Ein spannender Wahlsonntag steht den Reinachern am 23. September bevor. Zwei Kandidaten kämpfen im zweiten Wahlgang um den freiwerdenden SVP-Gemeinderatsitz: Einerseits stellt sich Thomas Flühmann (56, SVP) und andererseits Jules Giger (53, parteilos) dem Zweikampf.

Die Ausgangslage: Zum ersten Wahlgang traten drei Kandidaten an. Bei einem absoluten Mehr von 478 Stimmen verpasste der SVP-Kandidat Flühmann im Juni mit 472 Stimmen nur knapp die Wahl zum Reinacher Gemeinderat. 326 Reinacherinnen und Reinacher wählten den parteilosen Jules Giger. Neben Flühmann und Giger war auch der Grüne-Kandidat Etienne Pfranger (33) wählbar. Letzterer machte 145 Stimmen und wurde damit mit grossem Abstand Dritter. Er hat sich nicht mehr zum zweiten Wahlgang angemeldet. So kommt es nun zum Duell zwischen Thomas Flühmann und Jules Giger.

Der Herausforderer

Giger, der zwar für keine Partei antritt, war früher SP-Mitglied. Er könnte, falls all diejenigen, die im ersten Wahlgang den Grünen Etienne Pfranger unterstützt haben, der SVP den Sitz abjagen.

Jules Giger wohnt seit 26 Jahren in Reinach und war von 2004 bis 2009 in der Reinacher Schulpflege. Der verheiratete Familienvater ist Lokführer und seit 30 Jahren im Schweizerischen Eisenbahnerverein (SEV) aktiv. Der 53-Jährige ist zudem Vize-Präsident des FC Beinwil am See, wo er auch Juniorenobmann, -trainer und J+S-Coach ist. Eines seiner ersten Anliegen, die er als gewählter Gemeinderat in Angriff nehmen würde, sei die Zukunft des ehemaligen Draht-Vogt-Areals (AZ vom 6. Juni).

Der Sitz-Verteidiger

Der Verteidiger des SVP-Sitzes, Thomas Flühmann, ist in Reinach aufgewachsen und mit einer kurz dauernden Ausnahme immer im Ort wohnhaft gewesen. Er ist bereits Mitglied der Reinacher Finanzkommission. Seit 27 Jahren ist der 56-Jährige im Vorstand der Schützengesellschaft Reinach und momentaner Vizepräsident und Schiesssekretär der Schützengesellschaft Zetzwil. Der gelernte Maschinenmechaniker arbeitet als Sachbearbeiter in einem grösseren Unternehmen in der Qualitätssicherung und Qualitätsprüfung sowie Datenmanagement. Er ist zweifacher Vater und verheiratet.

Für Flühmann stehe nach einer erfolgreichen Wahl als Erstes das ihm zugeteilte Ressort im Vordergrund. Ein konkretes Anliegen würde er nach gründlichem Einlesen in Angriff nehmen.

Mobilisiert die Ausgangslage?

Der bevorstehende Wahlgang in Reinach hat das Zeug, spannend zu werden. Folgen die Reinacher dem nationalen Wahltrend, könnte der Linke-Kandidat Jules Giger im eher SVP-dominierten Reinach den rechten Sitz erobern. Es stellt sich nur die Frage, wen diese Ausgangslage mobilisiert. Ist es den Reinachern wichtig, dass der Gemeinderatssitz in SVP-Händen bleibt, oder nutzen linke Reinacher die Gunst der Stunde und gehen nun erst recht an die Urne? Am Sonntag in einer Woche wissen die Oberwynentaler definitiv, wie der neue Gemeinderat heisst. Beim zweiten Wahlgang ist das relative Mehr ausschlaggebend.

Kein Zurück mehr

Dass der Sitz in Reinach überhaupt frei wird, dafür ist Thomas Brem (50, SVP) verantwortlich. Er trat nach acht Jahren als Gemeinderat per Ende Mai aus beruflichen Gründen zurück. Als er sich an der Gmeind im Juni von der Bevölkerung verabschiedete, wurde bekannt, dass er rückblickend betrachtet gar nicht hätte demissionieren müssen. Aufgrund von strukturellen Veränderungen beim zukünftigen Arbeitgeber hat Brem die Stelle im Ausland nicht angetreten. Sein Rücktritt als Gemeinderat war jedoch bereits offiziell.