Schöftland

Ungewöhnlich hohe Fluktuation im Altersheim: «Die Mitarbeiter sind verunsichert»

Personelle und finanzielle Herausforderungen: Das Regionale Alterszentrum Schöftland. fdu

Personelle und finanzielle Herausforderungen: Das Regionale Alterszentrum Schöftland. fdu

Das Regionale Alterszentrum in Schöftland erlebte 2018 eine ungewöhnlich hohe Fluktuation. Die Jahresrechnung 2018 weist einen Verlust auf.

Das Regionale Alterszentrum Schöftland hat ein anspruchsvolles Jahr hinter sich. Die von sieben Gemeinden des Suhren- und Ruedertals als Aktiengesellschaft getragene Institution ist weder personell noch finanziell zur Ruhe gekommen.

Personell nicht, weil das Alterszentrum 2018 eine hohe Mitarbeiterfluktuation erlebt hat. «Die Fluktuation betrug 30 Prozent im letzten Jahr», sagte Uwe Matthiessen, seit einem Jahr Verwaltungsratspräsident, anlässlich der Generalversammlung der Aktiengesellschaft.

Finanziell nicht, weil die Jahresrechnung 2018 einen Verlust von 146 380 Franken aufweist. Ein Jahr zuvor konnte ein Gewinn von 112 605 Franken verbucht werden. Zu den Gründen zählten die deutlich höheren Personalkosten (rund 394 000 Franken mehr als 2018), sagte Verwaltungsratsvizepräsident Roland Kläy. Diese sind teilweise durch Kündigungen entstanden. Sofortiger Freistellungen wegen mussten Löhne doppelt bezahlt werden, sobald die Stelle neu besetzt wurde. Andererseits, so Kläy, hätten Kosten für Unterhalt, Reparaturen und Ersatzbeschaffungen (302 000 Franken mehr als im Vorjahr) zum schlechten Ergebnis beigetragen.

Mehr bedeutende Aufwendungen

Die Unterhaltsarbeiten seien dringend und notwendig gewesen, sagte Matthiessen den Vertretern der Aktionärsgemeinden Schöftland, Kirchleerau, Moosleerau, Reitnau, Schlossrued, Schmiedrued und Staffelbach. Weil man in den letzten Jahren mit einer unmittelbar bevorstehenden Sanierung gerechnet habe, sei in den Zimmern und Wohnungen nicht mehr viel renoviert worden, so der Verwaltungsratspräsident. Vor einem Jahr aber sei entschieden worden, dass erst in ein paar Jahren vollumfänglich saniert werde. Deshalb habe man 2018 einige Reparatur- oder Malerarbeiten in den Räumen der Bewohner ausgeführt. Die Belegungssituation sei momentan gut, gemäss Matthiessen ist das Alterszentrum «nahezu ausgelastet». Die Gemeindevertreter genehmigten einstimmig die Jahresrechnung sowie die Wiederwahl aller Verwaltungsratsmitglieder.

Auch für 2019 will der Verwaltungsrat hinsichtlich Kosten nicht kürzertreten. Man rechne mit «bedeutenden Herausforderungen hinsichtlich der Personalkosten und zusätzlichen bedeutenden Aufwendungen für Unterhalt, Reparaturen und Ersatzanschaffungen», sagte Vize Kläy. Der Grund: Um Bewohnern und Mitarbeitern eine angemessene und würdige Wohn- und Arbeitssituation bieten zu können, müssten notwendige Betriebsmittel zur Verfügung gestellt werden, so Kläy.

Eine angemessene Arbeitssituation scheint im Alterszentrum dringend angesagt. «Die Mitarbeiter sind verunsichert durch die Kündigungen im letzten Jahr und fragen sich, wer wohl der Nächste sei», bestätigt Matthiessen. Unter den Entlassenen sind zwei Kaderleute und drei Mitglieder der Geschäftsleitung. Zu Letzteren gehört auch der Zentrumsleiter selbst: Thomas Steidle, der aus der Hotellerie kam und Anfang 2017 angestellt wurde, musste im November nach eineinhalb Jahren gehen (AZ vom 13. 11. 2018). Gemäss dem Jahresbericht geschah dies wegen einer «Diskrepanz bezüglich Verständnis und Absicht der Förderung und Entwicklung des Alterszentrums mit Blick auf die Zukunft» zwischen Verwaltungsrat und Zentrumsleiter.

All dies legt einen grossen Erwartungsdruck auf die Schultern der neue Zentrumsleiterin Bernadette Flükiger, die ihr Amt am 1. Mai angetreten hat. Das bestätigt der Verwaltungsratspräsident. Sie war zuvor Leiterin des Alterszentrums St. Bernhard in Wettingen, wo sie überraschend per Ende April ausgeschieden war. Die Berner Oberländerin hat viel Erfahrung als Leiterin von Altersinstitutionen und kündigte eine «grosse Reorganisation» an.

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