Schöftland
Trotz Beizensterben wächst das kulinarische Angebot

Die Landbeizen sterben, das ist bekannt. Überraschend ist, dass die Anzahl der Wirtepatente in der Gemeinde stark gestiegen ist. Immer mehr Leute kommen deshalb nach Schöftland, um ihren Hunger zu stillen.

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Der Schlossgarten gehört weit über die Dorfgrenzen hinweg zu den bevorzugten Adressen.

Der Schlossgarten gehört weit über die Dorfgrenzen hinweg zu den bevorzugten Adressen.

Christoph Voellmy

Gegessen wird heute allerdings anders als noch vor 35 Jahren: 1977 gab es acht Gastronomie-Betriebe, von denen nur noch das Restaurant Suhrental, das Café Caprice und die «Post» geöffnet sind, Letztere nur noch für geschlossene Gesellschaften.

Gemeindeschreiber Rudolf Maurer kennt die Gründe des Beizensterbens: «Der interessierte Nachwuchs innerhalb der Wirtsfamilie hat vielfach gefehlt.» Dazu kämen eigentümerfeindliche Verschärfungen bei Gesetzen wie zum Beispiel das Rauchverbot. Aktuell verzeichnet Maurer 14 Patente, zu denen allerdings auch Vereinslokale und ein Party-Service gehören. Das zeigt, dass sich das Angebot weg von der Traditionsbeiz hin zu spezifischeren Angeboten entwickelt hat.

Man müsse die Veränderungen der Nachfrage akzeptieren, meint Gemeindeschreiber Maurer. «Beim jüngeren Publikum sind sogenannte normale Wirtschaften einfach immer weniger gefragt.»

Fehlendes Angebot ausserhalb

Schöftland boomt und wirkt für Hungrige wie ein Magnet. Eine Umfrage zur Mittagszeit vor Ort mit dreissig Leuten zeigt, dass nur zwei von ihnen Schöftler sind. Sechs Teilnehmer stammen aus Entfelden und sieben aus Muhen. Die Kundschaft der Restaurants kommt also von weit her, um in Schöftland zu essen.

Eine davon ist die 20-jährige Melanie Byland aus Hirschthal, sie verpflegt sich in Marco's Food Atelier, weil Hirschthal kein grosses kulinarisches Angebot biete. Hier sei es gemütlich und sie kenne die Leute. Aus diesem Grund ist Melanie Byland regelmässig in Marco's Food-Atelier. Beatrix Jungen aus Rombach ist auch der Meinung, dass die umliegenden Gemeinden ein zu kleines Angebot besässen: Sie arbeite in Entfelden, komme jedoch regelmässig nach Schöftland. Für sie komme nur das Restaurant Schlossgarten infrage.

Das Ambiente sei nicht mit anderen Beizen zu vergleichen. Auch Tanja Schäfer aus Safenwil geniesst ihren Aufenthalt im Schlossgarten. Das gute Essen und der schnelle Service hätten sie überzeugt. Sie erinnert sich aber auch an früher: «Lange Zeit gab es in Schöftland kein gutes Essensangebot.»

Die Reaktionen auf das veränderte Essensangebot fallen allerdings unterschiedlich aus. Nicht jeder ist begeistert, dass sich Pizza und Döner im Dorf breitmachen und die traditionelle Küche verdrängen. Zum Beispiel Martin Lee, Gast im Restaurant Suhrental, eine der letzten verbleibenden Landbeizen im Dorf. Er hat bemerkt, dass immer mehr kleine, traditionelle Beizen, zum Beispiel der Ochsen, geschlossen haben. Dass diese zum Teil durch Fastfood-Lokale ersetzt werden, findet Lee nicht gut: «Ich will keine Döner oder Ähnliches. Ich will gutes Essen mit einem guten Service.»

Auch Tanja Schärer, die mit ihrer Kollegin im Schlossgarten zu Mittag isst, bevorzugt den Schlossgarten, weil Fastfood-Restaurants nicht gemütlich seien und die Ambiance für sie ein wichtiger Faktor ist.

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