Die az Aargauer Zeitung hat die drei Oberwynentaler Grossräte Christine Haller (Grünliberale Partei GLP), René Kunz (Schweizer Demokraten SD und Ruedi Weber (Grüne) zu einem informellen Gespräch ins Büro Reinach eingeladen. Auslöser war eine Mediennotiz der drei Politiker. Darin haben sie mitgeteilt, dass sie künftig über die Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten wollten. Der Reinacher Schweizer Demokrat René Kunz politisiert ja nicht gerade auf der gleichen Schiene wie der Grüne Ruedi Weber, aber dennoch setzt er sich mit ihm an einen Tisch. «Wenn wir unsere Probleme lösen wollen», sagt Kunz, «dann müssen wir offen auf die andern zugehen, nur so gehts.»

Alle Grossräte ins Boot holen

Die drei halten gegenüber der az Aargauer Zeitung fest, dass sie sich natürlich schon lange kennen, dass sie immer wieder auf regionale Themen zu sprechen kämen. «Wenn wir uns zu einer engeren Zusammenarbeit entschlossen haben», sagt Christine Haller, «so bilden wir dabei keineswegs eine konspirative Oberwynentaler Gruppe.» Und Ruedi Weber doppelt nach: «Wir verstehen uns als Kern eines Forums und haben den Wunsch, die andern sechs Grossräte des Bezirks mit ins Boot zu holen.»

Wie regionale Zusammenarbeit aussehen kann, haben Christine Haller und René Kunz an der Reinacher Gemeindeversammlung dieser Woche gezeigt. Bei der traktandierten Zonenplanänderung für einen Landi-Neubau brachten sie als Grossräte die Sichtweise des regionalen Denkens ein, und sie verlangten zuerst eine Gesamtschau.

Die Aufgabe als Grossrat ist für Ruedi Weber eine zweifache. «Ich bin als Gesetzgeber im Parlament angestellt und gleichzeitig auch als grüner Volksvertreter der Region verpflichtet.» Für Weber sind bei einer Zusammenarbeit zwei Sachen wichtig. Er wolle nicht seine Identität verlieren, aber er suche die Auseinandersetzung mit den andern. «Ich will letztlich ein kreatives, gutes Resultat der politischen Arbeit in der Gesellschaft sehen.»

Für Christine Haller ist in dieser Phase wichtig, auszulotsen, wo mit andern Grossräten Gemeinsamkeiten vorhanden seien. «Gemeinsame Themen müssen wir erarbeiten, vielleicht auch Hemmnisse überwinden und aktiv das Gespräch suchen.» Dieser Weg zur Verständigung brauche Zeit, sagt Haller, sie habe aber in ihrem politischen Leben erfahren, dass das eine guter Weg sei. «Es braucht schlicht die Auseinandersetzungen mit andersdenkenden Politikern, damit man zu Lösungen kommt.»

René Kunz politisiert als SD-Grossrat ohne Fraktion. Umso mehr ist er an der Zusammenarbeit interessiert und geht so weit, dass er das Parteiendenken infrage stellt. «Wir müssen die Parteibücher weglegen und uns für das Gemeinwohl, für die Gemeinschaft einsetzen.» Er wolle als Politiker die Wünsche und Ängste der Menschen in der Region aufnehmen. «Da bringt mich das Parteibuch nicht weiter.» Für Kunz ist die überparteiliche Zusammenarbeit essenziell, «wir müssen zusammenarbeiten und auch Kompromisse eingehen.»

Andere Grossräte einladen

Die drei Parlamentarier aus Reinach und Menziken nehmen sich heute als Kern einer kommenden Zusammenarbeit war. «Wir laden die andern Grossräte der Region ein, mit uns zusammen für Gemeinschaft zu arbeiten», sagt Kunz. «Das sind wir doch der Bevölkerung schuldig.»

Ruedi Weber lässt durchblicken, dass es für ihn von zentraler Bedeutung ist, dass sich die Zusammenarbeit – dort wo sie möglich ist – an ganz konkreten Themen der Region orientieren soll. «Gemeinplätze sind nicht mein Ding, sondern jetzt gilt es, einen Katalog aufzustellen mit Fragen regionaler Bedeutung. Alle drei sind sich einig, dass sich Anliegen der Region nur wirkungsvoll in Aarau vertreten lassen, wenn die Parlamentarier geschlossen für ihre Region auftreten.

Vielfältige Aufgaben in der Region

Auf die Aufforderung hin, ein Thema zu nennen, bei dem es möglich scheint, über die Parteigrenzen hinaus zu agieren, weist Weber sofort auf die Energieversorgung hin. «Es ist heute allen politisch denkenden Kräften klar, dass wir unsere Energiepolitik umstellen müssen, da bin ich mir sicher.» Energiefragen betreffen alle gleichermassen, von links bis rechts, «das ist heute kein grünes Kerngeschäft mehr».

René Kunz setzt auf das Stichwort Lebensqualität. «Unsere Dörfer entfremden sich», sagt er, «die Leute müssen auswärts arbeiten, es fehlt an Treffpunkten.» Unsere Region sollte auch wieder mehr auf das Kleinräumige setzen, meint Kunz.

Christine Haller ist es nebst der Energiefrage wichtig, dass das regionale Denken, das «Wir-Gefühl» gestärkt wird. «Weniger Mobilität, dafür Einkauf und Kultur in der Region», ergänzt sie.

Die mögliche Zusammenarbeit der Wynentaler Volksvertreter ist aufgegleist, je mehr Grossräte bereit sind mitzuwirken, desto mehr Gewicht erhält die Region Wynental in Aarau.