5G-Technologie

Uerkheim hat fast keinen Empfang – eine geplante Antenne spaltet das Dorf

Die Swisscom möchte neben der Sirenenanlage eine Antenne installieren, das Dach würde gegen die Strahlung abgeschirmt werden.

Die Swisscom möchte neben der Sirenenanlage eine Antenne installieren, das Dach würde gegen die Strahlung abgeschirmt werden.

Die Kontroverse um die Strahlung einer 5G-Antenne auf dem Schulhaus hat fast hundert Gegner moblisiert. Wer kann sich durchsetzen?

Herbert Räbmatter reicht es. «Gestern hat mich eine Antennengegnerin angerufen und mich als ‹Arschloch› bezeichnet.» Mit diesen Worten eröffnete Uerkheims Gemeindeammann am Mittwochabend eine Informationsveranstaltung über die geplante Mobilfunkantenne auf dem Schulhaus Hübeli.

Und die ist für viele der rund hundert Besucher der Veranstaltung ein Ärgernis. Viel stärker strahlen würde sie als der bisherige Mobilfunk, Krebs verursachen gar. Das Ärgernis errichten möchte die Swisscom. Sie hat eigens zwei Fachleute an die Veranstaltung entsandt.

Nachdem Gemeindeammann Räbmatter die Teilnehmer des Abends um einen ruhigen und anständigen Abend gebeten hat, gaben sie sich Mühe, den Mobilfunk und das neue 5G zu erklären: Die genutzten Frequenzen bewegten sich im selben Rahmen wie die vorheriger Mobilfunkgenerationen.

Mancherorts entstandene Befürchtungen wegen heikler Hochfrequenzen seien deshalb unbegründet. Für Verwirrung sorge, dass solche Hochfrequenzen vom Militär genutzt werden. Denn die dort eingesetzte Technologie heisst ebenfalls 5G. Weiter ist die Schweizer Strahlenschutzverordnung seit zwanzig Jahren unverändert.

Damit werde auch 5G nicht stärker strahlen dürfen, als dies alle anderen Mobilfunkantennen auch machen oder in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Überprüft wird die Einhaltung der Grenzwerte von den Behörden, die die Leistungsstärke aller Antennen laufend übermittelt bekommen.

Überschreitet eine Antenne einen Grenzwert, muss die Störung in wenigen Tagen behoben werden. Und schliesslich wurde auch noch einmal daran erinnert, dass Handy und WLAN viel stärker strahlen als eine Antenne.

Zahlreiche Kritiker entgegneten, dass die Weltgesundheitsorganisation 5G als «möglicherweise Krebs erregend» einstuft. Das gelte laut Studie im selben Mass auch für Kaffee und noch stärker für Cervelats, relativierte Urs Indermühle von Swisscom. Doch ein Einwand blieb: «Ausgerechnet das Schulhaus», fand Schulleiterin Nicole Waldmeier.

Dieses würde zwar gegen die Antenne abgeschirmt und unterliegt grundsätzlich besonders strengen Grenzwerten. Doch viele Strahlungsgegner wünschten sich wenigstens einen anderen Standort. Aus baurechtlichen Gründen sei das der einzige Ort, von dem aus das Dorf abgedeckt werden kann, erklärte Räbmatter. Ob der vielen Argumente fühlten sich viele Kritiker zunehmend ohnmächtig, gegen Ende wurde der Ton einiger aggressiv.

Ob die Antenne gebaut werden darf, entscheidet die Gemeindeversammlung am 23.11. Die Gegner werden zahlreich erscheinen. Ein Teilnehmer fragte am Mittwoch noch, wer denn ohne das Handy in der Hosentasche zur Veranstaltung gekommen sei. Gemeldet hat sich von den hundert Teilnehmern einer.

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Autor

Michael Küng

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