Bezirk Kulm
Verhilft Recycling-Prinzessin Karin Bertschi der SVP zu einem weiteren Sitz?

Wer schafft in den Bezirken Aarau, Lenzburg und Kulm am 23. Oktober die Wahl in den Grossen Rat? Die az macht eine erste Einschätzung. Eine speziell interessante Figur ist dabei die 26-jährige Kandidatin Karin Bertschi (Leimbach).

Urs Helbling
Merken
Drucken
Teilen
Die Jungunternehmerin möchte in die Politik: Karin Bertschi trat im Frühling der SVP bei.

Die Jungunternehmerin möchte in die Politik: Karin Bertschi trat im Frühling der SVP bei.

ZVG

Es sind jetzt viereinhalb Jahre her, seit die SVP im Bezirk Kulm eine Schmach hinnehmen musste: Ihr Grossrat Beat Leuenberger verliess die Fraktion im Frühling 2012 unter Absingung von wüsten Liedern.

Im Herbst des gleichen Jahres hallten die Misstöne noch nach: Die SVP konnte ihr viertes Mandat nicht zurückgewinnen. Das soll jetzt gelingen. Und dabei soll eine junge Frau, ihre einzige Kandidatin, eine wichtige Rolle spielen. Das beweist bereits das Wahlkampffoto. Karin Bertschi (26) steht an prominentester Stelle inmitten von acht Männern.

Als «Müll-Prinzessin» gefeiert

Die Recyclingunternehmerin aus dem oberen Wynental hat sich in kürzester Zeit zur national bekannten Figur entwickelt. Die «Schweizer Illustrierte» feierte sie als «Müll-Prinzessin»: «Bertschi, eben 26 geworden, hat langes, blondes Haar und einen kühn-kecken Blick, feinrosa der Teint und die Zähne so weiss wie das Styropor, das man bei ihr entsorgen kann.»

Karin Bertschi ist als Jungunternehmerin aber auch auf anderen Bühnen präsent: Gestern Abend hatte sie in Lenzburg einen Auftritt an der Seite von so prominenten Leuten wie dem Unternehmer Hans-Jörg Bertschi, dem Regierungsrat Urs Hofmann und dem Professor Reiner Eichenberger. An einer Podiumsdiskussion («Bremst die Politik unsere Wirtschaft?»).

Kritische Stimmen wegen SVP

Die Leimbacherin geniesst den Wahlkampf – auch wenn sie sich berufsbedingt nicht extrem engagieren kann. «Ich bekam sehr viele Rückmeldungen von Leuten, die begeistert waren von meiner Kandidatur», erklärt die Frau, die erst im Frühling der SVP beigetreten ist.

«Natürlich gab es vereinzelt kritische Stimmen, da mich viele Leute wegen meines ehrenamtlichen Engagements in Kirche, Hilfswerken und für Menschen mit einer Benachteiligung in einer anderen Partei gesehen hätten als in der SVP.»

Wird ein Bisheriger abgewählt?

Wie beurteilt die Newcomerin Karin Bertschi ihre Wahlchancen? «In neun Wochen wissen wir alle mehr!», gibt sie sich ganz vorsichtig und fügt diplomatisch an: «Gerne würde ich meinen Beitrag auch in der Politik leisten, wenn ich in den Grossrat gewählt würde.»

Falls die SVP den vierten Sitz nicht schafft, müsste Karin Bertschi einen der drei bisherigen SVP-Grossräte verdrängen: Max Härri, Birrwil (seit 2001), Franz Vogt, Leimbach (seit 2008), und Bruno Rudolf, Reinach (seit 2013).

Bei den Wahlen 2012 hatten die Wähler keinerlei Hemmungen, Bisherige abzustrafen. Gleich vier wurden nicht wieder nach Aarau geschickt. Unter ihnen Beat Leuenberger, der sich mit der SVP verkracht hatte.

Auf diese Wahlen hin gab es keinen einzigen Rücktritt – aber zwei Wechsel im letzten Dezember: bei den Grünen und bei der EVP. Die Grossrats-Frischlinge Severin Lüscher (Grüne, Schöftland) und Uriel Seibert (EVP, Schlossrued) hoffen, von einem Bisherigen-Bonus zu profitieren – auch wenn er erst wenig verdient ist.

Immer eher eine Zitterpartie sind die Wahlen für die EDU: Ihr Kandidat Rolf Haller (Zetzwil) hofft, es im Oktober ein zweites Mal in den Grossen Rat zu schaffen.

Verliert FDP den zweiten Sitz?

Und was läuft bei den beiden anderen Grossen neben der SVP? Die SP wird wohl ihren vor vier Jahren wiedergewonnenen Sitz mit dem Bisherigen Alfred Merz (Menziken) verteidigen.

Bei den Freisinnigen ist die Situation etwas weniger klar: Renate Gautschy (Gontenschwil) scheint gesetzt. Aber ob der 26-jährige Adrian Meier (Reinach) den vor vier Jahren gewonnenen zweiten Sitz der Partei verteidigen kann? Für Spannung am 23. Oktober ist gesorgt.