Reinach
Videoüberwachung an der Bärenkreuzung: Geheimnis um die speziellen Kameras gelüftet

Ist die neue Kreuzung «e Chabis»? Um diese Frage zu beantworten greift der Kanton zu einer aussergewöhnlichen Massnahme. Mit zwei Kameras soll herausgefunden werden, ob die geplante Verkehrsführung um den Reinacher Lindenplatz funktioniert wie gedacht.

Rahel Plüss
Merken
Drucken
Teilen
Die Kamera (rechts im Bild) überwacht die neue Verkehrssituation.

Die Kamera (rechts im Bild) überwacht die neue Verkehrssituation.

Rahel Plüss

Big Brother in Reinach? Seit einigen Tagen ist die Bärenkreuzung im Dorfzentrum videoüberwacht. Zwei Kameras – eine aus Richtung Valiant-Bank, die andere vom Gemeindehaus her – sind auf die Einfahrt Pfeffikerstrasse gerichtet. Sollen damit Verkehrssünder erfasst werden, die das neue Linksabbiege-Verbot bei der Einmündung in die Hauptrasse missachten? «Bestimmt nicht», sagt Dieter Holliger, Chef der Regionalpolizei aargauSüd auf Anfrage – betont aber, dass nicht die Polizei die Kameras installiert habe. Wer dann?

Das Geheimnis ist schnell gelüftet: Initiant ist der Kanton als Bauherr des grossen Strassensanierungsprojekts im Reinacher Dorfzentrum, das seit über einem Jahr im Gang ist und demnächst zum Abschluss kommt. «Mit den beiden Kameras will man herausfinden, ob es bei der Einfahrt Pfeffikerstrasse für Velo- und Töfflifahrer zu gefährlichen Situationen kommt», sagt Michael Reinhard von der Abteilung Tiefbau. Er leitet das gesamte Strassensanierungsprojekt rund um den Reinacher Lindenplatz mit neuem Kreisel und veränderter Verkehrsführung.

Neu darf man von Pfeffikon (LU) kommend an der Hauptstrasse beim «Bären» nicht mehr links abbiegen. Wer Richtung Aarau will, muss den Umweg über den Kreisel nehmen. Für Velos und Mofas gilt das Linksabbiege-Verbot nicht. Für sie wurde bei der Einmündung eine überfahrbare Mini-Insel geschaffen und eine Einspurstrecke markiert – zum Ärgernis der Gemeinde.

Die Behörde, allen voran Gemeindeammann Martin Heiz, ist von der neuen Verkehrsführung gar nicht überzeugt. «E Chabis» sei das, sagt er auf Anfrage. Kritische Situationen seien bei den engen Platzverhältnissen vorprogrammiert. Aus seiner Sicht müssten auch die Velos rund um den Kreisel fahren. Die meisten würden von Pfeffikon kommend Richtung Aarau ohnehin nicht bis zur Hauptstrasse vorfahren, sondern schon vor dem «Bären» in die Breitestrasse abbiegen, ist Martin Heiz überzeugt.

Ob der Reinacher Gemeindeammann recht behält, wird sich zeigen, wenn die Bilder der Kameras Ende Woche ausgewertet werden. Das vom Kanton angeordnete Verkehrsmonitoring läuft noch bis zum 26. Januar. «Danach wollen wir entscheiden, ob unsere angedachte Verkehrsführung so funktioniert oder ob wir das Zugeständnis für die Velos und Mofas wieder aufheben», sagt Projektleiter Michael Reinhard.