Schöftland

Umweltverbände bekämpfen neues Klein-Wasserkraftwerk

Vorbild Hirschthal: Das geplante Kleinwasser-Kraftwerk in Schöftland basiert auf den Plänen der Anlage in Hirschthal.

Vorbild Hirschthal: Das geplante Kleinwasser-Kraftwerk in Schöftland basiert auf den Plänen der Anlage in Hirschthal.

Die geplante Wasserkraftschnecke in Schöftland ist mehreren Umweltverbänden ein Dorn im Auge. Bei den Einwendungen wird unter anderem die Lage in einem zu revitalisierenden Teil der Suhre sowie die schlechten Voraussetzungen für Fische bemängelt.

Strom für 107 Haushalte soll das neue Klein-Wasserkraftwerk liefern, das Schöftland bei der Alten Mühle plant. Wo früher die Suhre ein Mühlerad antrieb, soll das Wasser nun eine moderne Wasserkraftschnecke rotieren lassen.

Das Prinzip ist einfach und eine Nachahmung einer Anlage in Hirschthal: Mehrere Tonnen Wasser füllen die «Schnecke» und bringen diese in Bewegung. Die Drehzahl wird automatisch der Wassermenge der Suhre angepasst. 427 600 Kilowattstunden soll das Kleinwasser-Kraftwerk jährlich produzieren.

«Unser Beitrag an die Energiewende», sagte Gemeinderat Thomas Buchschacher Anfang September der az. Im Herbst 2013 hatte die Gemeindeversammlung dafür einen Kredit von 1,4 Millionen Franken gesprochen.

Jetzt gibt es aber Widerstand: Innert der Auflagefrist sind mehrere Einwendungen gegen das Baugesuch eingegangen, wie die Gemeindekanzlei auf Anfrage mitteilt. Dahinter stehen die Umweltverbände WWF, Aqua Viva und Heimatschutz.

Konflikt mit Revitalisierung?

Die Gründe für die Einwendungen sind unterschiedlich. WWF Aargau und Aqua Viva stören sich daran, dass das Kraftwerk in einem Abschnitt der Suhre geplant ist, wo der Kanton eine Revitalisierung plant. «Diese beiden Projekte sind nicht aufeinander abgestimmt», sagt Tonja Zürcher, Geschäftsführerin von WWF Aargau. «Zudem bezweifeln wir, dass der geplante Fischabstieg genügend ist.»

Gleich argumentiert Aqua Viva: «Wenn das Kraftwerk gebaut ist, wird es dort sehr schwierig, eine deutliche ökologische Aufwertung der Suhre durch eine Revitalisierung zu erreichen», sagt Benjamin Leimgruber, Projektleiter Gewässerschutz von Aqua Viva.

Zudem stehe der Verein, der sich landesweit für den Gewässerschutz einsetzt, Klein-Wasserkraftweren eher kritisch gegenüber, weil sie das Ökosystem eines Flusses für relativ wenig Strom sehr stark verändern würden. «Für uns stimmt das Verhältnis von den Umweltauswirkungen zu der Stromproduktion meist nicht.»

Der Aargauer Heimatschutz ist nicht gegen das Klein-Wasserkraftwerk (dieses sei vernünftig) und begrüsst auch die geplante ökologische Aufwertung der Suhre, stört sich aber am Baugesuch: «Es fehlen präzise Angaben, wie das Kraftwerk gebaut werden und schlussendlich aussehen soll», sagt Geschäftsführer Henri Leuzinger.

Auch bei Kleinbauten gelte architektonische Sorgfalt. Leuzinger: «Das Baugesuch erfüllt kaum die Mindestanforderungen, die jeder Private bei einem kleinen Projekt erfüllen muss.»

Zudem regt der Heimatschutz an, den historischen Stellenwert von Alter Mühle, Gewerbekanal und Villa Frei genau zu prüfen, bevor das Kraftwerk gebaut wird.

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