Adventskalender
Türchen 10: «Wie Weihnachten im Sommer»

Warum für den Konservator des Weberei- und Heimatmuseums Schmiedrued ein englischer Teller besonders wertvoll ist.

Peter Weingartner
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Roland Frei ist der Konservator, die gute Seele des Hauses; er kennt die Geschichten hinter den Objekten. Peter Weingartner

Roland Frei ist der Konservator, die gute Seele des Hauses; er kennt die Geschichten hinter den Objekten. Peter Weingartner

Peter Weingartner

Tausende von Objekten zeigt das Weberei- und Heimatmuseum Schmiedrued. Das geht vom Webstuhl, der den Bauern im Tal einen Nebenverdienst und der ganzen Familie Arbeit bescherte, bis zum kleinen Handschuh eines Püppchens in der Puppenstube aus dem 19. Jahrhundert.

Das Museum ist das Reich von Roland Frei. Seit zwölf Jahren arbeitet er als eines von rund zehn aktiven Vereinsmitgliedern mit. Und er ist der Konservator, die Seele des Hauses, macht Führungen und kennt die Geschichten hinter den Objekten, stellt thematische Wechselausstellungen zusammen.

Frankenmässig kaum grosser Wert

«Mein Lieblingsgegenstand ist dieser Teller aus dem Schloss Rued», sagt er. Es gibt spektakulärere Exponate, auch solche mit direkterem Bezug zu Weihnachten. Zum Beispiel die antiken Spielsachen, die das Museum von Elisabeth und Richard Plattner aus Aarau übernehmen konnte: In drei Vitrinen sind Teddybären, Puppen, Krämerliläden und Puppenstuben zu bestaunen.

«Der Teller hat frankenmässig kaum einen grossen Wert, aber er gehört hierhin, ins Tal», sagt Roland Frei. Mitte dieses Jahres haben ihm Nachkommen von Alfred Neeser aus Schmiedrued den Teller angeboten. Gratis. «Das war für mich ein Glücksfall, wie Weihnachten im Sommer», erzählt Roland Frei. Alfred Neeser hatte den Teller Ende 19. Jahrhundert, als der Hausrat des Schlosses Rued versteigert wurde, erworben. Ein englischer Teller, Keramik, nicht Porzellan, Althea Pottery.

«Da ist eine Ecke weg», sagt der Konservator und Sammler. Für ihn tut das dem ideellen Wert des Tellers keinen Abbruch: «Das ist ein Gegenstand, der über Generationen gebraucht wurde, das darf man auch sehen.» Er schätzt das Alter auf 150 bis 160 Jahre. Vor 160 Jahren lebte noch die Familie von May auf dem Schloss, und man kann sich vorstellen, dass die Frauenrechtlerin Julie und ihr Mann Friedrich Amadeus ihn verwendet haben. Roland Frei füllt den Teller mit Weihnachts-Chrömli. Er ist heute noch zu gebrauchen.

Das Webereimuseum ist auch Heimatmuseum. Und die Leute im Tal und darüber hinaus wissen um Roland Freis Interesse an alten Gegenständen. So kam das Museum jüngst in den Besitz einer Ledernähmaschine der Firma Trisa in Triengen. Sie steht nun vor dem Schuhmacheratelier.