Im Alter wird es immer schwieriger, Arbeiten im Haushalt oder im Garten selbstständig auszuführen. Doch genau das ist es, was Seniorinnen und Senioren so lange wie möglich wollen: Selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Das weiss auch die Stiftung Wendepunkt mit Hauptsitz in Muhen.

Gemäss Studie des Bundesamts für Statistik kann gut ein Fünftel dieser Personengruppe mindestens eine Haushalts- oder Alltagsaufgabe nicht mehr selbstständig ausführen und braucht Unterstützung, schreibt die Stiftung in einer Medienmitteilung. Könne diese nicht durch Angehörige oder eine Nachbarschaftshilfe ermöglicht werden, könnten schon kleinere Einschränkungen ein betreutes Wohnen im Heim bedeuten.

Die Stiftung führt deshalb die «Understützig dehei mit WendeMobil» neu auch in der Region Aarau und Zofingen ein. «Das Bedürfnis für Unterstützung ist gross. ‹WendeMobil› fördert die Mobilität und das selbstbestimmte Wohnen älterer Menschen», erklärt Sascha Lang, Gesamtleiter der Stiftung Wendepunkt. «Gleichzeitig schaffen wir als Sozialunternehmung interessante Ausbildungs- und Arbeitsplätze für unsere Klientinnen und Klienten, welche von einer Fachperson angeleitet werden. Durch diese Arbeitseinsätze entstehen soziale Kontakte und neue Perspektiven für beide Seiten.»

Erfolg in Baden-Wettingen

«WendeMobil» ist in der Region Baden-Wettingen im Jahr 2013 eingeführt worden und stosse seitdem auf rege Nachfrage. Vorgesehen ist das Angebot in den Gebieten Aarau bis Schöftland sowie Zofingen, Oftringen, Rothrist und Aarburg. Vielleicht wird das Gebiet weiter ausgedehnt, wie Philipp Schön, Projektmitarbeiter bei der Stiftung Wendepunkt, sagt. «Wenn wir Anfragen beispielsweise aus Schmiedrued haben, schauen wir uns diese natürlich an.»

Angeboten werden Reinigungsarbeiten, Garten-, Umgebungs- und Unterhaltsarbeiten, einen Wäscheservice sowie Hilfe bei der Administration. Die Angebote können temporär oder über eine längere Zeit genutzt werden. Neu kommt auch ein Mahlzeitendienst dazu. Man könne qualitativ hochwertige Menüs zu einem guten Preis anbieten. «Unsere Kunden können kurzfristig bestellen und wir liefern drei Mal pro Woche direkt nach Hause», sagt Ruedi Gautschi, Leiter Gastronomie Muhen.

Keine Konkurrenz zu Spitex

Im letzten Jahr wurde in Suhr ein Mahlzeitendienst eingeführt und auch die Spitex bietet Haushaltsarbeiten an. Ist da die Konkurrenz nicht zu gross? «Das Angebot ist im Austausch mit der Spitex und Pro Senectute entstanden», sagt Philipp Schön. Es sei eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten, keine Konkurrenz. Ältere Menschen sind die Zielgruppe, doch nicht nur: «Auch berufstätige Menschen oder Familien können zur Unterstützung das Angebot in Anspruch nehmen.»

Auch für die Spitex Suhrental Plus ist das Angebot keine Konkurrenz, im Gegenteil: «Wir sind froh, wenn wir unseren Klienten jemanden vermitteln können», sagt Daniel Weber, Geschäftsleiter. Die Spitex bietet bei der Reinigung den sogenannten «Wochenkehr» an, das heisst beispielsweise staubsaugen, abstauben oder WC putzen. «WendeMobil bietet genau das an, was wir nicht anbieten können», sagt Weber. Er meint damit etwa den Frühlingsputz.

Für «WendeMobil» stehen Klienten von Wendepunkt im Einsatz, die in einem Integrationsprogramm der Stiftung sind. Sie werden für die neue Aufgabe geschult und dabei von einer Fachperson begleitet. «Zudem ist es uns ein Anliegen, dass immer dieselben Personen zu den Kunden gehen, damit Kontinuität gewährleistet ist.»