Schreiner Willy Barfuss (67) aus Oberkulm blickt in seinem Baubewilligungsverfahren schon lange nicht mehr durch. «Irgendwann bekomme ich deswegen noch ein Burnout», sagt er. Grund für seine Sorgen ist das momentan aufliegende Baugesuch. Ausgelöst durch seine eigenständigen Flickarbeiten am Ufer der Wyna im Jahr 2016.

Die Liegenschaft von Barfuss wurde seit je als Schreinerei genutzt. Er selbst hat das Geschäft 1984 übernommen. Dass Schreinereien dicht an fliessenden Gewässern stehen, ist historisch bedingt: Die Gerätschaften wurden früher vom Wasser angetrieben. Heute wird das Wasser nicht mehr für den Schreinereibetrieb gebraucht. Die Nähe dazu ist zum Problem geworden.

«Ich hatte in den letzten 20 Jahren fünf Hochwasserereignisse auf meinem Grundstück», sagt der Handwerker. Dabei seien die Einliegerwohnung, der Keller und die Werkstatt regelmässig überschwemmt worden, oder Willy Barfuss konnte seine Schreinerei mit Sandsäcken gerade noch vor dem Wasser schützen. Mit dieser Gefahr könne er leben, sagt Barfuss. Was ihm Kummer bereite, sei der reissende Bach, der regelmässig das Ufer unterspüle und so seinen Vorplatz wegzuschwemmen drohe.

«Schreiner, kein Beamter»

2016 war dies der Fall. Barfuss musste handeln und hat eine kleine Fläche am Ufer geflickt – ohne Bewilligung. Die widerrechtlichen Arbeiten sind der Gemeinde Oberkulm aufgefallen. Ein Hin und Her zwischen der Gemeinde, dem Kanton und dem Schreiner nahm seinen Anfang.

Die Behörden verfügten den Baustopp. «Der Bauherrschaft wird freigestellt, innert Frist entweder die Baute zu beseitigen und den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen oder ein nachträgliches Baugesuch einzureichen», heisst es in der Verfügung vom Oktober 2016. Daraufhin teilte Barfuss der Gemeinde mit, dass es ihm nicht möglich ist, ein Baugesuch zu stellen, weil er nicht wisse, wie er das machen soll. «Ich bin Schreiner, kein Beamter», sagt Barfuss heute. Er habe die Gemeinde um Hilfe gebeten. Eine Lösung wurde nicht gefunden.

Bei einem Augenschein im Oktober 2016 durch Kanton und Gemeinde vor Ort war plötzlich nicht mehr nur der widerrechtlich erstellte «Flick» aus Beton am Ufer ein Thema, sondern die ganze Uferverbauung entlang der Wyna. Der Kanton störte sich am Unterstand und am Gartenhaus, die zu nahe an der Wyna stehen würden. «Eine kantonale Zustimmung liegt auch dafür nicht vor», heisst es in der kantonalen Verfügung vom März 2017.

Dies sorgte bei Barfuss für Verwunderung: «Schon meine Vorgänger haben den Schopf als Holzlager benutzt.» Der stehe schon seit Ewigkeiten dort. Auch nach mehrfacher Aufforderung der Gemeinde hat der Schreiner das geforderte Baugesuch nicht eingereicht. «Aus Überforderung.» Von Amtes wegen übernahm dies dann im September 2017 die Gemeinde. Inhalt des Gesuchs: die 2016 erstellte Uferverbauung. Der Kanton war damit nicht einverstanden und forderte ein Gesuch für die gesamte Uferverbauung, den Holzschopf und das Gartenhaus ein.

Baugesuch für alte Bauten

Barfuss verstand die Welt nicht mehr. Er nahm sich einen Anwalt. «Ich wusste nicht mehr, was ich machen muss.» Er hätte ja nicht einfach zuschauen können, wie der Bach sein Grundstück wegfresse, er musste damals handeln.

Die Gemeinde reagierte auf die Stellungnahme des Kantons und publizierte Anfang Februar erneut ein Baugesuch, diesmal mit folgendem Inhalt: Uferverbauungen, Gartenhaus (erstellt vor 1984), Holzlagerschopf (erstellt vor 1998). Barfuss ist nicht glücklich damit. Er befürchtet, dass dieses Verfahren wieder keine Lösung bringt. «Dann müssten ja die ganzen Holzbauten im Wynental, die zu nahe an der Wyna stehen, nachträglich mit einem Baugesuch bewilligt werden», sagt er. 

Was die Uferverbauung betrifft, ist er einsichtig. Trotzdem erhofft er sich in Zukunft Unterstützung von den zuständigen Behörden, wenn es um die Wyna und seine angrenzende Liegenschaft geht. «Ich hoffe auf eine gemeinsame Lösung.» Das Baugesuch liegt noch bis zum 13. März auf.