Früher sagte der Vater zum Sohn: «Solange du die Füsse unter meinem Tisch hast ...». Heute sagt er: «Solange du dein Smartphone in meinem WLAN-Netz hast ...»

Diese zwei Aussagen waren das Motto des Elternabends vom Donnerstag an der Schule Schöftland zum Thema «Neue Medien, Chancen und Risiken mit den Smartphones und Co». Ein Abend, der wohl die meisten Fragen der 230 Eltern beantwortete.

Ziel war es, dass die Eltern in der Lage sind, den Kindern die Chancen und Risiken im Umgang mit den neuen Medien näher zu bringen. Es wurde versucht, den Alltag der Kinder mit ihren Handys nicht schlechtzumachen, sondern ihn verständlich darzustellen.

«Wir hatten an der Schule auch negative Erfahrungen mit neuen Medien gemacht», sagte Schulleiter Heinz Leuenberger. Konkret sei es darum gegangen, dass Dinge hin- und hergeschickt wurden und die Kinder sich der Auswirkungen zu wenig bewusst waren.

Deshalb hat die Schule Lehrerweiterbildungen organisiert. Fachleute vom Verein Zischtig.ch haben mit den Schülern der 5. Primarschule sowie der 1. und 2. Oberstufe das Thema geschlechtergetrennt behandelt. Eine Aktion, von der sich der Schulleiter auch Nachhaltigkeit erhofft.

Sicherer Umgang mit Medien

Vor Ort waren Esther Burri und Lukas Vollenweider von Zischtig.ch. Der Verein bietet Medienbildung für Schule und Eltern an und strebt den sicheren Umgang mit Medien wie Smartphones und Tablets an. «In einer regionalen Schule wie Schöftland ist der Austausch unter den Schülern mit neuen Medien sehr wichtig», sagte Burri.

Am Abend ging es darum, die Eltern auf die Gefahren hinzuweisen, die im Internet lauern. Beispielsweise dass Bilder schnell versendet sind und immer einen Fussabdruck hinterlassen. Oder dass die Kinder schnell auf pornografische Seiten im Netz stossen.

Bei Mädchen sei vor allem das Chatten ein grosses Thema. Heute hätten die Kinder die Möglichkeit, 24 Stunden online zu sein, und sie seien so immer schwerer kontrollierbar.

Burri ermunterte die Eltern, über Themen wie Pornografie im Internet zu sprechen, offen und neugierig gegenüber den Kindern zu sein. «Die neuen Medien sind ein Brennpunkt, der fordert und viel Energie braucht», sagte sie.

Auch das Thema Sucht wurde angesprochen. Fotos auf Instagram oder Facebook zu stellen und sich durch seine Freunde bestätigen zu lassen, könne zur Sucht werden, sagte Burri. «Von Sucht spricht man dann, wenn die Kinder über Wochen total vom Handy besetzt sind.»

Es sei wichtig, handyfreie Stunden oder Zonen einzuführen. Beispielsweise mit Kistchen, in denen jedes Familienmitglied in der Nacht und während des Essens das Handy deponieren muss. Oder indem zu bestimmten Zeiten das WLAN-Netz abgeschaltet wird.

«Nehmen Sie den Schwarzen Peter an sich und sind Sie die Peinlichsten», riet Burri. Denn Regeln seien nötig. Ratschläge, die sich einige Eltern bei der nachfolgenden Diskussion zu Herzen nahmen.

Eltern sind auch in der Pflicht, ein Vorbild zu sein. Denn auch sie lassen sich gerne vom Handy unterhalten. Ein Vater sagte, das sei für ihn manchmal sehr schwierig, da er die meisten Geschäftstermine übers Handy regle und so manchmal gegen Hausregeln verstossen müsse.

Am Schluss riet Schulleiter Leuenberger: «Ich ermutige sie, hitzige Diskussionen zu führen, wenn es um Grenzen geht. Und: Peinlich sein gehört zum Erziehen.»