Gontenschwil

Trumpf rein oder eine Zehn schmieren?

An der Jassmeisterschaft am Samstag im Gontenschwiler «Löwen» wird mit voller Konzentration gespielt.

An der Jassmeisterschaft am Samstag im Gontenschwiler «Löwen» wird mit voller Konzentration gespielt.

Im «Löwen» rauchen die Köpfe – es geht um wertvolle Punkte für den Final der Wynatal-Seetal-Jassmeisterschaft.

Am Samstagnachmittag flogen im «Löwen in Gontenschwil die Karten und es rauchten die Köpfe. Manchmal vor Anstrengung, manchmal aber auch vor Ärger. Denn nicht immer spielte der Partner die Karten, die sein Gegenüber von ihm erwartet hätte. Doch die Regeln waren klar, da verfolgt Jassleiter Hanspeter Fischer bei all seinen Turnieren eine strikte Haltung: Diskutieren ja, es darf auch mal ein bisschen lauter werden, aber immer anständig. Alles hat seine Grenzen. Wer ausfällig wird, den verwarnt der Jassleiter, im schlimmsten Fall schliesst er einen unbeherrschten Spieler vom Turnier aus.

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Besonders wenn sich einmal ein jüngerer Teilnehmer in die Runde wagt, ruft Fischer zu Fairness auf. «Gebt mir Acht auf die Jungen», mahnt er in solchen Fällen vor Wettkampfbeginn. Am Samstag im Löwen gab es für diesen Hinweis keinen Anlass. «Ich bin mit meinen 57 Jahren wohl eine der Jüngsten», konstatierte Maja Koller, die aus Zürich angereist war. Der 88-jährige Fritz Sandmeier aus Seengen war der älteste Teilnehmer, aber längst nicht der Einzige über achtzig. «Die Ältesten hier sind alle noch so fit, die jassen uns Jüngeren um die Ohren», meinte ein Spieler anerkennend.

Bereits zum vierten Mal führt Hanspeter Fischer seine Wynatal-Seetal-Jassmeisterschaft durch. Von September bis Mai gibt es in verschiedenen Restaurants Ausscheidungsturniere, wer mindestens sechsmal teilgenommen hat, darf im Juni am Final mitjassen. «Es gibt immer schöne Preise und am Final geht niemand mit leeren Händen heim», erklärte der Jassleiter, der sich jedes Jahr über mehr Teilnehmer freuen kann. Sein grösster Wunsch wäre es, so viele Anmeldungen für den Final zu erhalten, dass kein Restaurant-Säli in der Umgebung genügend Platz bieten könnte und er auf den Löwensaal in Beinwil am See ausweichen müsste.

Die Geheimsprache verstehen alle

Das Wynatal-Seetal-Turnier ist eine Einzelmeisterschaft. Die Jasspartner für den Schieber werden ausgelost. Da kann es schon mal passieren, dass sich die Mitspieler nicht verstehen. «Das Niveau ist aber recht hoch», bestätigte Hanspeter Fischer. So erkennen alle die versteckten Hinweise: Wer Kreuz verwirft, hat wohl einen Schaufelbock in der Hand.

So oder so, es wird konzentriert gespielt, am Samstag im Gontenschwiler «Löwen». Die Mienen sind angespannt, greift die Hand zu den Karten, runzelt sich die Stirn, die Augen verengen sich. Schliesslich wird die Karte mit einer entschlossenen Bewegung auf den Tisch gelegt. Ist der Stich gelungen, huscht ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht, nur kurz, bereits steht ja die nächste Entscheidung an: Mit dem Trumpf rein oder dem Partner eine Zehn schmieren? Schliesslich geht es um Punkte, vielleicht sogar um den Match, denn Jassen ist zwar ein Spiel, aber nicht nur. Beim Wettkampf suchen die Spieler den Nervenkitzel und einen Adrenalinschub. Ein Jasser bringt es auf den Punkt und erklärt: «Früher bin ich schnelle Autos gefahren, heute nehme ich an Jassturnieren teil.»

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