Der Vorschlag, gemeinsam mit Bewohnerinnen für das Zeitungsbild zu posieren, fiel von den Pflegenden ganz spontan. «Die betagten Menschen sind unsere Hauptpersonen», sagte Agron Etemaj, «sie gehören mit aufs Bild.» Und schon sass eine gut gelaunte Falkensteingruppe auf dem antiken Sofa im Foyer.

Klar strukturierte Ausbildung

Die vier grossen Alterszentren in der Region (Menziken, Reinach, Oberkulm und Schöftland) investieren viel in die Ausbildung ihres beruflichen Nachwuchses.

Andrea Koch ist im Falkenstein Pflegedienstleiterin und damit auch verantwortlich für die Anstellung und Ausbildung von Lernenden. «Eine sorgfältige Auswahl unter den Bewerbern und eine gute Führung und Betreuung der Lernenden sind entscheidend, dass die Ausbildung zum Erfolg führt», sagt Andrea Koch.

Es sei eine Tatsache, dass bei den Jugendlichen der Schritt in einen Pflegeberuf nicht immer die erste Wahl sei. «Es gibt Schulabgängerinnen, die vorerst keine ihren Wünschen entsprechende Lehrstelle gefunden haben und dann via 10. Schuljahr einen Pflegeberuf wählen. In der Regel absolvieren die künftigen Lernenden ein Praktikum. Das sei für beide Seiten wichtig, sagt Koch, «der Betrieb lernt die Jugendlichen kennen und die Jungen erhalten einen vertieften Einblick in ihre künftige Arbeit».

Betreuung und Führung wichtig

Sind Schulabgänger nicht überfordert, wenn sie mit alten Menschen arbeiten müssen, wenn sie auch unmittelbar mit Krankheiten und Todesfällen konfrontiert werden? Die jungen Leute seien noch sehr familiär orientiert, erklärt Koch, sie brauchen noch viel Betreuung unsererseits. «Tiefgehende Erlebnisse werden gemeinsam mit den Teammitgliedern verarbeitet», sagt Andrea Koch. Es dürfe nicht zur emotionalen Überforderung kommen. «Die jungen Menschen tun den Betagten gut, die alten Menschen haben meistens viel Verständnis, auch für kleine Unzulänglichkeiten bei unsern Anfängerinnen.»

Drei junge Menschen äussern ihre Motivation und ihre Erfahrungen exemplarisch. Alle drei sind ausländischer Herkunft, sind in der Region aufgewachsen und sprechen fehlerfrei Deutsch. Sejla Bilalovic, 21, absolviert im 3. Lehrjahr die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit.

Die Arbeit gefalle ihr gut, wenn es auch im 3. Jahr mit Schulabschluss und praktischer Arbeit etwas stressig sei, meint Sejla. «Ich liebe den engen Kontakt mit den Bewohnern», sagt sie, «wir lernen die uns anvertrauten Menschen gut kennen, weil wir lernen, bewusst mit den Biografien zu arbeiten.» Pflege und medizintechnische Verrichtungen interessieren Sejla besonders, «in dieser Richtung möchte ich mich weiter ausbilden».

«Damit kann ich der Schweiz etwas zurückgeben»

Albesa Zhuja, 20, steht im 1. Jahr der Attestausbildung. «Dieser Berufsweg war mein Wunsch», erklärt die Kosovarin. In der Heimat ihrer Familie gebe es keine Altersheime, da würde die Betreuung der Betagten von deren Kindern übernommen innerhalb der Familie. «Deshalb finde ich so rasch den Zugang zu unseren Bewohnern. Und wenn jemand stirbt? Das gehe ihr jeweils schon nahe, sagt Albesa «dann bin ich froh, wenn wir dieses Ereignis im Team besprechen, wenn ich nicht allein gelassen werde». Die Beziehung zu den alten Menschen erfülle sie mit Zufriedenheit, sagt Albesa, und «ich spüre, meine Arbeit wird geschätzt».

Agron Etemaj, 26, hat nach der Erstausbildung zum Pflegeassistenten die Ausbildung zum Fachmann Gesundheit abgeschlossen. «Ich möchte mich noch weiterbilden, die Arbeit auf der Geriatrie gefällt mir, ein Wechsel in die Akutpflege ist gegenwärtig kein Thema.» Als Fernziel denkt Etemaj an die Funktion eines Stationsleiters. Etemaj, ebenfalls ein Kosovare, erzählt, dass er von seinem Vater ermuntert wurde, im Pflegebereich zu arbeiten. Ich solle es schätzen, als Ausländer in der Schweiz zu leben, habe sein Vater gesagt, «da kannst du mit deiner Arbeit auch etwas zurückgeben».

In einem stimmen die drei jungen Berufsleute überein: «Unsere Tätigkeit umfasst viel mehr als Pflege allein», sagen sie, die Breite mache es aus, die Beziehungen zu den Bewohnern brächten die Zufriedenheit, auch in stressigen Momenten. «Ich habe die Leute gern und scheue mich nicht, auch einmal jemanden in die Arme zu schliessen», erklärt Albesa.