Nachwuchsprobleme haben sie keine, die Männer der Seniorenvereinigung Schöftland und Umgebung. Dafür sterben bei ihnen aber auch mehr Mitglieder als anderswo. 15 waren es letztes Jahr. Alle im ersten halben Jahr. «Dann war wieder Ruhe», sagt Othmar Villiger, Obmann der Vereinigung. Das Sterben gehöre dazu. Vergessen tut man die Toten nicht. An der Jahresversammlung werden sie gewürdigt, es wird eine Schweigeminute eingelegt und der Seniorenchor singt ein Ständchen.

Eine traurige Vereinigung, das ist die Seniorenvereinigung aber nicht. Im Gegenteil. Sie sind gesellig – nach der Jahresversammlung gibts Wein, Bier und Rösti. Sie sind gesprächig – über die Tische hinweg. Und sie sind stolz auf ihren Verein, der wohl dieses Jahr die 300-Mitglieder-Marke knacken wird.

Die Serviertochter

Ihr heiliger Tag ist nicht der Sonntag, sondern der Donnerstag. Jeden einzelnen Donnerstag im Jahr treffen sie sich. Meist in aller Früh und meistens mit Stock und gutem Schuhwerk ausgerüstet. Und dann wird gewandert über die Hügel in der Nähe und der Ferne und am Schluss wird eingekehrt. Das Einkehren ist fast ebenso wichtig wie die Wanderung. Kurt Wyser aus Schlossrued verrät, was auch wichtig ist: die Serviertochter. «Ist eine ein bisschen eine clevere und hat ein bisschen ein Mundwerk, dann kann sie mit uns ziemlich Trinkgeld machen», gesteht er unumwunden. Klar ist: Ein Donnerstag ohne die Senioren-Kollegen, das ist ein verlorener Tag.

Die zweite Besonderheit: In der Seniorenvereinigung sind nur Männer zugelassen. Ärgert das die Frauen nicht? «Ach was, die Frauen sind froh, wenn wir mal aus dem Haus sind», sagt Othmar Villiger und er ist nicht der Einzige. Die dritte Besonderheit: Die Männer sind per du. Egal ob Schreiber, Generalkonsul, Arzt oder Bauer. Da gab es Fälle, wo einer sein Leben lang den Bückling machte vor dem Direktor, und dann treten Direktor und Angestellter gleichzeitig in den Seniorenchor ein und müssen sich duzen. «Daran wird nicht gerüttelt», sagt Heinz Klauser, der die Website macht und sie mit Fotos bestückt – 2670 Mal hat er letztes Jahr auf den Auslöser gedrückt.

Was an der Jahresversammlung sonst noch auffällt: Die Männer sind wahnsinnig freundlich. Jedes Amt wird an der Jahresversammlung verdankt – mit warmen Worten und Applaus. Und ganz zum Schluss sagt dann noch jemand: «Jetzt hat jeder, jedem etwa vier Mal Danke gesagt.» Den Othmar habe man aber vergessen. Und er fordert einen Applaus für den Obmann und bekommt ihn auch. Othmar Villiger sagt: «Vielen Dank.» Villiger hat die Fäden in der Hand und er will hoch hinaus mit der Vereinigung. «Nach bestem Wissen und Gewissen» habe er die Ausschreibung für den Silver Award (siehe unten) ausgefüllt. «Wir haben ein gutes Gefühl», sagt er. Schliesslich tut die Vereinigung seit 47 Jahren viel für die Senioren. Kari Niessner bringt es nach der Jahresversammlung auf den Punkt: «In der Stadt sagen viele sie seien einsam. Das kann man hier nicht sagen.» Am Montag Turnen die Senioren, am Dienstag singen sie, am Mittwoch kochen sie und am Donnerstag werde gewandert. «Erst am Freitag hat der Senior Zeit, den Rasen zu mähen.» Die Männer am Tisch nicken und lachen gleichzeitig.

Silver Award

Am Alterskongress vom 4. Mai 2013 wird erstmals der Silver Award verliehen. Mit dem Preis will der Kanton inspirierende Projekte und Ideen im Altersbereich würdigen. Die Preissumme beträgt insgesamt 12000 Franken.