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Unterwegs: Ein Surentaler bereist das Suhrental

Die Täler sind mit öffentlichem Verkehr gut erschlossen –doch der kleine Grenzverkehr hat seine Tücken, wie eine Testfahrt von Triengen nach Unterkulm beweist.

Peter Weingartner
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Von Schöftland fährt das Postauto weiter südwärts aus dem Suhrental ins Surental bis nach Sursee.

Von Schöftland fährt das Postauto weiter südwärts aus dem Suhrental ins Surental bis nach Sursee.

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Vom Surental ins Wynental zu gelangen, ist eine Herausforderung. Nein, mit dem Auto oder per Velo ist das kein Problem. Höchstens eines der Kondition, wählt man das Zweirad. Da gibts der Wege genug. Wer aber den öV benutzt, sagen wir von Triengen nach Unterkulm, hat so seine Schwierigkeiten. Herausgefordert ist zuerst der Bus-Chauffeur.

«Triengen–Unterkulm retour, ein Halbes», sage ich und zeige mein Halbtax samt Hunderternote. Nicht vorhanden, meint das System. Der Chauffeur, er scheint neu zu sein auf der Strecke Sursee–Schöftland, sagts laut. «Jää, das ist halt, weil wir hier im Luzernischen sind», schliesst er messerscharf.

Ich will nur mein Billett, und vor genau einer Woche konnte ich anstandslos ein Billett Triengen–Aarau retour lösen, für 12 Franken. Sage ich. Schon damals lag Triengen im Luzernischen. Das denke ich bloss.

«Sitzen Sie einmal ab», sagt der Chauffeur und fährt weiter. Vielleicht lasse sich ein Billett ab Reitnau lösen. Der Schnellbus lässt Reitnau und Staffelbach links liegen. Wir fahren, mit Zwischenhalt in Moosleerau/Kirchleerau Post, direkt durch bis Schöftland.

«Und jetzt?», will ich dort wissen, die WSB wartet, und Schwarzfahren ist nicht mein Hobby. Der Chauffeur hantiert an seinem Billettkasten herum. «Ab Moosleerau gehts, 6 Franken 60», sagt der Chauffeur. Aber ich muss ein Retourticket haben. Schon in Triengen hätte ich ein Retourbillett haben müssen. Und Halbtax.

Chauffeur sucht und findet nicht

Der arme Chauffeur beisst auf die Lippen, tippt wieder ein. Ob ich diese Strecke häufiger benutze, fragt er, da gäbe es nämlich diese Karten... Nein, sage ich, Ausnahme, erstmalig, weil meine Frau heute das Auto brauche. Der Führer der WSB wirft einen Blick in den Bus; der Zeiger der Bahnhofuhr nähert sich bedrohlich der Abfahrtszeit.

Nun erhalte ich mein Billett, eine A-Welle-Tageskarte für 8 Franken 80. Gültig bis morgen um fünf. Eigentlich hätte ich die Hunderternote wechseln wollen, aber jetzt werde ich mein Münz in der Hosentasche los. Man will ja nichts provozieren. Zumal der Sekundenzeiger...

Bei der Rückfahrt, fünf Stunden später, treffe ich in Schöftland wieder auf den gleichen Chauffeur. Ich zeige meine A-Welle-Tageskarte. Er erinnert sich. 2 Franken 20 muss ich nachzahlen für den fehlenden Streckenabschnitt bis nach Triengen. Ich rechne. Und merke, ich habe gespart im Vergleich zu meiner Reise nach Aarau, eine Woche früher. Denn die WSB fährt über Aarau nach Unterkulm; die Reise müsste also mehr kosten.

Das Fazit: Das Reisen mit dem öV hat Tücken, bietet im Su(h)rental aber auch Chancen, groteske, ja valentineske Situationen zu erleben. Wie jene: Wer abends von Schöftland Richtung Sursee fährt, wartet in Reitnau zehn Minuten. Einfach so. Das Buspersonal kommt in Erklärungsnotstand.

«Mein» Chauffeur meint, warum das so sei, wisse wohl niemand so genau. Wenn der Bus in Schöftland nicht gleich nach Ankunft der WSB abführe, würden vielleicht die Passagiere dort nervös, vermutet er. Irgendwo müsse man halt warten; der Bus sollte nicht zu früh in Sursee sein. Also wartet man in Reitnau. Das tut am wenigsten weh: Ich bin der einzige Passagier.

Ehedem war der Halt in Winikon. Aber da hat der Anwohner reklamiert. Zehn Minuten einfach stehen bleiben, Motor aus und warten. Das ist Beckett pur. Oben rechts am Bildschirm Meldungen aus der Luzerner Zeitung. Ich kann mich ja drehen. Die Chance, sich Gedanken zu machen. Eigentlich geschenkte zehn Minuten: Ich kann diesen Text zu Ende bringen.

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