Menziken

Umstrittener Rega-Einsatz: Architekt bleibt zweimal am Kirchturm stecken

Der Rega-Helikopter im Anflug

Rettungsaktion bei der reformierten Kirche Menziken

Der Rega-Helikopter im Anflug

Eine harmlose Inspektion am sanierungsbedürftigen Menziker Kirchturm hat sich zu einer Rettungsaktion von Feuerwehr und Rega entwickelt. Die Hebebühne mit drei Personen an Bord blieb zweimal stecken. Wer den Einsatz bezahlt, muss jetzt geklärt werden.

Das Vorhaben war eigentlich unspektakulär. Weil der Turm der reformierten Kirche Menziken in einem schlechten Zustand ist, wollten Architekt Bruno Burger und ein Handwerker den Sanierungsbedarf abklären. Dafür liessen sie sich mit einem Begleiter auf einer Hebebühne zum Kirchturmdach fahren.

Doch auf halber Höhe ging plötzlich nichts mehr. Die Hebebühne des sogenannten Gelenksteigers stoppte abrupt, wie das «Wynentaler Blatt» schreibt.

Kirchensigrist Daniel Erismann, gleichzeitig Feuerwehrmann, holte mit Vize-Kommandant Mike Hunziker die Autodrehleiter aus dem Magazin der Feuerwehr Oberwynental. Über diese gelangten die Passagiere von der Hebebühne wieder auf den Boden. Der Gelenksteiger wurde repariert.

Wenig später fuhren die drei Männer erneut mit der Hebebühne zum Dach des Kirchturms. Doch dann passierte es: Mit einen ohrenbetäubenden Knall krachte ein etwa drei Meter langes Metallteil aus dem unteren Ende des Gelenk-Armes. «Es war wie ein Geschoss, das die Abdeckung wegsprengte», sagt Arnold Schori, Präsident der reformierten Kirchenpflege, auf Nachfrage der az. Ein Augenzeuge ergänzt: «Wäre jemand dort gestanden, hätte das schlimme Folgen gehabt.»

Kritik vom Architekten

Mit dem Schrecken davon kamen die drei Männer auf der Hebebühne, welche dabei zum zweiten Mal an diesem Tag stecken blieb – diesmal jedoch in 38 Metern Höhe ausser Reichweite der Feuerwehr-Autodrehleiter und hoch über den Köpfen zahlreicher Schaulustiger.

Diese staunten noch mehr, als später ein Rega-Helikopter auftauchte. Dessen Rettungsteam blieb jedoch ebenfalls die Rolle der Zuschauer: Die Hebebühne konnte in der Zwischenzeit so weit abgesenkt werden, dass die drei Männer mit der Feuerwehr-Autodrehleiter evakuiert werden konnten – dies gegen den ausdrücklichen Willen der Betroffenen. «Wir wollten auf keinen Fall, dass nach dem Vorfall noch jemand am beschädigten Gelenksteiger mit unserer Hebebühne hantiert», sagt Architekt Bruno Burger. Dies sei trotzdem getan worden.

Burger: «Das war unverantwortlich.» Die drei Männer hätten als Alternative von der Hebebühne aus Kirchensigrist Daniel Erismann gebeten, die Rega zu alarmieren.

Wer zahlt die Rechnung?

Die Firma des Gelenksteigers spricht von einem «sehr unschönen Vorfall», hält jedoch fest, dass die Passagiere nie in Gefahr gewesen seien. «Unsere Techniker waren hier und konnten das Problem lösen.»

Der Rega-Helikopter sei zudem überraschend aufgetaucht und unnötig gewesen. Bruno Burger widerspricht: «Von einer Überraschung kann nicht die Rede sein. Wir haben angekündigt, dass wir die Rega alarmieren.»

Die Parteien müssen nun klären, wer den Rettungseinsatz vom Freitag bezahlt – vor allem den Helikopter, der von Erstfeld gekommen war und nicht zum Einsatz kam. Die Kirchenpflege sieht die Gelenksteiger-Firma in der Pflicht. Diese äusserte sich nicht dazu.

Kaum ins Gewicht fallen dürfte die Autodrehleiter. «Unsere Rechnung wird gering ausfallen, wenn es überhaupt eine geben wird», so Vize-Kommandant Mike Hunziker.

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