Velowerkstatt zügelt ins Schulhaus

Die Radsport-Firma von Bruno Hochuli war bisher in der alten Bally-Fabrik in Reitnau. Jetzt wechselt sie nach Attelwil.

Lilly-Anne Brugger
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Freuen sich auf das leerstehende Schulhaus: Bruno und Manuela Hochuli mit Tochter Elin.

Freuen sich auf das leerstehende Schulhaus: Bruno und Manuela Hochuli mit Tochter Elin.

Bild: LAB

Vor 35 Jahren drückte Bruno Hochuli im Schulhaus Attelwil bei den Lehrern Richner und Sägesser die Schulbank. Am 1. Dezember kehrt er dorthin zurück. Nicht als Schüler und auch nicht als Lehrer: Er mietet die Liegenschaft von der Gemeinde Reitnau und nutzt sie um in eine Velo-Werkstatt und eine grosszügige Radsport-Ausstellung.

«Wir freuen uns riesig», sagt Bruno Hochuli, Inhaber der Reitnauer Firma Radsport Hochuli. «Es ist ein einmaliges Angebot, in ein solches Kultobjekt zu ziehen.» Schade sei einfach, dass mit dem Umzug seines Geschäfts das Gebäude wohl nie mehr als Schule genutzt werde, fügt Hochuli an.

Die Wandtafeln werden nicht entfernt

Mit dem Umzug löst Bruno Hochuli das Platzproblem, das er am alten Standort, der «alten Schueni» hat. Früher wurden dort Bally-Schuhe, später Fretz-Men-Schuhe produziert und zum Versand bereitgestellt. Das Radsportgeschäft zieht quasi vom Schuhhaus ins Schulhaus. «Ja, wir haben tatsächlich etwas mit den historischen Räumlichkeiten», sagt Bruno Hochuli und lacht. Er will darum dem Attelwiler Schulhaus seinen Charme nicht nehmen. Im oberen Stock – dort sind die Ausstellungsräume geplant – sollen die Wandtafeln erhalten bleiben. Und vielleicht geselle sich auch noch eine alte Schulbank als Eyecatcher in die Ausstellung, erzählt Bruno Hochuli.

Das Attelwiler Schulhaus ist 1973 erbaut worden und war bis 2006/2007 in Betrieb. Danach stand es kurze Zeit leer und wurde anschliessend von der Tagesschule Wannenhof als Oberstufenstandort genutzt. Doch seit Ende Dezember 2017 steht das Gebäude wieder leer. Seither wurde viel diskutiert, wie es mit dem Schulhaus weitergehen könnte. Verschiedene Projekte standen im Raum. Doch mit diesen wäre der Verkauf der Liegenschaft verbunden gewesen.

Die Attelwiler haben jedoch noch vor der Fusion mit Reitnau entschieden, dass das Schulhaus, das Attelwiler Filet-Stück, nicht verkauft werden soll. Und so vermietet die Gemeinde Reitnau nun das Gebäude an Radsport Hochuli. Er sei von verschiedener Seite darauf aufmerksam gemacht worden, dass das ehemalige Schulhaus doch etwas für ihn wäre, erzählt Bruno Hochuli. Er dachte aber immer, dass das Schulhaus für ihn eine Nummer zu gross sei. Bis diesen Sommer. Da ist die Gemeinde Reitnau auf ihn zugekommen und hat ihm das Gebäude angeboten.

Nach dem Entscheid zur Umnutzung ging’s schnell

«Es war nicht einfach, einen Mieter fürs Schulhaus zu finden», sagt Reitnaus Frau Gemeindeammann Katrin Burgherr. Zuerst habe der Gemeinderat verschiedene Schulen angefragt, ob sie Interesse hätten. Obwohl von verschiedener Seite Interesse gezeigt worden sei, habe sich nichts Konkretes ergeben. Dann habe der Gemeinderat den Entscheid gefällt, das Schulhaus in ein Gewerbehaus umzunutzen. «Ab dann ging es dann schnell», sagt Katrin Burgherr.

Ab Dezember wird nun Bruno Hochuli das Schulhaus mieten, im Januar soll das neue Geschäft eröffnet werden. Dann wird er zusammen mit seiner Frau Manuela und seinem Mitarbeiter die Kunden im ehemaligen Schulhaus bedienen. Und wer weiss, vielleicht lässt er dann bei einem erfolgreichen Geschäftsabschluss die Schulglocken läuten.