Kürbisse tätowieren? Und wo bitte ist das einschlägige Studio? Trudy Hochuli aus Reitnau braucht keine farbige Tinte, keine Tätowiermaschine. Ihr reicht ein Stüpferli, wie es Leute verwenden, die mit Filz arbeiten. «Ich habs mit einer Gufe am Velo angemacht, damit ich gleich los kann, wenn ich Lust habe», sagt die 63-jährige Bäuerin. Los, das heisst ins Feld hinunter, wo sie auf einem Streifen von 20 auf 80 Metern Kürbisse zieht. Freiluftstudio also.

Es braucht Erfahrung

Wobei: Trudy sticht nicht, sie zieht den Stichel – eine Stricknadel wäre zu stumpf – über die Haut des Kürbisses. Worte schreibt sie, «Grüezi» oder «Of Wederluege» oder «Willkommen». «Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen», sagt die Tätowiererin. Sei der Kürbis nämlich noch zu jung, riskiere man, dass derselbe zu faulen beginne. Der Kürbis muss noch etwas wachsen, damit man im Reifezustand lesen kann, was da mit sicherer Hand eingeritzt wurde.

Es brauche schon etwas Erfahrung, neben dem richtigen Zeitpunkt auch die richtige Tiefe beim Ritzen des Kürbisses zu treffen. «Etwas mehr als die oberste Haut, aber nicht zu viel», weiss Trudy Hochuli. Denn das Tätowieren ist auch bei Pflanzen eine Verletzung.

Und die Vernarbung dieser Verletzung lässt den Schriftzug gut lesbar erscheinen, wenn die Kürbisse an der Dorfstrasse 29 zum Verkaufe ausgestellt sind. «Ich mache dafür eine Extra-Ecke», sagt sie. Für 15 bis 25 Franken sind sie zu haben.

«Grüezi» auf dem Kürbis.

«Grüezi» auf dem Kürbis.

Sie arbeitet auch auf Bestellung

«Ich hab das vor etwa 20 Jahren mal gesehen, vor einer Haustüre», erinnert sich Trudy Hochuli an die Anschubmotivation. Da habe der Name der Familie draufgestanden. Sie arbeitet auch auf Bestellung. Ein Kollege eines Sohnes werde 40 Jahre alt, nun schreibt sie «Markus 40» auf den Kürbis.

Übrigens verwendet sie für diese Kürbisse, im Gegensatz zu den Speisekürbissen, wo sie den Samen aus dem Briefli nimmt, den Samen von eigenen Kürbissen mit einer besonders glatten Oberfläche.

Doch Überraschungen sind vorprogrammiert. Ein Biologe habe sie auf der Wildegg aufgeklärt: «Kinder» eines glatten Kürbis müssen nicht zwingend glatt sein. Ein Blick aufs Feld mit einem knorrigen gelben Exemplar neben einem glatten bestätigt das.

Ab etwa dem 20. September liegen die Kürbisse nicht mehr auf dem Feld. Dann stehen sie an der Dorfstrasse, vielleicht auf einem der beiden SBB-Postwagen, dank der «Tierwelt» in Trudys Besitz gekommen. Angehängt an den kleinen Traktor fährt sie damit die Kürbisse hoch. Die sonderlichen Formen – Schlange, Schwan – kommen in den Kürbiszoo. Kürbisse in allen Farben warten in einem grossen Cornet auf Käufer, und die Speisekürbisse tragen ein Preisschild. In den Herbstferien können sich Kinder günstig Kürbisse erwerben. Die werden dann nicht bloss geritzt; vielmehr können die Kinder daraus grausige Halloween-Fratzen schnitzen. Narben gibt das keine mehr.