Gontenschwil
Versteckte Künste kommen in Gontenschwil ans Licht

In einer Sonderausstellung zeigt das Dorfmuseum Gontenschwil einheimisches Schaffen. Acht Gontenschwilerinnen und Gontenschwiler zeigen ab sofort Kunstwerke, welche sie in ihrer Freizeit anfertigen.

Sibylle Haltiner
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Unter den flinken Händen von Käthi Hunziker entsteht an der Vernissage ein geklöppeltes Deckchen. sih

Unter den flinken Händen von Käthi Hunziker entsteht an der Vernissage ein geklöppeltes Deckchen. sih

«Es ist schön, wenn Menschen, von denen wir glauben, wir kennen sie, noch mehr von sich preisgeben.» Mit diesen Worten eröffnete Gemeindeammann Renate Gautschy die Sonderausstellung Hobby und Kunst.

Hinter einem Hobby stecke Faszination und Leidenschaft, meinte Gautschy weiter und wünschte viel Freude beim Betrachten und Staunen. «Ich danke den Künstlern, dass sie eine persönliche Türe öffnen.»

Raum für einheimische Kunst

Die Vernissage vom Samstag fand im Kirchgemeindehaus statt. Das über 500 Jahre alte Dorfmuseum hätte mit seinen kleinen, verschachtelten Räumen nicht genügend Platz geboten. Dafür sind die Hobbykünstler dort umso besser aufgehoben. Jeder hat ein Zimmer zur Verfügung, um sein Steckenpferd zu präsentierten. Die Vernissagebesucher wechselten deshalb nach dem Apéro ins Dorfmuseum, wo sie nicht nur die Kunstwerke bewundern, sondern auch mit den Künstlern ins Gespräch kommen konnten.

Bereits im Jahr 2000 hatte die Museumskommission eine Ausstellung unter dem Namen «Mein Hobby» organisiert. Einige der heutigen Aussteller waren schon damals dabei. So zum Beispiel Willi Frey. Der 86-Jährige führt seit über einem halben Jahrhundert kunstvoll die Kalligraphiefeder. Unzählige Urkunden, Karten und Stammbäume hat er mit wunderschön gestalteten Buchstaben geschrieben. Einige davon zeigt er nun im Dorfmuseum. «Ich habe Schriftsetzer gelernt», erzählte Willi Frey von den Anfängen seiner Leidenschaft. «In der Berufsschule gab es das Fach Schriftschreiben.» Später bildete er sich vor allem mit Abendkursen weiter und hat sogar mehrere Wettbewerbe gewonnen. «Man muss viel üben», verriet der Kalligraph das Geheimnis seines Erfolgs.

Staunen konnten die Museumsbesucher auch über die filigranen Kunstwerke von Käthi Hunziker. Sie beherrscht und liebt das Klöppeln. In dieser Technik stellt sie Platzdeckchen, dekorative Sterne oder sogar Schals her. Flink drehte und verschlang Käthi Hunziker die 44 Klöppel und liess vor den Augen der Zuschauer ein Deckchen wachsen, das sie zu Anschauungszwecken im Museum aufgesteckt hatte.

Malerei mit Unterschieden

Das Dachgeschoss des Museums gehört der Malerei. Erna Müller und Elisabeth Derron stellen dort ihre Bilder aus. Erna Müller malt in Öl und Acryl. Gegenständliche Bilder entstehen oft aufgrund von Fotos. Vor allem ihre bis ins Detail getreuen, grossen Naturbilder faszinieren. Eine ganz andere Technik wendet Elisabeth Derron an. Einen alten, umsponnenen Elektrodraht, Aluminiumabfälle oder leere Cola-Dosen fügt sie in ihre Kunstwerke ein. «Sie entstehen aus dem Gefühl heraus», erklärte die Künstlerin.

Unten im Keller zeigen Ueli Dysli und Josef Luthiger Modelleisenbahnen. Anhand von Fotos und Plänen hat Luthiger ein massstabgetreues Modell des Eisenbahnkreisels von Brusio hergestellt und in aufwändiger Kleinarbeit eine natürliche Landschaft mit Viadukt, Kühen und Bäumen erschaffen. Ausserdem zeigen Verena Blättler Holzfiguren und René Würgler Drechslerarbeiten.

Die Ausstellung ist bis November jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet (ausser im August).

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