Leutwil

Übungen mit Gymnastikball und Physiorolle: Diese Aargauerin ist die Physiotherapeutin der Vierbeiner

Karin Küng aus Leutwil arbeitet seit 2007 als Physiotherapeutin für Tiere. Der «Aargauer Zeitung» erklärt sie, wieso auch Tiere Unterstützung einer Physiotherapeutin benötigen.

«Wie ist es dir beim Training ergangen», fragt Physiotherapeutin Karin Küng Mirjam Leimgruber, die ihr in der Praxis vis-à-vis sitzt. Wenn Karin Küng vom Training spricht, meint sie jenes von Nova Scotia Duck Tolling Retriever Taavo, der während der Unterhaltung entspannt in der Ecke des Behandlungszimmers liegt.

Karin Küng arbeitet seit 2007 als Physiotherapeutin für Tiere. Die Ausbildung, die inzwischen zum eidgenössischen Diplom führt, absolvierte sie beim Schweizerischen Verband für Tierphysiotherapie. Die 54-Jährige studierte Tiermedizin und arbeitet im Teilzeitpensum in einer Boniswiler Kleintierpraxis.
Hund Taavo ist wegen einer Entzündung eines Muskelansatzes bei Karin Küng in Behandlung, eine Verletzung, die vor allem bei sehr aktiven Hunderassen vorkommt.

Bei den Terminen in der Praxis von Karin Küng absolviert Mirjam Leimgruber mit Taavo muskelstärkende Übungen und wird dabei von Therapeutin instruiert. «Man unterscheidet generell zwischen einer Aktivtherapie und einer Behandlung», so die Tierphysiotherapeutin. Für Taavo bedeutet dies Training, und zwar täglich. Zuvor wurde der Rüde bereits manuell und mit Geräten behandelt.

Behandlung von Katzen ist schwieriger

Mit der Hilfe seiner Besitzerin absolviert der Rüde Übungen auf einem Gymnastikball. Um Taavo vom Training zu überzeugen, hat seine Besitzerin diverse Motivationsmittel in kulinarischer Form mitgebracht.
Während 30 Minuten wird zwischen verschiedenen Übungen gewechselt. Immer wieder kontrolliert Küng nach, ob «die Dosis erreicht ist». Wenn sie von der Dosis spricht, meint die 54-Jährige eine mögliche Überforderung des Hundes, die vermieden werden soll.

Die Mitarbeit des Tieres bei der Aktivtherapie ist essenziell. Während Taavo seine Balance auf dem Ball hält und von Karin Küng korrigiert wird, interessiert er sich vor allem für die Tube mit Fleischpaste, die Mirjam Leimgruber in der Hand hält.

«Mir gefällt die Ruhe, die Taavo bei dem Training hat, so kann man gut mit ihm arbeiten», sagt Küng zu seiner Besitzerin. Die Leutwilerin arbeitet meist mit Hunden oder Pferden, schwieriger kann es werden, wenn die Patientin eine Katze ist. «Katzen kann man nur behandeln, wenn sie sich dazu bereiterklären», sagt die Tierärztin schmunzelnd. Sie habe jedoch auch schon eine Bengalkatze überzeugen können, die Übungen auf einer Physiorolle zu absolvieren.

Vizeweltmeister dank speziellem Training

Als Tierphysiotherapeutin betreut Karin Küng vor allem Tiere nach Operationen zur Rehabilitation, ältere Tiere oder auch Sportler zur Regeneration, ähnlich wie bei der menschlichen Physiotherapie. Unter anderem betreute Küng auch schon Schlittenhunde, die an Meisterschaften teilnahmen. «Ich wurde zum Training eingeladen, damit ich mir die Situation vor Ort ansehen konnte.» Die Tierphysiotherapeutin machte einige Änderungsvorschläge für das Training, die die Körper der Hunde noch besser entlasten sollen.

«Ich schlug ihnen beispielsweise vor, die Hunde für eine bessere Muskelsymmetrie und damit auch Effizienz mal auf der einen und mal auf der anderen Seite des Gespanns laufen zu lassen.» Die Änderungen in der Routine schienen erfolgreich: «Ein Vierteljahr später erhielt ich einen Anruf, dass das Gespann Vizeweltmeister geworden ist.»

Bei der Frage, ob sie lieber als Physiotherapeutin oder Tierärztin arbeitet, zögert die Leutwilerin keine Sekunde mit ihrer Antwort: «Ganz klar Physiotherapeutin», sagt sie und führt sogleich die Begründung an. «Als Tierärztin treffe ich oft auf schwerkranke Tiere, die ich nur noch erlösen kann.» Bei ihrer Arbeit als Tierphysiotherapeutin sei es jedoch anders. «Viele der Tiere haben ein Problem im Bewegungsapparat, dass sich mit Training und einer Behandlung lösen lässt.»

Ein Besuch beim Tierphysiotherapeuten ersetzt jedoch keine tierärztliche Diagnose: «Unter anderem wegen der bildgebenden Diagnostik, die zu wichtigen Erkenntnissen führt», erklärt Küng. Heute sei es noch selten, dass Tierärzte die vierbeinigen Patienten an Physiotherapeuten überweisen würden. Viele finden den Weg zur Karin Küng nach eigener Recherche.

Taavo ist mittlerweile nur noch in präventiver Behandlung, um weitere Muskelfaserrisse zu vermeiden. Das tägliche Training Mirjam Leimgruber mit dem Rüden hat Früchte getragen. «Ab jetzt reicht es nur jeden zweiten Tag zu trainieren», erklärt Karin Küng Taavos Besitzerin, nachdem sie ihr zusätzliche neue Übungen gezeigt hat.

Für heute hat es Taavo geschafft, vor der Praxistüre wartet derweil schon der nächste Patient.

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