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Trotz Vorzeichen für starken Befall: Die Kälte war des Feuerbrands Tod

Ein Hochstamm-Apfelbaum, der mit Feuerbrand befallen ist. EQ Images

Ein Hochstamm-Apfelbaum, der mit Feuerbrand befallen ist. EQ Images

Die Krankheit wütete nicht mehr so stark wie noch 2015. Nur gerade in sechs Aargauer Gemeinden wurden mit Feuerbrand befallene Bäume gemeldet.

Hochansteckend und gemeingefährlich ist sie, die Bakterienkrankheit Feuerbrand. Vor allem Kernobstbäume wie Apfel- und Birnbäume aber auch Zier- und Wildpflanzen sind betroffen. Im letzten Jahr verzeichnete der Kanton den schlimmsten Befall von Hochstammbäumen seit 2007, rund 400 Bäume mussten gerodet werden. «Deshalb galt für dieses Jahr Alarmstufe Rot», sagt Andreas Distel, Leiter des kantonalen Pflanzenschutzdienstes. Man habe an den jährlichen Kursen die feuerbrandverantwortlichen Personen in den Gemeinden auf die heikle Situation vorbereitet. «Die Vorzeichen für einen wiederum starken Befall waren da», sagt er.

Doch gekommen ist alles anders: Nur gerade in sechs Aargauer Gemeinden wurden mit Feuerbrand befallene Bäume gemeldet. Distel geht davon aus, dass der Kaltlufteinbruch am Wochenende vor Auffahrt Anfang Mai für diesen Rückgang verantwortlich ist. Temperaturen um den Gefrierpunkt und teils bis minus fünf Grad wurden damals gemessen. «Wir gehen davon aus, dass das Bakterium wegen der Kälte grösstenteils dezimiert wurde», sagt Distel, «was für die landwirtschaftlichen Kulturen sehr schlecht war, war für die Bekämpfung des Feuerbrands sehr gut.»

Nur wenige Bäume befallen

Meist sind Gemeinden im südlichen Kantonsteil, unter anderem im Wynen- und Suhrental, betroffen. Dies hat einen guten Grund: «Im südlichen Teil gibt es mehr Kernobst-Hochstammbäume, insbesondere die anfälligen Birnbäume. Dazu kommt, dass der Süden topografisch höher gelegen ist, was zu einer späteren Blüte führt und dadurch das Infektionsrisiko erhöht», sagt er. In Reitnau, Schmiedrued, Zetzwil und Reinach wurden mit Feuerbrand befallene Bäume gemeldet, in Bözberg und Birmenstorf wurden befallene Weissdorne entdeckt. «Der Befall ist aber ziemlich sicher nicht von diesem Jahr, wahrscheinlich hat man den Befall bei der Kontrolle im letzten Jahr nicht entdeckt», sagt Andres Distel.

In den Gemeinden im Suhren- und Wynental sind die Feuerbrandverantwortlichen erleichtert, dass sich die Bakterienkrankheit nicht so extrem ausgebreitet hat wie 2015: «Im letzten Jahr mussten wir über 90 Bäume fällen», sagt Stephan Hunziker, Verantwortlicher von Schmiedrued. In diesem Jahr war nur ein Birnbaum mit Feuerbrand befallen, der Baum konnte aber zurückgeschnitten werden, sodass er nicht gefällt werden musste. Auch nach diversen Kontrollgängen habe man keine weiteren kranken Bäume gesehen.

In Reinach etwa musste in diesem Jahr ein alter, grosser Birnbaum in der Landwirtschaftszone gefällt werden, wie Werkmeister Peter Züsli auf Anfrage mitteilt. «Verglichen zu anderen Jahren ist das sehr wenig», sagt er. In Reitnau waren mehrere kleine Bäume in einer Kernobstanlage betroffen, mehr Fälle wurden nicht gemeldet, «darüber sind wir sehr froh», sagt David Klauser, Feuerbrandverantwortlicher der Gemeinde. In Zetzwil mussten zwei Birnbäume gefällt und an Ort und Stelle verbrannt werden.

Zurücklehnen kann man sich aber laut Andreas Distel keinesfalls. «Wenn die Umstände, sprich die Witterung, im nächsten Jahr stimmen, kann sich das Bakterium ideal entwickeln und der Feuerbrand kann sich wieder stärker ausbreiten», sagt er.

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