, dass jemand nur während zwei, drei Monaten Sozialhilfe beziehe, sagt der Unterkulmer Sozialdienstleiter. Gemäss Statistik lag die Bezugsdauer im Jahr 2013 bei rund zwei Dritteln aller Fälle unter einem Jahr. Nur zehn Prozent der Sozialhilfebezüger beanspruchten die Leistungen über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren.

Gemäss Auskunft der Gemeindeverwaltung sind rund ein Drittel der Sozialhilfefälle eritreische Flüchtlinge, denen eine vorläufige Aufnahme gewährt wurde. Damit ist Unterkulm nicht allein. Allerdings hat der Kanton den Anteil eritreischer Sozialhilfebezüger in den Gemeinden nicht miteinander verglichen. Man ist sich aber bewusst, dass gerade Gemeinden mit vielen Migrantinnen und Migranten aus Eritrea, unabhängig davon, ob sie Sozialhilfe beziehen oder nicht, Unterstützung benötigen. Es ist ein Workshop mit dem Titel «Integration für Menschen aus Eritrea» geplant. Der Zeitpunkt ist noch nicht bekannt, wie es beim Departement für Gesundheit und Soziales auf Anfrage heisst. Eingeladen sind neben Unterkulm auch Reinach, Aarburg, Oftringen, Aarau, Suhr, Buchs, Oberentfelden und Wohlen.

Die anderen zwei Drittel der Sozialhilfefälle in Unterkulm betreffen je etwa zur Hälfte Schweizer und Ausländer anderer Herkunftsländer. Etwa 60 Prozent der Unterstützungsfälle werden gemäss Statistik durch Beendigung der Zuständigkeit eingestellt, was meist aufgrund des Wohnsitzwechsels passiert. Bei etwas mehr als 20 Prozent erfolgt die Existenzsicherung durch andere Sozialleistungen wie die Invaliden- oder Arbeitslosenversicherung, die Hilflosenentschädigung oder AHV. Nur etwa bei 15 Prozent erfolgt die Einstellung der Sozialhilfe durch Verbesserung der persönlichen Erwerbsituation.