Reinach

Verwandelt sich die geplante Moschee am Schluss in eine christliche Institution?

Die albanisch-islamische Gemeinschaft plant den grössten Moscheen-Neubau im Aargau. Das Baugesuch soll morgen eingereicht werden (AZ von gestern).Bild: zvg

Die albanisch-islamische Gemeinschaft plant den grössten Moscheen-Neubau im Aargau. Das Baugesuch soll morgen eingereicht werden (AZ von gestern).Bild: zvg

Die geplante Moschee in Reinach hat eine intensive Diskussion ausgelöst. Bei vielen Christen besteht eine Abneigung gegenüber des Islams — ist diese Feindesliebe die Achillesferse des Christentums?

Die in Reinach geplante, 5 Millionen Franken teure Moschee hat eine intensive Diskussion ausgelöst. Die AZ druckt nachfolgend einen Text von EVP-Grossrat und Nationalratskandidat Uriel Seibert (28):

«‹Das Christentum hat einen Systemfehler: Die Feindesliebe.› So schrieb es der Online-Leser Johann S. unter das Interview mit Bruno Rudolf über den geplanten Neubau einer Moschee in Reinach. Ist die Feindesliebe tatsächlich die Achillesferse des Christentums? Täten die Christen nicht besser daran, ihre bedrohte Religionsfreiheit massiver zu verteidigen?

Koexistenz Islam-Christentum verläuft nicht immer friedlich

Dass bei diversen Christen eine gewisse Abneigung gegenüber dem Islam besteht, ist verständlich. So kann aus historischer Betrachtung angesichts der unzähligen Konflikte zwischen Vertretern der beiden Religionen seit Beginn der Kreuzzüge nicht nur von einer freundschaftlichen Koexistenz gesprochen werden. Ebenfalls rangieren auch noch heute auf dem Christenverfolgungsindex von Open Doors diverse islamisch geprägte Länder auf den vordersten Rängen.

Doch berechtigt die Angst vor einer Einschränkung der eigenen Religionsfreiheit zur Einschränkung der Religionsfreiheit anderer? Ich verneine diese Frage doppelt. Als rechtsstaatlicher Sicht wäre es fatal Menschenrechtsverletzungen durch eigene Menschenrechtsverletzungen zu bekämpfen – denn das Resultat wäre in der Summe noch mehr Menschenrechtsverletzungen.

Aber auch als christlicher Sicht ist die Frage zu verneinen. ‹Wie du mir, so ich dir›, entspricht in den Augen einiger dem alttestamentlichen Prinzip ‹Auge für Auge, Zahn für Zahn›. Einer solchen Auslegung hingegen widerspricht Christus in seiner Bergpredigt vehement und postuliert das Prinzip der Nächstenliebe, das auch die Feindesliebe beinhaltet.

Einsatz für Religionsfreiheit ist unabdingbar

Wichtig ist aber, dass das Nichteinschränken der Religionsfreiheit anderer keineswegs mit einem Nichtverteidigen der Religionsfreiheit an sich (und damit auch der eigenen) einhergehen darf. Für den Staat bedeutet dies, dass er in Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften radikale Strömungen, welche Menschenrechtsverletzungen fordern oder in Kauf nehmen, bekämpft. Ein gutes Beispiel dafür ist die Verhaftung des Krienser Imams, der angeblich zu Gewalt gegen Frauen aufrief.

Wie sieht das aus Sicht der Christen aus? Hier postuliere ich folgendes: Je attraktiver das Christentum für Andersgläubige wirkt, desto schwieriger wird es für diese, eine Einschränkung der Religionsfreiheit der Christen argumentativ vertreten zu können.

Vermeintlich schwache Feindesliebe als starker Trumpf

Genau an diesem Punkt wird die vermeintliche Schwäche der Feindesliebe zum starken Trumpf. Wer selbst seine Feinde lieben kann, hat eine Fähigkeit, die moralisch und ethisch höchsten Ansprüchen gerecht wird. Die christliche Nächstenliebe wird so also zum attraktiven Punkt, den Andersgläubige am Christentum bewundern können.

Wenn sich Christen nun nicht scheuen, diese Nächstenliebe konsequent zu leben und auch Andersgläubigen erfahrbar zu machen (etwa indem sie sie besuchen oder bei der Integration mithelfen) wäre es nicht verwunderlich, wenn das geplante islamische Zentrum in Reinach sich nach und nach in ein christliches verwandeln würde.»

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