Seetal

«Uber» fürs Land kommt: Mitfahrsystem soll fehlende Busse vergessen machen

Autofahrer werden an Leuchttafeln an Bushaltestellen sehen, wer wohin mitgenommen werden möchte. (Symbolbild)

Autofahrer werden an Leuchttafeln an Bushaltestellen sehen, wer wohin mitgenommen werden möchte. (Symbolbild)

Das Mitfahrsystem Taxito soll in der Region anstelle von neuen Buslinien die Mobilität verbessern. Im Kanton Luzern hat man gute Erfahrungen mit Taxito gemacht.

Seit über sechs Jahren versucht die Begleitgruppe des kantonsübergreifenden Entwicklungskonzepts KEK Seetal, die Anbindungen an den öffentlichen Verkehr zu verbessern. Dazu wurde 2012 eine Studie erstellt, die die Achse Hitzkirch–Fahrwangen–Meisterschwanden unter die Lupe nahm. Sie prüfte unter anderem mögliche neue Buslinien und kam zum Schluss, dass die Nachfrage nicht ausreicht, um solche einzurichten. Was also tun, wenn sich ein Bus nicht füllen lässt, ein gewisses Mobilitätsbedürfnis aber doch da ist? Die Begleitgruppe hat sich für das Mitfahrsystem Taxito aus Bern entschieden. Dieses wirbt mit dem Slogan «Wir machen freie Plätze in Fahrzeugen für die Allgemeinheit zugänglich».

Dazu versieht Taxito einige Bushaltestellen mit einer Leuchttafel. Wer von einem Autofahrer mitgenommen werden will, begibt sich zu einer dieser Haltestellen und schickt Taxito per SMS oder App seinen Zielort. Darauf leuchtet dieser für die Autofahrer gut sichtbar an der Tafel auf. Jeder Autofahrer, der will, kann anhalten und den Wartenden mitnehmen – wie beim Autostopp. Dabei spielt es keine Rolle, ob Fahrer und Passagier bei Taxito registriert sind. Einziger Unterschied: Wenn beide registriert sind, kann der Mitfahrende über Taxito einen Unkostenbeitrag bezahlen, von dem ein Teil an den Fahrer geht. Verzichten beide darauf, geschieht die Fahrt unentgeltlich. Nicht erlaubt ist die Umgehung der Gebührenordnung von Taxito mit eigenen Preisvorstellungen. Wie hoch die Fahrtpreise sind, hängt davon ab, was der örtliche Verkehrsverbund mit Taxito ausgehandelt hat.

So sieht die Website von Taxito aus.

So sieht die Website von Taxito aus.

Erfolgreich erpropt

Das Konzept wurde zwei Jahre lang im luzernischen Napfgebiet zwischen Willisau und Zell getestet. Die Resultate führten dazu, dass Taxito mit dem Fahrplanwechsel letzten Dezember definitiv eingeführt wurde. Eine Fahrt kostet dort pauschal zwei Franken. Davon geht einer an Taxito und einer an den Fahrer. Menschenmassen bewegt der Dienst aber keine: Im letzten Jahr registrierte Taxito im Napfgebiet 80 Fahrten pro Monat. Der Dienst will sich denn auch nicht als Konkurrenz zum öffentlichen Verkehr verstanden wissen, sondern als Ergänzung.

Damit das Konzept finanziell aufgeht, beteiligen sich Gemeinden und Kantone am Einsatz von Taxito. Für das Seetal ist ab nächstem Sommer ein dreijähriger Testbetrieb vorgesehen. Er kostet jede der teilnehmenden Gemeinden 9000 Franken. Mitmachen wollen bislang Aesch, Bettwil, Fahrwangen, Hitzkirch, Hochdorf, Meisterschwanden und Schongau. Und weil gleichzeitig eine weitere Haltestelle in Muri entsteht, erstreckt sich das Erschliessungsgebiet schon zum Start bis ins benachbarte Bünztal. Taxito ist dabei als ländliches Naherschliessungssystem konzipiert und begrenzt sich grundsätzlich auf das mit Haltestellen erschlossene Gebiet. «Ob ein Fahrgast an einer Haltestelle oder woanders abgesetzt wird, kann aber auch bilateral vereinbart werden», sagt Gabi Lauper Richner, die den Vorsitz der Begleitgruppe KEK Seetal innehat.

Die Kantone stehen hinter den Plänen: Im Kanton Luzern ist die Einführung eines Mitfahrsystems bereits im aktuellen öV-Bericht und im regionalen Verkehrskonzept aufgeführt. Und der Kanton Aargau sieht in der Einführung von Taxito einen Beitrag zur Erprobung verschiedener Möglichkeiten für die bessere Erschliessung ländlicher Regionen.

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